Beflaggung Bayern am 22. Juli: Warum ist heute halbmast geflaggt?

Heute wehen die Flaggen an staatlichen Gebäuden in Bayern auf halbmast. Dahinter steht ein bewegender Jahrestag, der an die neun Opfer des OEZ-Anschlags erinnert
Soeren Stache/dpaAn zahlreichen staatlichen Dienstgebäuden in Bayern wehen die Flaggen am Mittwoch, 22. Juli 2026, auf halbmast. Grund dafür ist der zehnte Jahrestag des rechtsextremistisch motivierten Anschlags am Münchner Olympia-Einkaufszentrum. Ministerpräsident Markus Söder hat für diesen Tag landesweite Trauerbeflaggung angeordnet. Bei dem Attentat am 22. Juli 2016 erschoss ein 18-Jähriger am Olympia-Einkaufszentrum, kurz OEZ, acht Jugendliche und eine erwachsene Frau. Weitere Menschen wurden verletzt. Anschließend tötete sich der Täter selbst.
Mit der Trauerbeflaggung erinnert der Freistaat an die neun Todesopfer und bekundet seine Anteilnahme gegenüber deren Familien und Hinterbliebenen.
Zentrale Gedenkfeier am Olympia-Einkaufszentrum
In München findet am Nachmittag eine zentrale Gedenkveranstaltung am Denkmal „Für Euch“ in der Hanauer Straße vor dem OEZ statt. Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr, der Einlass ist ab 15 Uhr möglich. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird bei der Gedenkfeier eine Rede halten. Ebenfalls angekündigt sind Beiträge von Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause sowie von Angehörigen der Opfer. Zum Zeitpunkt der Tat, um 17.51 Uhr, soll eine Schweigeminute abgehalten werden.
Busse und Bahnen stehen für eine Minute still
Auch die Münchner Verkehrsgesellschaft beteiligt sich am Gedenken. Um 17.51 Uhr werden U-Bahnen, Trambahnen und Busse für eine Minute anhalten. Damit Fahrzeuge möglichst nicht auf freier Strecke oder in einem Tunnel stehen bleiben, können einzelne Bahnen und Busse bereits kurz zuvor an einer geeigneten Haltestelle stoppen. Fahrgäste werden über Durchsagen und digitale Anzeigen informiert.
Wegen der Gedenkveranstaltung kommt es zudem rund um das Olympia-Einkaufszentrum zu Änderungen im Busverkehr. Unter anderem werden die Expressbuslinien X35 und X36 sowie die Linien 50, 60, 163 und 175 umgeleitet. Die Haltestellen „Olympia-Einkaufszentrum“ und „Olympia-Einkaufszentrum West“ entfallen zeitweise.
Rechtsextremes Motiv erst später anerkannt
Die Tat wurde von den Ermittlungsbehörden zunächst als Amoklauf eines Einzeltäters bezeichnet. Erst im Oktober 2019 wurde der Anschlag offiziell als rechtsextremistisch motiviert eingestuft. Angehörige und Überlebende kritisieren, dass das rassistische und rechtsextreme Motiv über Jahre nicht ausreichend berücksichtigt worden sei. Die Initiative „München erinnern“ fordert zum zehnten Jahrestag einen Untersuchungsausschuss im Bayerischen Landtag.
Dabei soll unter anderem geklärt werden, ob die Tat möglicherweise hätte verhindert werden können, wenn Hinweise aus dem Umfeld des Täters früher ernst genommen worden wären. Zudem verlangen die Angehörigen eine weitere Prüfung möglicher Hintermänner und rechter Netzwerke. Die Trauerbeflaggung in Bayern ist somit Teil eines umfassenden Gedenkens an die Opfer des OEZ-Anschlags. Sie soll an die neun getöteten Menschen erinnern und zugleich ein Zeichen gegen Rassismus und rechtsextreme Gewalt setzen.
