Alexej Nawalny
: Dresdner Friedenspreis für russischen Regimekritiker

Der kürzlich verstorbene russische Regimekritiker Nawalny erhält den Dresdener Friedenspreis …
Von
Philipp Staedele
Dresden
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Frankreich, Straßburg: Alexej Nawalny verlässt nach seiner Anhörung den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Der Kremlkritiker wird nun postum mit dem Friedenspreis Dresden angezeichnet.

Jean-Francois Badias/dpa

Der russische Regimekritiker Alexej Nawalny (1976—2024) wird nach epd–Angaben postum mit dem Friedenspreis Dresden ausgezeichnet.

Frau Nawalnaja wird Preis entgegennehmen

Die Witwe des im Februar gestorbenen Oppositionsführers, Julia Nawalnaja, werde die Auszeichnung am 12. Mai im Schauspielhaus Dresden entgegennehmen, sagte der Sprecher der Trägerinitiative, Peter Ufer, am Montag in Dresden. Geehrt werde Nawalnys Einsatz für Freiheit, Demokratie und Frieden. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

„Der Widerstand des Oppositionspolitikers war und ist ein ermutigendes Beispiel für alle Menschenrechtsverteidiger, die seine Aktivitäten fortsetzen“, hieß es zur Begründung. Der Laudator oder die Laudatorin steht noch nicht fest. Bereits im April soll Julia Nawalnaja auf einem Ludwig–Erhard–Gipfel am Tegernsee den „Freiheitspreis der Medien“ entgegennehmen. Sie und ihr verstorbener Ehemann werden für ihren Einsatz für Demokratie und Menschenrechte geehrt.

Auszeichnung für Frieden und Völkerverständigung

Der Friedenspreis Dresden wird seit 2010 an Menschen verliehen, die sich in besonderem Maße um Frieden und Völkerverständigung verdient gemacht haben. Organisatorisch wird die Vergabe in diesem Jahr neu aufgestellt: Erstmals wurde der Preis von der Initiative Friedenspreis Dresden in Zusammenarbeit mit dem Ökumenischen Informationszentrum ausgelobt.

Die feierliche Übergabe findet außerdem zum ersten Mal im Frühjahr und im Schauspielhaus statt. Zur Uraufführung komme als „musikalisches Memorial“ ein Requiem des russischen Komponisten Sergej Newski, hieß es.

Bisher war der Preis vom Verein „Friends of Dresden“ rund um den Dresdner Kriegsgedenktag am 13. Februar in der Semperoper verliehen worden. Der Verein müsse sich jedoch nach dem Ausscheiden der Vorstandsvorsitzenden Heidrun Hanusch erst einmal neu orientieren, hieß es. Ob er die Friedenspreisvergabe danach fortführt, sei noch offen. In jedem Fall solle die Auszeichnung auch in Zukunft verliehen werden. Gefördert werde der Preis weiterhin von der Klaus Tschira Stiftung.

Nawalny hat Leben für die Freiheit geopfert

Der frühere Bundesinnenminister und Mitglied der Friedenspreis–Initiative, Gerhart Baum (FDP), sagte am Montag in einem Livestream: Die diesjährige Vergabe solle die Verteidiger von Menschenrechten weiter ermutigen. Nawalny stehe stellvertretend für alle Menschen, die ihr Leben für die Freiheit opfern.

Der 47–jährige Kreml–Kritiker war am 16. Februar im Straflager „Polarwolf“ am Polarkreis in Sibirien zusammengebrochen und gestorben. Die Todesursache wurde nicht unabhängig geklärt. Nawalny war politischer Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er saß seit 2021 in Russland in Lagerhaft. 2020 überlebte er einen Giftanschlag. Nach seiner erfolgreichen Behandlung in Deutschland kehrte er nach Russland zurück.

Zu den bisherigen Friedenspreisträgern zählen der letzte Staatspräsident der Sowjetunion und Friedensnobelpreisträger, Michail Gorbatschow, der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim, der Kriegsfotograf James Nachtwey und der Whistleblower Daniel Ellsberg. 2023 ging die Auszeichnung an den US–amerikanischen Architekten Daniel Libeskind. Nawalny war in Dresden bereits mit der Friedensplakette „Schwerter zu Pflugscharen“ gewürdigt worden.