Nach zwei Tagen Streik beginnt für Fahrgäste der Bahn am Freitag die Rückkehr zur Normalität. Der Ausstand der Lokführergewerkschaft GDL kam um 2 Uhr planmäßig zum Abschluss. Wie ein Bahnsprecher in der Nacht sagte, startete der Bahnverkehr am Freitagmorgen weitgehend normal. Da es allerdings vereinzelt noch zu Einschränkungen kommen könne, werden die Fahrgäste darum gebeten, sich vor Fahrtantritt in den digitalen Auskunftsmedien der Deutschen Bahn zu informieren.Damit gilt wieder der reguläre Fahrplan. Im Hochlauf am Freitag könne es aber noch zu einzelnen Einschränkungen kommen, hatte die Bahn schon während des Streiks deutlich gemacht. Das kann etwa der Fall sein, wenn Züge zu Betriebsbeginn an anderen Orten stehen. Man arbeite daran, den reibungslosen Betrieb auf allen Linien möglichst schnell wiederherzustellen, hieß es.

Bahnstreik 2021: So ist die Lage im Südwesten

Auch in Baden-Württemberg und Bayern ist der Bahnverkehr weitgehend normal angelaufen. Es könne laut einer Bahn-Sprecherin vereinzelt noch Einschränkungen geben, diese sollten sich aber im Laufe des Tages erledigt haben, Das gelte sowohl für den Fern- und Regionalverkehr als auch für die S-Bahnen in München und Stuttgart. Reisende und Pendler sollten sich vor Fahrtantritt im Internet über ihre Verbindung informieren.

Zugausfall: So bekommt ihr euren Ticketpreis zurück

Nach dem zweitägigen Lokführerstreik bei der Deutschen Bahn sollten betroffene Reisende möglichst rasch eventuelle Ansprüche geltend machen. Infrage kommt das zum Beispiel dann, wenn ein Zug am Mittwoch oder Donnerstag streikbedingt ausgefallen ist oder stark verspätet ins Ziel kam. Stellt sich das Unternehmen bei einer Entschädigung quer, kann eine Schlichtungsstelle helfen.
„Auch wenn nach den gesetzlichen Bestimmungen Fahrgäste ein Jahr Zeit haben, ihr Ticket zurückzugeben, empfiehlt sich sofortiges Handeln“, sagt Heinz Klewe, Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) in Berlin. Laut des Experten muss die Beantwortung der Beschwerde dann innerhalb eines Monats erfolgen. Angesichts der vielen Betroffenen werde es aber „ganz sicher länger dauern“, bis das Geld zurück beim Kunden ist.
Zwei Tage lang hatte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) gestreikt, wie hier in Dresden.
Zwei Tage lang hatte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) gestreikt, wie hier in Dresden.
© Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Ihre Ticketkosten zurückfordern können laut Bahn zum Beispiel Kunden, die eine gebuchte Fahrt in diesem Streikzeitraum nicht angetreten haben. Wenn Reisende eine Fahrt angetreten haben, bei der es aber zu Verspätungen und Zugausfällen gekommen ist, haben sie Anspruch auf Entschädigung. Die Höhe hängt dabei von der Länge der Verzögerung ab.

Streik bei der Bahn: Ticketpreise können erstattet werden

  • Im Fall eines Streiks können die Fahrgäste von geplanten Zugfahrten zurücktreten und sich den Fahrpreis erstatten lassen, wenn der Zug ausfällt oder mehr als eine Stunde Verspätung hat
  • Wer trotzdem in den Zug steigt, für den gelten die üblichen Entschädigungsregeln
  • bei 60 Minuten Verspätung 25 Prozent des Fahrpreises, ab 120 Minuten 50 Prozent

Für Entschädigungen Belege unbedingt aufheben

Auch für Inhaber von Zeitkarten kann sich eine Reklamation lohnen. Hierfür bietet die Bahn pauschale Entschädigungen bei Verspätungen von mehr als einer Stunde an. Erstattungen geben kann es unter Umständen auch für reservierte Sitzplätze, die nicht eingenommen werden konnten, für Ausgaben für Verpflegung sowie für Übernachtungskosten oder die Weiterfahrt mit anderen Verkehrsmitteln.
Entsprechende Belege sollten Betroffene aufheben, um die Ansprüche am DB-Schalter oder online über das Fahrgastrechte-Formular geltend machen zu können. Dabei gilt es zu beachten, dass Beträge von weniger als vier Euro nicht ausgezahlt werden. Im Entschädigungsfall können Kunden laut Bahn zwischen einem Gutschein und der Auszahlung wählen.
Sollte es Probleme bei der Reklamation geben, können sich Verbraucher zum Beispiel an die SÖP wenden und online einen Schlichtungsantrag stellen. „Unsere Juristinnen und Juristen, alles Spezialisten in Sachen Fahrgastrechte, prüfen den Fall und sorgen dafür, dass Fahrgäste schnellstmöglich zu ihrem Recht kommen“, sagt Klewe. Für Verbraucher ist dieser Service kostenfrei.

Hohe Nachfrage nach Fernbus-Tickets

Während des Bahnstreiks hat sich die Nachfrage nach Fernbus-Tickets und Mitfahrgelegenheiten rapide erhöht. Der Anbieter Blablacar teilte mit, dass sich die Nachfrage auf einigen Busverbindungen verdoppelt oder verdreifacht hat. Beispielsweise wollten seit Wochenbeginn im Vergleich zur Vorwoche 262 Prozent mehr Fahrgäste mit dem Blablacar-Feernbus von Berlin nach Dresden fahren. Steigerungsraten von fast 200 Prozent wurden für die Strecken Frankfurt-München und Stuttgart-München registriert.

Die Lokführergewerkschaft ist mit dem Bahnstreik zufrieden

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer will am Vormittag (11.00 Uhr) in Berlin eine Bilanz ihres Streiks bei der Deutschen Bahn ziehen. Die Solidarität der Mitglieder sei über alle Berufsgruppen hinweg riesengroß gewesen, teilte die Gewerkschaft mit. „Sie alle haben der Deutschen Bahn die Rote Karte gezeigt.“
Die Gewerkschaft hatte ihre Mitglieder bei der Bahn von Mittwochfrüh an zu einem 48-stündigen Streik im Personenverkehr aufgerufen. Im Güterverkehr begann der Ausstand schon am Dienstagabend.
Auch die Infrastruktur war nach Gewerkschaftsangaben betroffen. Erstmals wurde demnach in sechs Stellwerksbetrieben gestreikt, außerdem in Teilen der Werkstätten und der Verwaltung. Nach Angaben der Bahn konnte der stark reduzierte Ersatzfahrplan aber gefahren werden.

GDL entscheidet über weitere Bahnstreiks

Weitere Streiks sind möglich, dieses Wochenende wird es jedoch nicht treffen. Die Gewerkschaft will in der nächsten Woche über das weitere Vorgehen beraten.
Bahn und GDL ringen in der Tarifrunde um eine Lohnerhöhung von 3,2 Prozent. Strittig ist jedoch, wann die Erhöhung greifen und wie lange der neue Tarifvertrag gelten soll. Auch Betriebsrenten sind ein Streitthema.
Die Bahn will die Kosten des Tarifabschlusses gering halten, weil sie in der Corona-Krise hohe Verluste eingefahren hat. Zudem hat der Bund als Eigentümer im Gegenzug für Milliardenhilfen auch Einsparungen im Konzern verlangt.
Mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft gibt es seit knapp einem Jahr einen Tarifabschluss. Anfang 2022 erhalten die Beschäftigten 1,5 Prozent mehr Geld. Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen. Die GDL will aber keine Nullrunde in diesem Jahr akzeptieren und verlangt zudem eine Corona-Prämie von 600 Euro.

Bahnstreik 2021: GDL fordert Lohnerhöhungen

Auf den ersten Blick scheinen die Forderung der GDL und das Angebot der Deutschen Bahn nicht so weit auseinander zu liegen:
  • Die GDL fordert unter anderem Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine deutliche Corona-Prämie im laufenden Jahr mit einer Laufzeit von 28 Monaten.
  • Die Bahn will sich hingegen am „Notlagentarifvertrag“ der Flughäfen orientieren, der eine ähnliche Erhöhung um 3,2 Prozent auf einen längeren Zeitraum und spätere Stufenzeitpunkte verteilen würde, bei einer Vertragslaufzeit von 40 Monaten.
  • Hinzu kämen Leistungen zur Altersvorsorge und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.