Wer als Newcomer an den Aktienmarkt herantritt, ist schnell überfordert: Zahlen, Grafiken, Abkürzungen und eine Börsensprache, die für Außenstehende klingt wie Hebräisch rückwärts. Dann doch lieber das Sparbuch. Einziges Problem: eine sichere und lohnenswerte Geldanlage ist das in Zeiten der Pandemie, der Inflation und des Krieges nicht mehr. Notgedrungen treibt es daher aktuell viele Menschen an den Aktienmarkt, um ihr Geld langfristig zu sichern.
Doch worauf muss man achten? In diesem Artikel geben wir die wichtigsten Anfänger-Tipps rund um Anlagen und Wertpapiere:
  • Erste Schritte: Wie gelingt der Einstieg ins Aktiengeschäft?
  • Welche Fehler Anleger vermeiden sollten

Aktien kaufen: vom Anfänger zum Anleger

Aller Anfang ist schwer. Erst recht, wenn man nur die Hälfte von dem versteht, um was es geht. Die erste und mitunter größte Hürde für Einsteiger ist es, sich so zu informieren, dass sie mit einem soliden Basiswissen starten können. Einfach so loszulegen, ist grundsätzlich nicht falsch, kann aber Risiken bergen.

ETF, Crypto, Fonds - Wie funktioniert Börse?

Eine gute Nachricht vorweg: Mit Aktien zu handeln – das ist längst nicht mehr nur was für eine kleine Elite an Superreichen. Im Gegenteil: Dank der sozialen Medien kann heute jeder einfach und schnell auf Informationen und Wissen zugreifen und das gilt natürlich auch für das Anlegen in Aktien und Wertpapieren. ETF, Crypto oder Fond - was einem zu Beginn nichts sagt, wird einem dann fast kindgerecht erklärt. Daher:

1. Schritt: Informieren

Diese Plattformen eigenen sich für erste Informationen:
  • Instagram
  • Youtube
  • Podcast-Anbieter bei Spotify oder Apple
Kanäle und private Anbieter, die über Finanzthemen informieren gibt es bei den sozialen Plattformen im Überfluss. Welches Format für einen das Richtige ist, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Um ein möglichst breites Bild zu erhalten, gilt aber auch hier: Möglichst viele unterschiedliche Quellen zu einem Thema nutzen. Erste nützliche Anlaufstellen für absolute Neulinge zum Thema Aktien und Investieren könnten folgende sein:
  • Finanzfluss: Moderator und Investmentbanker Thomas Kehl bietet bei Finanzfluss einen leichten Einstieg und eine gute Hinführung zum Thema. Ideal für Leute ohne Vorkenntnisse. (Kanäle: Youtube, Podcast und Instagram).
  • Finanzheldinnen: Drei Mitarbeiterinnen des Commerzbank-Konzerns vermitteln anschaulich das Thema Finanzen, wobei sie speziell für Frauen ein grundlegendes Wissensangebot für die eigene finanzielle Zukunft bieten. (Kanäle: Buch, Podcast und Instagram).
  • Finanztip: der Geld-Ratgeber gibt grundlegend Informationen und Leitfäden zu Verbraucher- und Finanzthemen. (Kanäle: Youtube, Podcast, Instagram und ein wöchentlicher Newsletter).
  • Ohne Aktien wird es schwer: Der Podcast rund um die Börse von der Online Marketing Plattform OMR ist geeignet für alle, die täglich up-to-date bleiben wollen, was Aktien betrifft. Für Anfänger zwar eher schwer verständlich, doch sollte man sich davon nicht abschrecken lassen. Denn aller Anfang ist bekanntlich schwer. (Podcast).
  • Aktien mit Kopf: Hier erfährt man unter anderem alles zum Thema finanzielle Unabhängigkeit und wie man sie sich erarbeitet. (Youtube, Instagram und Website).

2. Schritt: Depot anlegen

Ein Depot ist im Grunde nichts anderes als ein Konto über das Anleger Wertpapiergeschäfte kaufen und verkaufen. Das Depot kostet je nach Anbieter unterschiedlich viel, bei manchen ist es sogar kostenlos. Dabei sollte man immer auf die Vor- und Nachteile der einzelnen Angebote und die laufenden Kosten berücksichtigen.
Die Eröffnung eines solchen Depots findet in aller Regel über eine ansässige Bank oder einen Finanzdienstleister, einen sogenannten (online) Broker statt. Der Ablauf bei Online-Brokern ist mit Abweichungen in aller Regel wie folgt:
1. Seite aufrufen und registrieren
2. Auf den Reiter „Depot eröffnen“ klicken
3. Einzelne Schritte der Anmeldung durchgehen
4. Persönliches Gespräch via Videoschalte mit einem Angestellten des Finanzdienstleisters. Dieser stellt personenbezogene Fragen, die der Kunde beantworten muss. Außerdem empfiehlt es sich den Personalausweis bereit zu halten. Der Vorgang dient der Authentifizierung der eigenen Person.

3. Schritt: Der erste Aktienkauf

Je nachdem, über welchen Anbieter das Depot eröffnet wurde, können dann die ersten Wertpapiere gekauft werden:
  • ETFs: Aktienpakete bzw. -indexe, wie den MSCI World Index, der die größten Unternehmen der Industrienationen abbildet oder andere, die sich wiederum auf Schwellenländer, den DAX oder bestimmte Bereiche wie die IT-Branche abbilden.
  • Einzelaktien: Aktien eines bestimmten Unternehmens, wie etwa Tesla, Amazon, Twitter oder Rheinmetall.
Eine hilfreiche Übersicht für den Anfang über die einzelnen Wertpapiere, deren Inhalt und langfristige Entwicklung gibt es etwa auf justETF.

Aktien für Anfänger: Diese Fehler gilt es zu vermeiden

1. Nicht zu viel auf einmal

Viele Anleger schließen gleich mehrere neue Sparverträge ab. Grundsätzlich ist das nicht falsch. Gerade für Anfänger empfiehlt es sich aber, sich bewusst einen Sparplan und einen Aktienindex auszusuchen und darin zu investieren. Dabei sollte man sich immer auch selbst fragen: Warum investiere ich darin? Wenn man die Frage nicht beantworten kann, ist das tendenziell eher schlecht. Man sollte sich immer bewusst sein, warum man in was investiert. Gerade für Anfänger heißt die Devise: Lieber klein anfangen, statt sich zu überbodern.

2. Kostenfallen

Will man mit Wertpapieren handeln, braucht man ein Depot. Dies zu eröffnen ist nicht weiter schwer, aber kann unter Umständen teuer werden. Denn die unterschiedlichen Dienstleister bieten alle andere Konditionen. Bevor man sich für einen entscheidet, sollte man verschiedene Anbieter miteinander vergleichen und die Vor- und Nachtteile des Angebots für sich und seine Interessen abwägen.

3. Wenig Vertrauen und Geduld

Es ist das klassische „worst case“ Szenario: Eben erst am Aktienmarkt eingestiegen, fällt der Kurs und die erkauften Aktien sind plötzlich nur noch die Hälfte wert. Gerade Anfänger verfallen hier regelmäßig in Panik und verkaufen in Winddeseile ihre Anteile. Meistens ist das jedoch eine Kurzschlussreaktion. Denn wenn ein Kurs sinkt, steigt er in aller Regel auch wieder. Regel Nummer eins für alle Beginner ist es daher: Ruhe bewahren und die Krise aussitzen.
Gerade ein Sparplan mit ETFs ist eine Anlage über Zeit und daher Schwankungen regelmäßig ausgesetzt. Freilich sollte man aber die Folgen von wirtschaftspolitischen und unternehmensspezifischen Entwicklungen stets mit einem Auge verfolgen, um gegebenenfalls entgegenzusteuern, denn aussitzen hilft nicht immer.

4. Nur einheitliche Wertpapiere im Portfolio

Für das eigene Depot ist es immer von Vorteil, wenn man verschiedene Wertpapiere und -anlagen hat. Wer die Risiken minimieren möchte, darf sich nicht alleine auf Aktien weniger Unternehmen verlassen. Daher sind Aktienindexe meist eine sichere und stabilere Form der Anlage. So wird der MSCI World Index immer wieder als Standardbeispiel herangezogen, für eine möglichst geeignete und relativ risikoarme Anlage.
Das Portfolio, einfach gesprochen auch als Sammelmappe zu verstehen, beinhaltet dann alle Werte einer bestimmten Anlage: So kann das Portfolio beispielsweise aus Aktien, aber auch aus Staatsanleihen und Crypto-Währung wie Bitcoin bestehen.
Experten empfehlen, das Geld möglichst breit gestreut anzulegen. Das macht die eigene Absicherung robuster gegenüber Krisen.

5. Global statt national

In diesem Zuge sollte nicht nur im heimischen Markt investiert werden, sondern auch in den Weltmärkten. Auch das macht die Anlage krisenfester, da es nicht auf die Entwicklung eines Landes ankommt, sondern der gesamten Welt.

6. Entwicklung verfolgen

Wie gesagt, kann jedes Investment einmal in die falsche Richtung bewegen. Daher lohnt es sich, die Entwicklung im Blick zu behalten und wenn nötig, einzugreifen. Im umgekehrten Fall kann es gerade für Anfänger auch eine positive Wirkung haben, wenn sie langfristig einen Aufwärtstrend ihrer ETFs verfolgen können. Bei langfristigen, relativ sicheren Aktienanlagen braucht es aber auch nicht ständig Wachsamkeit. Durch zeitliche Schwankungen kann dies auch eher verunsichern.