Attacke vor Jüdischem Museum
: In den USA erschossener Botschaftsmitarbeiter hatte deutschen Pass

Die US-Justizministerin spricht von einem „schrecklichen Schusswaffenvorfall“. Ein Augenzeuge will einen Mann mit einem Palästinensertuch gesehen haben. Das FBI prüft, ob die Tat ein Hassverbrechen war.
Von
dpa
Washington
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Screenshot eines Videos vom Tatort vor dem Capital Jewish Museum in Washington D.C.

Uncredited/WJLA/AP/dpa
  • Zwei israelische Botschaftsmitarbeiter in Washington D.C. erschossen.
  • US-Justizministerin spricht von einem „schrecklichen Schusswaffenvorfall“.
  • Augenzeuge sah einen Mann mit Palästinensertuch, rief „Free Palestine“.
  • Hintergrund: Krieg zwischen Israel und Hamas im Gazastreifen.
  • Mehr als 53.300 Palästinenser getötet, Israel international kritisiert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Zwei Mitarbeiter der israelischen Botschaft sind in der Nähe des Jüdischen Museums in der US-Hauptstadt Washington getötet worden. Das teilte US-Heimatschutzministerin Kristi Noem auf der Plattform X mit. US-Justizministerin Pam Bondi schrieb auf X, dass sie vor Ort sei und es sich um einen „schrecklichen Schusswaffenvorfall“ handele. Zu den Hintergründen der Tat machten beide Ministerinnen zunächst keine Angaben.

Die Nachrichtenseite „Jewish Insider“ zitierte einen Augenzeugen, wonach der Schütze ein Tuch mit der Bezeichnung Kufiya getragen habe, das auch als Palästinensertuch bekannt ist. Er soll demnach „Free Palestine“ gerufen haben. Die israelische Nachrichtenseite „Ynet“ zitierte die Sprecherin der israelischen Botschaft in Washington mit der Aussage, dass die Botschaftsmitarbeiter „aus nächster Nähe erschossen wurden“.

Noem teilte weiter mit, man arbeite daran, mehr Informationen zu erhalten, die man weitergeben könne. „Bitte beten Sie für die Familien der Opfer.“ Man werde den Täter zu Rechenschaft ziehen.

Die Bundespolizei FBI untersucht den Fall als ein mögliches Hassverbrechen. Sowohl US-Präsident Donald Trump als auch Außenminister Marco Rubio schrieben in sozialen Medien von einem antisemitischen Hintergrund.

Ein getöteter Mitarbeiter der israelischen Botschaft in der US-Hauptstadt Washington wurde laut dem israelischen Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, in Nürnberg geboren. Nach Angaben des israelischen Generalkonsulats in München wuchs der Mann auch in der Stadt in Franken auf, bevor er nach Israel auswanderte. Er hatte demnach sowohl die deutsche als auch die israelische Staatsbürgerschaft. „Bayern trauert mit der Familie“, schrieb Ministerpräsident Markus Söder auf der Plattform X.

Von Nürnberg nach Israel ausgewandert

Die Ortsgruppe Nürnberg-Mittelfranken der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) schrieb auf Facebook, der spätere Botschaftsmitarbeiter sei im Alter von 16 Jahren nach Israel gezogen - „doch Nürnberg blieb für ihn Heimat“. Er habe als engagierter Diplomat „mit klarem Kompass und tiefer Menschlichkeit“ gegolten, heißt es in dem Beitrag. Er „war einer von uns, ein Nürnberger Bub. Er und seine Freundin wollten sich nächste Woche in Jerusalem verloben.“

Prosor schrieb auf X, der Mitarbeiter sei „nicht nur ein Kollege“ gewesen. Er habe ihn auch als seinen Master-Studenten an der Reichman University in Israel kennengelernt: „Aufgeweckt, neugierig, engagiert.“

Botschafter drückt sein Beileid aus

„Er war ein Christ, ein echter Israel-Liebhaber“, schrieb Prosor. Der Mann habe jüdisch-christliche Werte verkörpert, in der israelischen Armee gedient und sein Leben dem Staat Israel gewidmet. Prosor habe den Eltern des Mannes noch am Morgen sein Beileid ausgedrückt.

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) in Berlin teilte mit, der erschossene Mann sei Gründungsmitglied des Jugendforums der Schwesterorganisation Israelisch-Deutsche Gesellschaft gewesen. Dieses vernetze junge Israelis und Deutsche miteinander. Er sei in Teilen in Bayern aufgewachsen und habe fließend Deutsch gesprochen, hieß es weiter. 2022 habe er eine Stelle an der israelischen Botschaft in Washington übernommen.

Der Präsident der DIG, Volker Beck, teilte weiter über den erschossenen Botschaftsmitarbeiter mit: „Wir erinnern an ihn als aufgeschlossenen, klugen und tief engagierten Menschen, dessen Interesse an den deutsch-israelischen Beziehungen und an Wegen zu friedlicher Koexistenz im Nahen Osten auf sein gesamtes Umfeld ausstrahlte.“

Krieg zwischen Israel und der Hamas

Der Schusswaffenvorfall erfolgte vor dem Hintergrund des Krieges zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Gazastreifen. Er hatte im Oktober 2023 mit einem Terrorangriff der Hamas auf Israel begonnen. Etwa 1.200 Menschen wurden dabei getötet und etwa 250 Menschen nach Gaza entführt. In dem Krieg wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde bislang mehr als 53.300 Palästinenser im Gazastreifen getötet. Die Zahl unterscheidet nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten und lässt sich unabhängig kaum überprüfen.

Israel steht wegen des militärischen Vorgehens und der furchtbaren humanitären Lage in dem weitgehend verwüsteten Küstenstreifen international stark in der Kritik.