Asteroid 2024 YR4
: Einschlaggefahr für den Mond – wird unser Sonnensystem zerstört?

Asteroid 2024 YR4 könnte in wenigen Jahren auf dem Mond einschlagen. Was bedeutet das für unseren Planeten, Satelliten und künftige Missionen? Ein Blick auf Wahrscheinlichkeiten, Folgen und Chancen.
Von
Paloma Schneider
Berlin
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This handout image released by The European Southern Observatory (ESO) on February 25, 2025, shows an image of the asteroid '2024 YR4' taken by ESO?s Very Large Telescope (VLT), showing a frame of the asteroid?s path through the night sky in January 2025, observed at infrared wavelengths with the HAWK-I instrument. The chance that a football field-sized asteroid capable of destroying a city will strike Earth in 2032 has fallen to 0.001 percent, the European Space Agency said on February 25, 2025. A week ago, the asteroid set a new record for having the highest probability of hitting Earth -- 3.1 percent according to NASA and 2.8 percent according to the ESA. The planetary defence community has been scanning the skies. (Photo by Handout / European Southern Observatory / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO/EUROPEAN SOUTHERN OBSERVATORY " - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS

Ein EIischlag des Asteroids 2024 YR4 wäre vergleichbar mit einer großen Wasserstoffbombe.

HANDOUT/AFP

2024 YR4 besteht aus Gestein und Metallen, hat eine unregelmäßige Form und bewegt sich auf einer Bahn um die Sonne. Nach aktuellen Berechnungen könnte er beim Aufprall eine Energie von etwa 65 Megatonnen TNT freisetzen – vergleichbar mit einer großen Wasserstoffbombe.

Warum spielt der Asteroid 2024 YR4 so eine große Rolle?

Der Asteroid 2024 YR4 gehört zu den sogenannten erdnahen Objekten, auch neo genannt (englisch: near earth object) – Himmelskörpern, die der Erde gefährlich nahekommen. Entdeckt wurde er erst Ende 2024 mit einem ATLAS-Teleskop in Chile. Mit einem geschätzten Durchmesser von rund 60 Metern (laut neuesten Analysen zwischen 53 und 67 Metern) zählt er zu den momentan größeren Asteroiden dieser Klasse. Seine potenzielle Bedrohung hat ihm große Aufmerksamkeit in der astronomischen Community eingebracht.

Umlaufbahn von 2024 YR4 in pink:

Welchen Einfluss hat der Asteroid auf unser Sonnensystem, auf die Erde und auf den Mond?

Im Sonnensystem selbst wird der Flug von 2024 YR4 keine gravierenden Spuren hinterlassen. Doch für den Mond könnte ein Einschlag erhebliche Folgen haben: Ein Krater von rund einem Kilometer Durchmesser würde entstehen, der größte Impakt seit etwa mehreren Tausend Jahren. Auch die Erde bliebe nicht ganz verschont: Ein Teil des beim Einschlag herausgeschleuderten Materials könnte Tage später als feiner Meteoritenschauer auf unseren Planeten niedergehen.

Direkte Auswirkungen auf die Erdumlaufbahn des Mondes schließen Experten hingegen aus: Der Asteroid ist dafür trotz seiner Größe und Masse von etwa 220.000 Tonnen zu klein.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit und welche Szenarien gibt es für einen Aufprall? (Stand 2. Juli 2025)

  • Einschlag auf der Erde: nur noch etwa 0,0008 % – fast ausgeschlossen.
  • Einschlag auf dem Mond: etwa 4,3 %.

Wo und wie könnte der Asteroid einschlagen?

Laut den neuesten Simulationen liegt die Einschlagzone auf dem Mond mit 86-prozentiger Wahrscheinlichkeit auf der uns zugewandten Südhalbkugel, ungefähr zwischen dem 30. und 40. südlichen Breitengrad. Trifft 2024 YR4 den Mond nahe dem nullten Längengrad, könnten besonders viele Trümmer zur Erde gelangen. Ein Einschlag auf der Erde selbst ist hingegen nach aktuellen Berechnungen fast ausgeschlossen. Frühe Schätzungen sahen eine gefährliche Zone von Südamerika über Afrika bis Südasien – doch inzwischen liegt die Einschlagwahrscheinlichkeit auf der Erde nur noch bei winzigen 0,0008 %.

Sollte es zum Mondimpakt kommen, könnte bis zu ein Zehntel des beim Aufprall herausgeschleuderten Materials (geschätzt 10^8 kg) in wenigen Tagen die Erde erreichen. Diese Trümmer wären meist millimeter- bis zentimetergroß und würden Meteorschauer verursachen. Einige könnten jedoch auch Satelliten und Raumstationen gefährden.

Was passiert, wenn er auf die Erde schlagen würde?

IBS Center for Climate Physics führte eine Simulation, mit einem Asteroiden mit 500 Metern Durchmesser durch, um die Auswirkungen zu erforschen. Mit dem rund 60 Meter Durchmesser Asteroid 2024 YR4 würden sich die globalen Folgen regional begrenzen, da dieser zu klein ist. Dennoch würde ein direkter Einschlag auf der Erde zu katastrophale Folgen, insbesondere in einer Großstadt führen: Die Wucht wäre vergleichbar mit einer Wasserstoffbomb.

Was passiert, wenn er auf den Mond einschlägt?

Trifft 2024 YR4 den Mond, würde er einen etwa einen Kilometer großen Krater hinterlassen. Neben der wissenschaftlichen Bedeutung – ein solcher Einschlag wäre der größte seit Jahrtausenden – käme es zu einem Nebeneffekt: Bruchstücke vom Mond könnten als Meteoritenschauer die Erde erreichen. Für Menschen wären sie weitgehend ungefährlich, doch für Satelliten und Raumfahrzeuge könnten sie ein reales Risiko darstellen. Auch geplante Mondmissionen und technische Anlagen wie Lunar Gateway müssten auf Trümmerregen und Bodenveränderungen vorbereitet werden.

Wer hat ihn im Blick und warum wird er beobachtet?

Der Asteroid wird von internationalen Teams der NASA (National Aeronautics and Space Administration) und die ESA (The European Space Agency) überwacht. Auch das James-Webb-Weltraumteleskop hat ihn 2025 beobachtet, um Größe und Oberfläche genauer zu bestimmen. Ziel dieser Beobachtungen ist, die Flugbahn präziser zu berechnen und potenzielle Bedrohungen frühzeitig zu erkennen. Ab 2028 wird 2024 YR4 wieder beobachtbar sein, da er zurzeit zu weit weg ist – bis dahin bleibt er für Teleskope zu weit entfernt.

Birgt so ein Einschlag oder Steinschauer etwas Gutes?

Für Hobby-Sterngucker und Astronomen wäre ein Meteorschauer wahrscheinlich ein faszinierendes Erlebnis. Experten und Expertinnen erhoffen sich zusätzlich wichtige wissenschaftliche Daten: Die Analyse der Mondtrümmer, die auf der Erde landen, könnte neue Erkenntnisse über den Mond selbst bringen. Außerdem zeigen solche Fälle, wie wichtig internationale Zusammenarbeit und Frühwarnsysteme wie das Planetary Defense Coordination Office der NASA sind.