Löwin in Berlin
: Polizei stellt Suche ein – vermeintliche Löwin war wohl Wildschwein

Über einen Zeitraum von ungefähr 30 Stunden wurde in Berlin und Brandenburg intensiv nach einer Löwin gesucht, dutzende Polizisten waren an den Suchmaßnahmen beteiligt. Weitere Hinweise liefen ins Leere – die vermeintliche Löwin war in Wirklichkeit wohl ein Wildschwein.
Von
Philipp Staedele
Berlin/Kleinmachnow
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  • Brandenburg, Kleinmachnow: Polizisten laufen im Bereich der südlichen Landesgrenze von Berlin. Die Polizei stellt die Suche nach einem angeblichen Löwen in Berlin und Brandenburg ein.

    Brandenburg, Kleinmachnow: Polizisten laufen im Bereich der südlichen Landesgrenze von Berlin. Die Polizei stellt die Suche nach einem angeblichen Löwen in Berlin und Brandenburg ein.

    Fabian Sommer/dpa
  • Brandenburg, Kleinmachnow: Polizisten stehen am Eingang eines Waldgebietes in Zehlendorf. Hundebesitzer und Radfahrer nicht hindurchfahren.

    Brandenburg, Kleinmachnow: Polizisten stehen am Eingang eines Waldgebietes in Zehlendorf. Hundebesitzer und Radfahrer nicht hindurchfahren.

    Annette Riedl/dpa
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Möglicherweise handelt es sich bei dem gesuchten Raubtier an der südwestlichen Stadtgrenze Berlins doch nicht um eine Löwin, sondern um ein Wildschwein. Die Polizei hat nach intensiver Suche Entwarnung gegeben. „Nach allem menschlichen Ermessen gehen wir davon aus, dass es keine Löwin ist“, sagte Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) am Freitag. „Es besteht keine akute Gefährdungslage.“ Die Bevölkerung war am Donnerstag gewarnt geworden, wachsam zu sein.

Polizei sieht keine Hinweise auf Löwin

Der Bürgermeister äußerte sich nach dem Durchforsten eines Waldstücks an der Grenze von Brandenburg nach Berlin beruhigend: „Heute am 21. Juli befindet sich dort kein Wildtier“. Weder wurden Hinweise auf ein gerissenes Tier, noch auf eine Löwin gefunden. „Außer Wildschweinen ist uns nichts begegnet.“ Alle Hinweise führten ins Leere. Nun werde der Einsatz auf ein „ganz normales Programm“ gefahren. Der Einsatzleiter der Polizei für den Raum Kleinmachnow, Peter Foitzik, sagte, auch Meldungen von Bürgern hätten keine Hinweise auf ein Wildtier gegeben.

Expertenanalyse: Video deutet nicht auf Raubtier hin

Nachdem Experten das Video eingehend analysiert hatten, kamen sie zu dem Schluss, dass es sich nicht um ein Raubtier handelte. Eine Organisation wurde beauftragt, das Video zu begutachten, wie der Bürgermeister berichtete. Nach der Auswertung durch zwei Fachleute wurde klargestellt, dass weder eine Löwin noch ein Wildtier auf den Aufnahmen zu sehen war. „Da gibt es einige Anhaltspunkte, dass man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen kann, dass das Tier, was auf dem Bild zu sehen ist, gen Wildschwein tendiert.“ Der Bürgermeister gab bekannt, dass nun auch Spuren wie Kot und Haarproben eingehend untersucht werden. Man erhofft sich Aufschluss über die Herkunft des möglichen Wildtiers. Das Ergebnis dieser Untersuchungen wird voraussichtlich am kommenden Samstag erwartet.

Bürgermeister verteidigt großangelegte Suche nach Raubtier

Der Bürgermeister verteidigte die umfangreiche Suche nach einer mutmaßlichen Löwin und betonte, dass der Einsatz der Polizei gerechtfertigt war aufgrund der bestehenden Gefährdungslage. Für die Gemeinde fielen dabei nicht viele Kosten an, allerdings sah es bei der Polizei anders aus. Genauere Angaben zur Höhe der Kosten bei der Polizei wurden zunächst nicht gemacht. Der Einsatzleiter, Herr Foitzik, beurteilte den Einsatz als verhältnismäßig. Anfangs konnte nicht ausgeschlossen werden, dass es sich tatsächlich um eine Löwin handelte. Allerdings wurden alle Hinweise nicht bestätigt, weshalb die Gefahrenlage jetzt als beendet betrachtet wird.

Brandenburg, Kleinmachnow: Polizisten stehen am Eingang eines Waldgebietes in Zehlendorf. Hundebesitzer und Radfahrer durften aufgrund der Gefahrenlage nicht hindurchfahren.

Annette Riedl/dpa

Video mit angeblicher Löwin hält Berlin und Brandenburg in Atem

In der Nacht auf Donnerstag wurde mit der Suche nach dem Raubtier begonnen. Angeblich wurde das Tier in Kleinmachnow an der Grenze zu Berlin gesichtet und auf Video festgehalten, was am Donnerstag in den sozialen Netzwerken verbreitet wurde. Die Ermittlungsbehörden bewerteten das Video als authentisch. Polizisten gaben an, das Tier „gesichert“ gesehen zu haben, wie eine Behördensprecherin berichtete. Im Laufe des Donnerstagnachmittags und Abends gab es weitere mögliche Sichtungen auf dem Gebiet Berlins.

Zuvor waren bereits Zweifel an der Theorie, dass es sich um einen Löwen handelt, immer stärker geworden. Mehrere Experten, darunter auch der Berliner Wildtierexperte Derk Ehlert, äußerten ihre Skepsis. Laut Ehlert zeigt das Video lediglich zwei Wildschweine, die von links nach rechts laufen. Neben Dutzenden Polizisten beteiligten sich auch Veterinärmediziner und der Berliner Stadtjäger an der Suche. Trotz erneuter vermeintlicher Sichtungen des gesuchten Raubtiers und Hinweisen aus der Bevölkerung erwiesen sich diese jedoch als falsch.

Zu Beginn der Suche wurde berichtet, dass die Löwin dabei beobachtet wurde, wie sie ein Wildschwein erlegte. Jedoch konnten auch die Überreste dieses Wildschweins nicht gefunden werden. Achim Gruber, der geschäftsführende Direktor des Instituts für Tierpathologie in Berlin, äußerte seine Zweifel: „Ich jage zufällig in der Region selbst und ich weiß, dass die Jäger dort sehr gute Hunde haben. Es ist völlig undenkbar, dass die Hunde nichts gefunden haben, wenn dort tatsächlich ein Wildschwein zerlegt wurde“. Er betonte, dass die Hunde bei einer Löwin, die ein Wildschwein zerkaut hätte, definitiv Spuren entdeckt hätten. Der Experte war auch der Meinung, dass der umfangreiche Suchaufwand gerechtfertigt war.

(mit Material von dpa)