„Titan“-Unglück
: Wie konnte es dazu kommen? Kanada leitet Ermittlungen ein

Es ist eine Tragödie: Seit wenigen Tagen ist klar, dass die „Titan“-Besatzung tot ist. War das Tauchboot sicher? Kanada startet jetzt mit Untersuchungen.
Von
Yasmin Nalbantoglu
Ottawa
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Kanada will jetzt herausfinden, wie es zu dem Tauchboot-Unglück kommen konnte.

dpa

Tagelang hielt die Welt den Atem an und fieberte mit den fünf Insassen des verschollenen Tauchboots „Titan“ mit. Unterwegs zum Schiffswrack der Titanic, dann verschollen in den Tiefen des Ozeans, bis schließlich Gewissheit herrschte: Die Besatzung ist tot, das Tauchboot implodierte. Jetzt stellt sich die Frage: Waren die Sicherheitsvorkehrungen ausreichend?

Wie konnte es zum „Titan“-Unglück kommen? Kanada ermittelt

Wie konnte es zu der „Titan“-Tragödie kommen? Das möchte die kanadische Verkehrssicherheitsbehörde herausfinden und leitet nun eine Untersuchung ein, um das Rätsel zu lösen.

Nach dem bestätigten Tod der fünf Insassen im Tauchboot „Titan“ nahe dem „Titanic“-Wrack hat Kanada eine Untersuchung der Tragödie eingeleitet. Die kanadische Verkehrssicherheitsbehörde (TSB) teilte am Freitag (Ortszeit) mit, man werde „eine Sicherheitsuntersuchung zu den Umständen dieses Einsatzes durchführen“. Die von dem Privatunternehmen Oceangate betriebene „Titan“ war von einem unter kanadischer Flagge fahrenden Mutterschiff an ihren Einsatzort gebracht worden. Deswegen ist Kanada für die Ermittlungen zuständig.

Die TSB entsandte eigenen Angaben zufolge ein Team von Ermittlern nach St. John's, Neufundland und Labrador. Sie sollen Informationen sammeln, Interviews führen und den Vorfall bewerten. In den kommenden Tagen sollten Aktivitäten mit anderen beteiligten Stellen koordiniert werden, hieß es weiter.

Nach dem Verschwinden der „Titan“ am Sonntag (18.06.23) hatte die US–Küstenwache mit Hilfe vor allem von kanadischen Kräften rund 700 Kilometer südlich der kanadischen Insel Neufundland eine großangelegte Suche gestartet. Gerade einmal knapp 500 Meter vom Bug des „Titanic“-Wracks entfernt wurden Trümmer des Gefährts entdeckt. Damit war klar: Die fünf Insassen, unter ihnen Oceangate–Chef Stockton Rush, waren tot. Alles deutet darauf hin, dass der Rumpf des Boots dem enormen Wasserdruck nachgegeben hat und implodiert ist. Die „Titanic“ liegt in rund 3800 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund. Der Luxusdampfer war im Jahr 1912 untergegangen.

„Titan“ implodiert: Was das Tauchboot sicher?

Nach Angaben verschiedener Experten hatten die Entwickler und Betreiber des Tauchboots anerkannte Standards umgangen und Warnungen missachtet. Medienberichten zufolge warnte schon 2018 ein Brief der Organisation Marine Technology Society (MTS) vor dem experimentellen Charakter des touristischen Angebots, und dass die Fahrten in einer Katastrophe enden könnten. Der britische frühere U–Boot–Kapitän Ryan Ramsay hatte der Nachrichtenagentur PA gesagt, womöglich sei die Luke, die von außen mit 17 Schrauben verschlossen werden musste, defekt gewesen. Eine andere Möglichkeit sei, dass es zuvor einen Defekt im Druckkörper selbst gegeben habe.