508 Meter ohne Sicherung: Freeclimber Alex Honnold bezwingt Wolkenkratzer Taipeh 101

Hinter den Bürofenstern haben etliche Schaulustige den Extremsportler Honnold immer wieder fotografiert und jubelnd angefeuert.
ChiangYing-ying/AP/dpa- Alex Honnold kletterte ohne Sicherung in 1 Stunde 32 Minuten auf den 508 m hohen Taipeh 101.
- Die Aktion wurde live auf Netflix gestreamt und für die Risiken heftig kritisiert.
- Honnold trainierte 2,5 Monate für die Besteigung, die wegen Regens verschoben wurde.
- Für die waghalsige Aktion erhielt Honnold laut Berichten einen sechsstelligen Dollar-Betrag.
- Taiwans Präsident gratulierte, die Besteigung sorgte weltweit für Aufmerksamkeit.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
US-Freeclimber Alex Honnold hat sich den Traum von einer Wolkenkratzer-Besteigung erfüllt. Der 40-Jährige kletterte in rund anderthalb Stunden ohne jegliche Absicherung auf den 508 Meter hohen Taipeh 101 in Taiwans Hauptstadt. Die Aktion wurde live via Netflix gestreamt - was für massive Kritik gesorgt hatte.
«Ich bin total gehypt, unglaublich!“, sagte Honnold, nachdem er es schließlich geschafft hatte. Auf der Spitze des Gebäudes schoss der Extremsportler zunächst ein Selfie, ehe er der jubelnden Menge am Boden zuwinkte. Honnold, der als einer der besten Freikletterer der Welt gilt, benötigte für seinen Aufstieg an der Fassade des pagodenartig gebauten Hochhauses entlang eine Stunde und knapp 32 Minuten.
Vor der Aktion hatten Medienwissenschaftler die geplante Live-Übertragung massiv kritisiert. „Menschen dabei zuzusehen, wie sie sich in eine Todesrisiko-Situation begeben, halte ich persönlich für ethisch nicht vertretbar“, sagte etwa sagt der deutsche Medien- und Sportwissenschaftler Thomas Horky dem Schweizer Rundfunksender SRF.

Etwas mehr als anderthalb Stunden hat Alex Honnold für die Besteigung des Taipeh 101 gebraucht.
ChiangYing-ying/AP/dpaWegen Regens war ein erster Kletter-Versuch am Samstagmorgen in Taipeh abgesagt und auf Sonntag verschoben worden. Sie seien auf die Gnade der Natur angewiesen, betonte der Star-Kletter, der in den Tagen vorher mit Seil am Taipeh 101 geübt hatte. Rund zweieinhalb Monate bereitete sich Honnold speziell auf den Wolkenkratzer vor.
Er war allerdings nicht der erste Kletterer, der den Wolkenkratzer erklommen hat. Der Franzose Alain Robert bestieg das Gebäude 2004 im Rahmen der Eröffnung des Taipeh 101. Doch während Robert mit einem Seil abgesichert war, wiederholte Honnold die Aktion erstmals ohne jegliche Sicherung.
„Cool, die Erfahrung mit all den Leuten zu teilen“
Der verheiratete Vater von zwei kleinen Kindern verzichtet für gewöhnlich auf ein Seil oder andere Absicherungen – so auch beim Live-Spektakel in Taipeh, das Netflix „Skyscraper live“ nannte. Während des Aufstiegs wurde Honnold immer wieder von Schaulustigen hinter den Fensterscheiben der Büroetagen fotografiert und lautstark angefeuert. Davon ließ er sich jedoch nicht beirren: Es sei cool, die Erfahrung mit all den Leuten zu teilen, sagte Honnold.

Während des Aufstiegs hatte Honnold mehrfach davon gesprochen, sich müde und angestrengt zu fühlen.
ChiangYing-ying/AP/dpaFür die Aktion soll Honnold von Netflix einen mittleren sechsstelligen Dollar-Betrag ausgezahlt bekommen, wie die „New York Times“ unter Berufung auf anonyme Quellen berichtete. Er selbst sagte der US-Tageszeitung lediglich, dass es sich zwar um einen „peinlich hohen Betrag“ handeln würde, er den Wolkenkratzer aber auch umsonst besteigen würde.
Taiwans Präsident Lai Ching-te gratuliert
Anerkennung für die waghalsige Aktion kam auch von politisch höchster Ebene. „Glückwunsch an den furchtlosen Alex zur erfolgreichen Bewältigung dieser Herausforderung, und vielen Dank an alle Heldinnen und Helden hinter den Kulissen, die dies möglich gemacht und dazu beigetragen haben, Taiwan auf die internationale Bühne zu bringen!“, schrieb Taiwans Präsident Lai Ching-te auf Facebook.

Schaulustige beobachteten Alex Honnold nicht nur vom Boden aus - auch hinter den Bürofenstern wurde der Extremsportler angefeuert.
ChiangYing-ying/AP/dpaDie Angst klettert mit
„Wenn du fällst, stirbst du“, hatte er vor der Kletteraktion gesagt. „Ich bin mittlerweile an die Angst gewöhnt. Sie klettert immer mit.“ Kritik an seinem Wolkenkratzer-Projekt könne er „total verstehen“. Aber wenn andere Freeclimber die Möglichkeit bekämen, das zu klettern, würden sie es auch tun. „Die Leute schauen auf das Projekt und sagen: Das ist riskant oder gefährlich. Aber für mich ist es nicht so viel anders als das, was ich sonst mache“, sagte er.
Honnold erlangte über die Freikletter-Szene hinaus große Bekanntheit durch den Film „Free Solo“. Die Produktion gewann 2019 den Oscar als bester Dokumentarfilm. Gezeigt wird, wie Honnold die 915-Meter-Wand des El Capitan im Yosemite Nationalpark bezwingt. Insgesamt klettert der Extremsportler bereits seit rund 30 Jahren.

Nach dem Jubel auf der Spitze des Wolkenkratzers hat Alex Honnold ein Selfie mit seinem Smartphone geschossen.
ChiangYing-ying/AP/dpa