Wer ohne Motorradführerschein mit einem sogenannten 125er unterwegs sein will, müsse zwar keine Prüfung ablegen, aber mindestens 25 Jahre alt sein und seit fünf Jahren eine Fahrerlaubnis der Klasse B (Autoführerschein) haben. Außerdem müssen Interessierte eine Schulung mit fünf 90-minütigen Einheiten hinter sich bringen, heißt es in einem Verordnungsentwurf des Bundesverkehrsministeriums.

Experten sehen den Vorstoß sehr kritisch - denn Motorradfahren ist gefährlich. Mehr Unfälle werden befürchtet, da die Fahrer erst lernen müssten, auf besondere Bedingungen zu reagieren. Bei dem Vorstoß geht es um Krafträder der Klasse A1 mit einem Hubraum von bis zu 125 Kubikzentimeter und einer Motorleistung von nicht mehr als 11 Kilowatt, also 15 PS. Die erweiterte Fahrerlaubnis soll nur für Deutschland gelten. Wer seinen Autoführerschein vor dem 1. April 1980 gemacht hat, darf diese Krafträder sowieso fahren.

Neuer A1 Führerschein - Schulung und Kosten

In der Schulung sollen laut Verordnungsentwurf in Theorie und Praxis nur „die wesentlichsten Grundlagen“ des Motorradfahrens vermittelt werden. Ziel sei „die Befähigung zum sicheren, verantwortungsvollen und umweltbewussten Führen eines entsprechenden Leichtkraftrades“, heißt es im Papier. Die Führerschein-Erweiterung soll demnach etwa 500 Euro kosten. Wie viele Autofahrer davon Gebrauch machen, sei „nicht abzuschätzen“, schreibt das Ministerium.

Fahrlehrer sehen Vorstoß kritisch

Aus Sicht von Fahrlehrern reicht das nicht. „Das zentrale Problem ist die fehlende fahrerische Kompetenz“, sagte der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), Dieter Quentin, der dpa. Schon jetzt sei ein Großteil der Unfälle mit Motorrädern auf Fahrfehler zurückzuführen. Mit der vorgeschlagenen Regelung steige das Risiko, die geplante Schulung sei „völlig unzureichend“.

Regelung in Österreich schon in Kraft

Unter „Begründung“ heißt es im Entwurf lediglich, die EU gebe den Mitgliedsstaaten die Möglichkeit, Autofahrer auch A1-Motorräder fahren zu lassen - das solle genutzt werden. Das Ministerium verwies am Donnerstag darauf, dass unter anderem Österreich diese Regelung auch schon habe.

Das sagt der TÜV zu Motorradfahren ohne Führerschein-Prüfung

Auch der TÜV ist gegen die neue Regelung. Ein „Kurzprogramm“ reiche nicht, sagte Richard Goebelt vom TÜV-Verband (VdTÜV). Vor allem die praktischen Fahrstunden reichten nicht aus. Künftig solle erlaubt werden, keine Übungen im echten Straßenverkehr durchzuführen - das sei für die Sicherheit „verheerend“.