App gegen die Kostenfalle: Wie „Fahrfuchs“ Autofahrern beim Sparen helfen will

Die Spritpreise sind hoch – wo sonst lässt sich sparen? Hilfe bietet die App „Fahrfuchs“.
Bernd Weißbrod/dpaDas Auto steht für Freiheit – wird für viele Menschen aber immer mehr zur finanziellen Belastung. Hohe Spritpreise, Versicherungen und laufende Kosten machen es zunehmend schwer, mobil zu bleiben. Jannik Kirchhoff und Florian Ritzel – beide 18 Jahre alt und aus Hamburg – haben die App „Fahrfuchs“ entwickelt. Im Interview erzählen sie, wie aus fehlender Expertise ein funktionierender Prototyp wurde, welche Hürden sie überwinden mussten – und warum sie glauben, dass mehr Kostenbewusstsein Autofahrern konkret helfen kann.
Wieso beschäftigt euch gerade das Thema Auto und die Kosten?
Florian Ritzel: Wir haben in unserem persönlichen Umfeld bemerkt, wie es für Menschen zunehmend schwerer wird, ihr Auto so zu nutzen wie vorher – vor allem aufgrund der gestiegenen Spritpreise. Gleichzeitig steht kein Verkehrsmittel so sehr für individuelle Freiheit wie das Auto.
So findet man sich an der Zapfsäule trotz der teuren Preise vielleicht neben der alleinerziehenden Mutter wieder, die sich gerade fragt, ob das Geld auf Dauer dafür reicht, ihr Kind zur Kita zu fahren und auch noch selbst zur Arbeit zu kommen.
Wie seid ihr auf die Idee für „Fahrfuch“ gekommen?
Da weder Jannik noch ich so schnell in die Bundesregierung kommen, noch eine eigene Tankstelle eröffnen können, haben wir uns überlegt: Wie können wir dieses riesige gesellschaftliche Problem trotzdem lösen? Dabei geht es nicht nur um die hohen Spritpreise. Im Laufe unserer Recherche haben wir festgestellt, dass fast niemand in Deutschland wirklich weiß, was ein Auto kostet – entsprechend schwer wird das Sparen. Und das wundert kaum, denn niemand hat Lust, sich stundenlang mit einer Excel-Tabelle auseinanderzusetzen, nur um am Ende unübersichtliche, nicht vergleichbare Daten zu bekommen.
Also haben wir „Fahrfuchs“ gegründet, um einen guten Überblick über die eigenen Autokosten und Tipps zum Sparen anzubieten. Denn so lässt sich der Nachteil, der an der Tankstelle entsteht, anderswo ausgleichen – zum Beispiel bei der Versicherung.
Seid ihr selbst Autofahrer (wenn auch recht frisch)?
Einen Führerschein haben wir beide bisher nicht, auch wenn wir hart daran arbeiten.
Woher habt ihr die Expertise zur App-Entwicklung?
Ganz ehrlich: Vor zwei Monaten hat es uns an Expertise vollständig gemangelt – weder Jannik noch ich wussten, wie man überhaupt eine App baut, geschweige denn, wie man sie vermarktet. Aber die große Relevanz dieses Themas hat uns ausreichend angespornt, um innerhalb weniger Wochen genau das zu lernen. Mithilfe zahlreicher Video-Tutorials und der Unterstützung von KI haben wir es dann geschafft, einen ersten Prototyp zu entwickeln – und darauf haben wir aufgebaut.
Kamt ihr leicht an die Daten?
Die Tankdaten zu bekommen, war das kleinere Problem: Tankstellen sind dazu verpflichtet, ihre Preise an die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt zu melden. Diese gibt die Daten an zugelassene Verbraucher-Informationsdienste weiter – wir konnten diese dann über einen Drittanbieter abfragen.
Was waren die größten Schwierigkeiten?
Schwieriger war dagegen der Versicherungsvergleich, denn wir wollten keinen Provisionsrechner wie klassische Portale à la Check24, sondern einen wirklich unabhängigen Tarifrechner bieten. So haben wir hunderte individuelle Versicherungsprofile geprüft, durchgerechnet und uns so einer Formel angenähert, die auch die Versicherungen nutzen und die wir jetzt in unserer App zur Verfügung stellen. Viele dieser Dinge lassen sich also über Recherche lösen.
Nutzerinnen geben in der App viele Daten ein. Wie stellt ihr den Datenschutz sicher?
Die Datensicherheit zu gewährleisten, war nicht so einfach. Niemand muss wissen, wann und wohin ich fahre, oder wo meine Kinder in die Kita gehen, um dieses Beispiel wieder aufzugreifen. Wir haben es letztlich geschafft, eine App zu bauen, bei der alle Daten unkompliziert auf dem eigenen Gerät bleiben.
Welche Kosten haben Nutzer?
Keine. Die Basisversion ist komplett kostenlos und werbefrei – sonst ließe sich das gesellschaftliche Problem schließlich schwer lösen. Wer uns unterstützen oder mehr Features wie den Versicherungsvergleich nutzen möchte, zahlt 0,99 Euro pro Monat in der Premium-Version, im Jahresabo noch etwas weniger.


