Banksy
: Wer ist Robin Gunningham?

Eine umfangreiche Recherche der Nachrichtenagentur Reuters bringt neue Hinweise zur Identität des Street-Art-Künstlers Banksy. Was wird zu dem Künstler und den Hintergründen bekannt?
Von
David Hahn
London
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Ausstellung „The Mystery of Banksy - A Genius Mind“: ARCHIV - 02.06.2022, Hamburg: Ein Mitarbeiter betrachtet in der Ausstellung "The Mystery of Banksy - A Genius Mind" in der ehemaligen Galeria Kaufhof das Wandbild mit dem Titel "Flower Thrower". (zu dpa: «Banksy kommt zurück nach Hamburg») Foto: Georg Wendt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Mitarbeiter betrachtet in der Ausstellung "The Mystery of Banksy - A Genius Mind" 2022 in der ehemaligen Galeria Kaufhof in Hamburg das Wandbild mit dem Titel "Flower Thrower". Was ist zu Banksy jetzt öffentlich neu bekannt geworden?

Georg Wendt/dpa

Seit Jahrzehnten ranken sich Spekulationen um die Identität des Street-Art-Künstlers Banksy. Kaum ein anderer Künstler der Gegenwart hat seine öffentliche Wirkung so eng mit seiner Anonymität verknüpft. Nun kommt eine umfangreiche Recherche der Nachrichtenagentur Reuters zu dem Schluss, dass Banksy ursprünglich Robin Gunningham sein soll. Es handele sich demnach um einen Mann aus Bristol, dessen Name schon seit Jahren immer wieder iim Kontext des Künstlersgenannt wurde.

Neu an der Reuters-Recherche, die am 13. März 2026 veröffentlicht wurde, ist primär der dokumentarische Nachweis. Demnach stützt sich die Agentur nicht nur auf Indizien, Weggefährten und Aussagen aus dem Umfeld des Künstlers, sondern auch auf bislang nicht veröffentlichte US-Gerichts- und Polizeidokumente. Diese sollen belegen, dass ein Mann namens Robin Gunningham im Jahr 2000 in New York wegen einer Graffiti-Aktion festgenommen wurde und es sich dabei um den später weltberühmten Banksy handelte.

Eine Spur von Banksy, die in der Ukraine beginnt

Der Ausgangspunkt der Recherche lag nicht etwa in Großbritannien oder den USA, sondern in der Ukraine. Dort tauchten im Jahr 2022 mehrere Banksy-Arbeiten in kriegszerstörten Orten auf, darunter in Horenka bei Kyjiw. Reuters versuchte nachzuvollziehen, wie die Werke entstanden und wer vor Ort tatsächlich arbeitete.

Zeugenaussagen und Recherchen zu Einreisen führten die Reporter zunächst zu einem anderen prominenten Namen: Robert Del Naja, Musiker der Band Massive Attack und selbst seit Langem als möglicher Banksy gehandelt. Del Naja gilt als Pionier der britischen Graffiti-Szene, stammt wie Banksy aus Bristol und wird immer wieder mit dessen Werk in Verbindung gebracht.

Reuters rekonstruiert, dass Del Naja zur fraglichen Zeit in die Ukraine eingereist sein soll. Doch die Spur führte am Ende offenbar nicht zu der Erkenntnis, dass Del Naja Banksy sei, sondern vielmehr zu der These, dass beide zumindest zeitweise zusammengearbeitet haben könnten. Damit rückte erneut jener Mann in den Mittelpunkt, der bereits seit Jahren als wahrscheinlichster Banksy-Kandidat galt: Robin Gunningham.

Robin Gunningham: Der Name aus den New Yorker Akten

Entscheidend für Reuters waren Dokumente aus einem Vorfall in Manhattan im September 2000. Damals wurde ein Mann dabei erwischt, wie er ein Werbeplakat auf einem Dach in New York veränderte. Laut Reuters enthalten die Akten nicht nur den Namen des Festgenommenen, sondern auch ein handschriftliches Geständnis. Der Name: Robin Gunningham.

Für die Agentur ist das der bislang stärkste Beleg dafür, dass Banksy und Gunningham identisch sind. Schon 2008 hatte die britische Zeitung Mail on Sunday Robin Gunningham als Banksy bezeichnet. Doch damals blieb ein Rest an Unsicherheit. Demnach handele es sich bei einem 1973 geborenen Mann, der in Bristol aufwuchs und als Schüler zur Bristol Cathedral School ging.

Die Recherche zeichnet außerdem nach, dass Gunningham später weitgehend aus dem öffentlichen Register verschwunden sei. Laut dem früheren Banksy-Manager Steve Lazarides soll sogar ein legaler Namenswechsel organisiert worden sein. Reuters vermutet, dass Banksy später unter dem Namen David Jones auftrat. Banksy könnte den gewöhnlichen Namen gewählt haben, sodass dieser ihm ein Leben im Verborgenen erleichtert.

Banksy: Kunstwerke, Engagement und Kritik

Die Werke von Banksy greifen Macht, Krieg, Konsum und soziale Ungleichheit an. Gleichzeitig hat sich um seine Person ein globales Geschäft entwickelt, das von eben jenen Geheimnisse um seine Person und die Kunstwerke lebt. Der unbekannte Künstler ist zu einer der bekanntesten Marken der Gegenwartskunst geworden.

Reuters beschreibt Banksy nicht nur als Künstler, sondern auch als wirtschaftliches Phänomen. Seine Arbeiten erzielen seit Jahren Höchstpreise, seine öffentlichen Aktionen erhöhen die Aufmerksamkeit, und die Organisation Pest Control kontrolliert als Authentifizierungsstelle den Zugang zum Markt.

Gerade diese Struktur hat immer wieder Kritik hervorgerufen. Denn Banksy bleibt nach außen ein antiautoritärer Provokateur, während seine Werke intern Teil eines streng kontrollierten und millionenschweren Systems sind. Laut Reuters summieren sich die Verkäufe von Banksy-Arbeiten auf dem Sekundärmarkt seit 2015 auf fast 250 Millionen US-Dollar.

Der Künstler selbst soll laut Reuters von diesen Verkäufen nur einen kleinen Anteil bekommen, der auf einer gesetzlichen Regelung im Vereinigten Königreich basiert, die Künstlern Tantiemen bei Weiterverkäufen zusichert. Quellen zufolge organisiere Banksy inzwischen jedoch private Verkäufe für ausgewählte VIP-Sammler, die ihm direkt Einnahmen in Millionenhöhe einbringen können, wie Reuters berichtet.

Reuters listet auch auf, dass Banksy wiederholt humanitäre Projekte unterstützt hat – von Aktionen in Bethlehem über Spenden für Krankenhäuser bis hin zur Finanzierung des Rettungsschiffs MV Louise Michel im Mittelmeer.