Deutschland im Vergleich: Wieso ist die Bildung in Berlin so schlecht?

Was macht die Bildung in Berlin so schlecht? Und was läuft vielleicht gut?
Federico Gambarini/dpa- Berlin belegt im Bildungsmonitor 2024 den vorletzten Platz in Deutschland.
- Gründe: hohe Bildungsarmut, schlechte berufliche Bildung, mangelnde Schulqualität und schwache Integration.
- Verbesserungen nötig: mehr Ausbildungsplätze, bessere Schulqualität und Integration.
- Stärken: gute Betreuungsverhältnisse, effiziente Ressourcennutzung und hohe Internationalisierung.
- Sachsen ist Spitzenreiter, gefolgt von Bayern und Hamburg.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im aktuellen Bildungsmonitor für das Jahr 2024 zeigt sich, wie gut die Bildungssysteme der einzelnen Bundesländer abgeschnitten haben. Der Bildungsmonitor ist eine seit 2004 jährlich erstellte Vergleichsstudie des INSM - Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die mithilfe von 98 Indikatoren in 13 verschiedenen Handlungsfeldern bewertet, inwiefern ein Bundesland die Bildungsarmut reduziert und zur Fachkräftesicherung beiträgt. Damit thematisiert der Bildungsmonitor den Beitrag zu Wachstum und Wohlstand der Wirtschaft durch das Bildungssystem eines Bundeslandes. Berlins Bildungssystem wurde vom Bildungsmonitor mit dem 12. Platz ausgezeichnet. Damit gehört die Bildung Berlins zu den schlechtesten Deutschlands.
Doch warum hat Berlin ein so schlechtes Bildungssystem? Hier gibt es einen Überblick über die Ursachen und Faktoren für Berlins schlechte Bildung. Und auch darüber, wie die anderen Bundesländern abgeschnitten haben.
Was macht das Bildungssystem Berlins so schlecht?
Da Berlins Bildungssystem vom Bildungsmonitor zu einem der schlechtesten Bildungssysteme Deutschlands ernannt wurde, entsteht die Frage, woran das liegen könnte. So schneidet Berlins Bildungssystem insbesondere aufgrund der folgenden Handlungsfelder schlecht ab: Berufliche Bildung, Bildungsarmut, Schulqualität und Integration. Beispiele für die mangelhafte Umsetzung in diesen Aspekten sind:
- Trotz Fortschritten im Vergleich zu den Vorjahren ist der Anteil an Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz hoch;
- Viele Kinder und Jugendliche erreichen nicht die Kompetenz-Mindeststandards in Deutsch und Mathe;
- Grundsätzlich sind die durchschnittlichen Kompetenzen in Deutsch und Mathe niedrig;
- Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg.
Welche Verbesserungspotenziale gibt es im Bildungssystem Berlins?
- Berufliche Bildung: In diesem Aspekt steht Berlin auf dem letzten Platz. So wurden im Jahr 2023 gemessen an der Bevölkerung im entsprechenden Alter mit 47% relativ wenige betriebliche Ausbildungsplätze angeboten. Auch bei der Quote derjenigen Bewerber und Bewerberinnen, die keine Stelle erhalten haben, erzielt Berlin mit 14,6% einen deutlich höheren Wert als der Bundesdurchschnitt.
- Bildungsarmut: Bei der letzten IGB-Erhebung wurde deutlich, dass verhältnismäßig viele Neuntklässler und Neuntklässlerinnen nicht die Mindeststandards im Lesen erreichen. Da allerdings die Schulabbrecherquote 2022 bei 6,7% und damit leicht unter dem Bundesdurchschnitt lag, erhält Berlin in diesem Handlungsfeld den 15. Platz.
- Schulqualität: Hier belegt Berlin erneut den 15. Platz. Das ist ebenfalls mit den IQB-Schulleistungstests zu begründen. So waren nicht nur die Lesekompetenzen der Neuntklässler und Neuntklässlerinnen unterdurchschnittlich, sondern auch die Mathematik und Deutsch Kenntnisse der Viertklässler und Viertklässlerinnen.
- Integration: Noch einmal liegt Berlin hinten auf dem 15. und damit vorletzten Platz. Bei den IQB-Schulleistungstests ergab sich, dass bei den Neuntklässlern und Neuntklässlerinnen der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg besonders groß ist. Auch bei der Studienberechtigtenquote bei ausländischen Jugendlichen schneidet Berlin mit 3,7% unterdurchschnittlich ab.
Was läuft in Berlins Bildungssystem gut?
Obwohl Berlins Bildungssystem deutliche Schwachpunkte aufweist, hat es auch einige Stärken vorzuzeigen. Beispielsweise in den Handlungsfeldern Betreuungsbedingungen, Inputeffizienz, Förderinfrastruktur und Internationalisierung schneidet Berlin im Bildungsmonitor gut ab. Auch im Handlungsfeld Hochschule und MINT hat Berlin sich einen guten Platz ergattert.
Um einige Beispiele für die verschiedenen Handlungsfelder zu nennen: Die Betreuungsrelationen und damit die Schüler-Lehrer-Relationen sind gut. Auch gibt es eine relativ ausgeglichene Altersstruktur der Lehrkräfte an den allgemeinbildenden Schulen. Ein weitere Stärke von Berlins Bildungssystem ist, dass ein hoher Anteil der Kinder Ganztagsangebote in Kitas und Schulen besucht. Außerdem gibt es in Berlin den höchsten Anteil an Bildungsausländern unter den Studierenden.
- Betreuungsbedingungen: In diesem Handlungsfeld erhält Berlin sogar den ersten Platz. Das liegt daran, dass Berlin im Jahr 2022 bei den Unterrichtsstunden in der Sekundarstufe I der Gymnasien den besten Wert aller Bundesländer und bei den Grundschulen sowie Teilzeit-Berufsschulen den zweitbesten Wert erreicht. Zudem kamen nur 13,6 Schüler und Schülerinnen der Sekundarstufe I auf eine Lehrkraft. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 15,3 Schülern bzw. Schülerinnen pro Lehrkraft. Auch in den Kindertageseinrichtungen fielen die Betreuungsrelationen mit 5 Kindern pro Betreuer oder Betreuerin besser aus als im deutschlandweiten Durchschnitt.
- Inputeffizienz: Auch hier liegt Berlin auf dem 1. Platz. Die Lehrerschaft an den allgemeinbildenden Schulen Berlins weist nämlich eine relativ ausgewogene Altersstruktur auf. Hinzu kommt, dass an den allgemeinbildenden sowie an den beruflichen Schulen das Verhältnis zwischen Sachausgaben und Personalausgaben sowie die Investitionsquoten positiv ausfallen. Zudem fiel auch der Deckungsbeitrag der Drittmittel für Hochschulausgaben mit 25,7% überdurchschnittlich ausfiel.
- Förderinfrastruktur: Bei diesem Bereich erhält Berlin den 4. Platz. Ein Grund hierfür ist, dass im Jahr 2022 83,6% der Berliner Grundschulkinder eine offene oder gebundene Ganztagsschule besuchten. Auch der Anteil an Ganztagsschülern und Ganztagsschülerinnen im Sekundarbereich I fiel in Berlin mit 63,9% höher aus als der Bundesdurchschnitt.
- Internationalisierung: Einerseits fällt in Berlin der Anteil an Bildungsausländern und Bildungsausländerinnen an allen Studieren mit einem Wert von 21,5% relativ hoch aus, was den besten Wert aller Bundesländer darstellt. Andererseits fallen die Englischkompetenzen der Berliner Schüler und Schülerinnen unterdurchschnittlich aus. Aus diesen Gründen landet Berlin in diesem Handlungsfeld auf Platz fünf.
- Hochschule und MINT: Hierbei belegt Berlin ebenfalls den 5. Platz. So fällt der Anteil von Absolventen und Absolventinnen an der 25- bis 40-jährigen Bevölkerung mit 3,6% überdurchschnittlich aus. Außerdem weist Berlin gemessen an den beschäftigten Ingenieuren und Ingenieurinnen eine hohe Anzahl an Ingenieurabsolventen und Ingenieurabsolventinnen auf - die Ersatzrate liegt in Berlin bei dem überdurchschnittlichen Wert von 7,2%.
Wie schneiden die Bildungssysteme der einzelnen Bundesländer ab?
- Baden-Württemberg: Platz 5
- Bayern: Platz 2
- Berlin: Platz 12
- Brandenburg: Platz 15
- Bremen: Platz 16
- Hamburg: Platz 3
- Hessen: Platz 7
- Mecklenburg-Vorpommern: Platz 13
- Niedersachsen: Platz 8
- Nordrhein-Westfalen: Platz 14
- Rheinland-Pfalz: Platz 9
- Saarland: Platz 6
- Sachsen: Platz 1
- Sachsen-Anhalt: Platz 11
- Schleswig-Holstein: Platz 10
- Thüringen: Platz 4
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