Ein jüdischer Student ist am Dienstagabend in einem Freiburger Fitnessstudio antisemitisch beleidigt und bedroht worden. Der 19-jährige hatte die Polizei gerufen, nachdem ein bisher unbekannter Angreifer dem Studenten die Kippa, eine traditionelle jüdische Kopfbedeckung, vom Kopf genommen und in den Müll geworfen hatte. Die Polizei ermittelt nun wegen Verdachts der Beleidigung. Außerdem ist der Staatsschutz eingeschaltet.

Opfer wendet sich über Facebook an die Öffentlichkeit

Über Facebook hat sich der 19-Jährige noch am Dienstagabend an die Öffentlichkeit gewandt. Er verfasste einen Facebook-Post, in dem er die Community über den Vorfall aufklärte.

Unter anderem schrieb der Student: „Ich wurde im Fitnessstudio angegriffen, weil ich jüdisch bin. Heute Abend, gegen 21:15 Uhr, schlich sich ein Typ von hinten an mich heran, packte meinen Kopf und riss meine Kippa herunter! Er schrie "Du schmutziger Jude!" und "Freies Palästina!". Er spuckte auf meine Kippa und warf sie in den Müll!“

In mehr als 350 Kommentaren solidarisieren sich die Menschen mit dem jungen Mann. Sie zeigen sich entsetzt über den Vorfall und fordern eine gerechte Strafe für den Täter.

Stadt verurteilt antisemitischen Angriff

Der Sozialbürgermeister von Freiburg, Ulrich von Kirchbach (SPD), verurteilte die Tat. Jüdisches Leben sei Teil der Identität der Stadt und es sei Aufgabe von allen als Zivilgesellschaft, diese Identität zu wahren. „Wir müssen uns dagegen wehren, dass Jüdinnen und Juden wieder auf der Straße angegangen werden, oder wie jetzt geschehen, einem Bürger die Kippa vom Kopf gerissen wird.“

Der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte Michael Blume sagte: „In Freiburg ist es zu einem gravierenden Meldefall gekommen, der nun mit Hochdruck auch polizeilich aufgeklärt wird.“ Gegenüber dem Betroffenen und dem jüdischen Studienwerk Eles habe er eine Einladung ausgesprochen. „Der Antisemitismus ist leider wieder da - aber diesmal lassen wir Jüdinnen und Juden nicht alleine.“

Fälle von antisemitischen Straftaten nehmen zu

Nach Angaben des Innenministeriums wurden im laufenden Jahr bis Ende September 89 antisemitische Straftaten registriert. Im Jahr 2018 waren es insgesamt 136 Straftaten. Aber nicht jede antisemitische Handlung fällt unter einen Straftatbestand und nicht alle Taten werden angezeigt.