Asbest-Gefahr: 9,4 Millionen Wohngebäude in Deutschland – Wer ist betroffen?

Ein Arbeiter befestigt am 28.11.2011 auf der Deponie Ihlenberg in der Nähe von Schönberg (Nordwestmecklenburg) ein Warnschild vor dem Bereich, der für die Anlieferung von Asbest-Müll vorbereitet ist. Laut IG BAU sind Millionen von Gebäuden in Deutschland von Asbest-Gefahr betroffen.
Rolf Vennenbernd/dpaIn deutschen Wohngebäuden existieren nach Erkenntnissen der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Millionen Tonnen krebserregendes Asbest. Angesichts der voraussichtlich zunehmenden Sanierungsarbeiten in den kommenden Jahren warnte die Gewerkschaft am Donnerstag vor erheblichen Gesundheitsrisiken für Bauarbeiter und Handwerker. „Wir stehen am Anfang von zwei Sanierungsjahrzehnten“, sagte IG-BAU-Bundesvorstand Carsten Burckhardt. „Wohnhäuser werden modernisiert, senioren- und familiengerecht umgebaut oder aufgestockt. Mit der Sanierungswelle droht deshalb jetzt eine Asbest-Welle auf dem Bau“, ergänzte er.
9,4 Millionen Gebäude in Deutschland – wer ist betroffen?
Laut einer Studie des Pestel-Instituts im Auftrag der Gewerkschaft wurden in Deutschland etwa 9,4 Millionen Wohngebäude zwischen den Jahren 1950 und 1989 errichtet. Während dieser Zeit kamen intensiv Asbest-Baustoffe zum Einsatz, wie die IG BAU mitteilte. „Es ist davon auszugehen, dass es in jedem Gebäude, das in diesen vier Jahrzehnten gebaut, modernisiert oder umgebaut wurde, Asbest gibt. Mal mehr, mal weniger.“
Insbesondere Altbauten werden als „Millionen Tonnen schweres Asbest-Lager“ beschrieben. Für die Bewohnerinnen und Bewohner stellen sie jedoch keine Gesundheitsgefahr dar. Das Problem mit Asbest tritt erst auf, wenn Sanierungs- oder Umbauarbeiten durchgeführt werden. In solchen Fällen gelangen Asbestfasern über den entstehenden Baustaub in die Atemwege und Lungen der Arbeiter.
320 Todesfälle auf dem Bau durch Asbest in einem Jahr
Ein erhebliches Problem stellt vornehmlich der Spritzasbest dar, der oft in Verkleidungen von Aufzugs- und Versorgungsschächten verwendet wurde. Laut der Pestel-Studie weisen rund 7,6 Prozent der in den genannten Jahrzehnten errichteten Wohngebäude 13 oder mehr Wohnungen auf. In diesen Gebäuden besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass auch Aufzüge mit diesem gefährlichen Material ausgestattet wurden. Die Berufsgenossenschaft Bau geht davon aus, dass allein im vergangenen Jahr etwa 320 Baufachkräfte aufgrund von asbestbedingten Berufskrankheiten verstorben sind.
Infolgedessen fordert die Gewerkschaft unter anderem die Einführung eines Schadstoff-Gebäudepasses, der die jeweilige Asbestbelastung eines Gebäudes mit unterschiedlichen Gefahrenstufen kennzeichnet. Zudem sei eine verstärkte Durchführung von Arbeitsschutzkontrollen durch die Bundesländer dringend erforderlich.
(mit Material von dpa)

