Der 4. Juli ist in den USA der Nationalfeiertag. Am „Fourth of July“ wird die Unterschrift der damals 13 Kolonien unter die Unabhängigkeitserklärung von der britischen Krone 1776 gefeiert. Deswegen wird der Feiertag auch „Independence Day“ genannt. Damals wurde zum ersten Mal der Begriff „Vereinigte Staaten von Amerika“ in einem offiziellen Dokument verwendet.

Am 4. Juli brennen die USA ein Feuerwerk ab – normalerweise

Am 4. Juli lassen es USA normalerweise richtig krachen. Paraden, Barbecue – und Feuerwerk. Ganz viel Feuerwerk. Das alles mit der Familie oder engen Freunden.
Doch am Fourth of July 2020 ist alles anders. 244 Jahre nach der Staatsgründung befindet sich das Land in einer der tiefsten Krisen seiner Geschichte. Rassismus, Polizeigewalt, die höchste Arbeitslosenquote seit der Großen Depression 1929 – und natürlich die Corona-Pandemie.
In der Anfangsphase der Krise in dem zutiefst gespaltenen Land hatte es die beiden Küsten besonders hart getroffen, allen voran die beiden Epizentren New York City und Los Angeles. Landesweit beruhigten sich dann die Infektionszahlen, wenn auch nicht so stark, wie in vielen europäischen Ländern. Covid-19 war immer da, aber halbwegs im Griff. Bis viele Staaten im Süden, von Florida im Südosten bis Arizona im Südwesten, die Hygienemaßnahmen lockerten, ohne einen politischen Plan zu haben.
Da steht das Land nun am Nationalfeiertag am 4. Juli. Die Fourth of July Feierlichkeiten am Unabhängigkeitstag sind geprägt von Meldungen über neue Rekorde an Neuinfektionen pro Tag. Der Immunologe Dr. Anthony Fauci, wichtigster Berater der Regierung während der Covid-19-Pandemie, befürchtet 100 000 Infektionen am Tag, wenn nicht entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Donald Trump lässt es am Nationalfeiertag krachen – trotz Waldbrandgefahr und Corona

Was macht der US-Präsident währenddessen? Trotz aller Bedenken lässt Donald Trump es krachen. Schon am 3. Juli flog er nach South Dakota, um eine Rede vor dem Mount Rushmore zu halten. An dem Denkmal sind vier legendäre US-Präsidenten verewigt. Trump wird sich in deren Tradition sehen, sagte er doch schon in einem Interview, dass er schlechter behandelt werde als Abraham Lincoln – und der wurde erschossen.

Ulm/Göppingen

Die Rede zu halten ist das eine, kritischer sahen viele Trumps Vorhaben, vor einem großen Publikum zu sprechen und danach ein Feuerwerk abzubrennen. Experten warnten vor einer doppelten Gefahr: der Ausbreitung des Virus und von Waldbränden. Zumal die Gouverneurin von South Dakota, Kristi Noem, bei Fox News sagte, dass es bei dem Event zwar kostenlos Masken geben werde, aber keiner müsse sie tragen und „Social Distancing“ werde es auch nicht geben.

Angriffe auf die „großartige Freiheit“ sollen gestoppt werden

Der US-Präsident nutzte seine Rede schließlich, um einen düstere und polarisierende Botschaft zu vermitteln. Es sei eine „gnadenlose Kampagne zur Auslöschung unserer Geschichte“ im Gange, sagte Trump am Freitagabend. Mehrere Tausend Menschen waren nach Angaben der Gouverneurin aus allen Teilen des Landes nach South Dakota gekommen, wo der Abend mit Feuerwerk endete.
Trump warf dem linken Flügel des politischen Spektrums vor, in den Städten des Landes eine „Welle von Gewaltverbrechen“ auslösen zu wollen. Unter dem „Banner der sozialen Gerechtigkeit“ werde versucht, sowohl die Gerechtigkeit als auch die Gesellschaft zu zerstören. „Wütende Mobs“ versuchten, Statuen der Gründerväter der USA zu Fall zu bringen. Das „starke und stolze“ amerikanische Volk werde aber nicht erlauben, ihm die Geschichte und Kultur zu nehmen. Der Angriff auf die „großartige Freiheit muss gestoppt werden und wird sehr schnell gestoppt werden“, sagte Trump.

Trump würde Pandemie am liebsten für beendet erklären

Die Stimmung bei der Veranstaltung zum Auftakt der Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli glich einem Wahlkampfevent des Präsidenten. Zwischenrufe wie „Wir lieben dich, Präsident Trump“ waren zu hören. Und seine Rede schien genau darauf ausgelegt zu sein. Aus den USA solle ein Ort der „Unterdrückung, Herrschaft und Ausgrenzung“ gemacht werden. „Sie wollen uns zum Schweigen bringen, aber wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen“, sagte Trump. Er dagegen trete für das Erbe des Landes, die Vollstreckung von Gesetzen und das Recht auf Waffenbesitz ein.
Trump würde die Corona-Pandemie am liebsten für beendet erklären - was auch bei seiner Rede am Mount Rushmore deutlich wurde. Zu Beginn sprach er „das Virus“ an, aber nicht die mehr als 50.000 Neuinfektionen, die in den vergangenen Tagen jeweils binnen 24 Stunden verzeichnet werden. Auch den Schmerz über die fast 130.000 Toten, die die USA seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung zu beklagen haben, bedachte er nicht.
Stattdessen sagte Trump vor dicht gedrängten Zuschauern, die größtenteils keine Schutzmaske trugen, die USA seien das „großartigste Land in der Geschichte der Welt“ und dass es „bald“ großartiger als je zuvor sein werde..

Stuttgart

Bemerkenswerter Zufall: Zwei US-Präsidenten starben am 4. Juli 1826

Der 4. Juli hat in den USA auch schon für einen bemerkenswerten Zufall gesorgt. Thomas Jefferson und John Adams, die einzigen beiden Unterzeichner des Unabhängigkeitserklärung, die später Präsident wurden, starben beide am 4. Juli. Und zwar am exakt selben Tag im Jahr 1826 – dem 50. Jahrestag der Unterzeichnung. Jefferson, der erste Präsident, ist übrigens im Mount Rushmore verewigt.