100 Jahre Marilyn Monroe
: Die Frau hinter dem Mythos

1926 wurde in Los Angeles ein Mädchen geboren, das später zu einem der bekanntesten Gesichter des 20. Jahrhunderts werden sollte. Ihr Name war Norma Jeane.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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ARCHIV - Die US-Schauspielerin Marilyn Monroe (1926-1962) posiert für ein Foto (undatiertes Archivfoto).

ARCHIV - Die US-Schauspielerin Marilyn Monroe (1926-1962) posiert für ein Foto (undatiertes Archivfoto).

picture-alliance/ dpa

Am 1. Juni 1926 wurde in Los Angeles ein Mädchen geboren, das später zu einem der bekanntesten Gesichter des 20. Jahrhunderts werden sollte. Ihr Name war Norma Jeane Mortenson. Die Welt kennt sie als Marilyn Monroe.

100 Jahre später ist Monroe mehr als eine Schauspielerin aus der goldenen Ära Hollywoods. Sie ist Bild, Marke, Mythos, Projektionsfläche. Ihr Gesicht hängt auf Postern, ihre Filmszenen werden zitiert, ihr weißes Kleid aus „Das verflixte 7. Jahr“ gehört zum kollektiven Gedächtnis der Popkultur.

Doch je länger ihr Tod zurückliegt, desto deutlicher wird auch: Marilyn Monroe war nicht nur die blonde Ikone, zu der Hollywood sie machte. Sie war eine Frau, die um Anerkennung rang – in einer Industrie, die sie verehrte und zugleich auf wenige Rollenbilder reduzierte.

Aus Norma Jeane wird Marilyn Monroe

Monroes Lebensgeschichte begann alles andere als glamourös. Sie wuchs unter schwierigen Umständen auf, verbrachte Teile ihrer Kindheit in Pflegefamilien und Heimen. Später arbeitete sie zunächst als Model, bevor sie in Hollywood Fuß fasste. Aus Norma Jeane wurde Marilyn Monroe: ein neuer Name, ein neues Image, eine neue Figur für die Leinwand.

Der Aufstieg zum Hollywoodstar

Der Durchbruch kam Anfang der 1950er-Jahre. Filme wie „Niagara“, „Blondinen bevorzugt“ und „Wie angelt man sich einen Millionär?“ machten sie zu einem der größten Stars ihrer Zeit. Monroe verkörperte darin häufig die verführerische, scheinbar naive Blondine. Doch gerade diese Rollen zeigen auch, was leicht übersehen wird: ihr Gespür für Timing, Komik und Wirkung. In „Manche mögen’s heiß“ spielte sie an der Seite von Tony Curtis und Jack Lemmon eine ihrer bekanntesten Rollen. Der Film gilt bis heute als Klassiker.

Norame Jeane Dougherty im Jahr 1946. Später änderte sie ihren Namen zu Marilyn Monroe.

Norame Jeane Dougherty im Jahr 1946. Später änderte sie ihren Namen zu Marilyn Monroe.

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Gefangen im eigenen Image

Monroe wusste, wie sie vor der Kamera wirken konnte. Sie verstand Posen, Licht, Blicke und Pausen. Ihr Image war nicht nur ein Produkt der Studios, sondern auch Ergebnis einer präzisen Selbstinszenierung. Gleichzeitig blieb diese Inszenierung ein Käfig. Hollywood machte aus ihr ein Sexsymbol und tat sich schwer damit, sie als ernsthafte Schauspielerin wahrzunehmen.

Mehr als die blonde Verführerin

Genau darin liegt bis heute ein Teil ihrer Tragik. Monroe wollte mehr sein als die Rolle, die ihr zugeschrieben wurde. Sie nahm Schauspielunterricht, suchte anspruchsvollere Aufgaben und kämpfte gegen das Bild der schönen, aber unterschätzten Frau. Filme wie „Bus Stop“ oder „Misfits – Nicht gesellschaftsfähig“ zeigen eine andere Monroe: verletzlicher, zurückgenommener, ernster.

Das Archivbild vom Juli 1956 zeigt die US-Schauspielerin Marilyn Monroe mit ihrem Ehemann, dem US-amerikanischen Schriftsteller und Dramatiker Arthur Miller.

Das Archivbild vom Juli 1956 zeigt die US-Schauspielerin Marilyn Monroe mit ihrem Ehemann, dem US-amerikanischen Schriftsteller und Dramatiker Arthur Miller.

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Die Schlagzeilen verdeckten den Menschen

Ihr Privatleben wurde schon zu Lebzeiten öffentlich ausgeschlachtet. Ihre Ehen mit Baseballstar Joe DiMaggio und Schriftsteller Arthur Miller, ihre gesundheitlichen Probleme, ihre Unsicherheiten und Abhängigkeiten: All das wurde Teil einer Erzählung, in der die Person Marilyn Monroe oft hinter der Schlagzeile verschwand. Die Öffentlichkeit wollte die Ikone sehen – nicht unbedingt den Menschen dahinter.

Ein früher Tod und eine noch größere Legende

Am 5. August 1962 wurde Marilyn Monroe tot in ihrem Haus in Los Angeles gefunden. Sie war 36 Jahre alt. Als wahrscheinliche Todesursache gilt eine Überdosis Schlafmittel; die Behörden stuften ihren Tod als mutmaßlichen Suizid ein.

Ihr früher Tod verstärkte den Mythos noch. Aus dem Filmstar wurde eine Legende, aus der Legende ein endlos reproduziertes Bild. Andy Warhol machte sie zur Pop-Art-Ikone. Generationen von Künstlern, Fotografen, Schauspielern und Designern griffen ihr Bild auf. Kaum ein anderes Gesicht wurde so oft nachgeahmt, gedruckt und neu gedeutet.

ARCHIV - Marilyn Monroe am 21.06.1956 in New York.

ARCHIV - Marilyn Monroe am 21.06.1956 in New York.

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Warum Marilyn Monroe heute anders gesehen wird

Doch die heutige Sicht auf Monroe ist eine andere als früher. Lange wurde sie vor allem als tragisches Sexsymbol erzählt: schön, berühmt, einsam, zerstört. Inzwischen rückt stärker in den Vordergrund, wie klug sie ihr Image nutzte, wie sehr sie gegen die Machtstrukturen Hollywoods ankämpfte und wie eng ihr Leben mit Fragen verbunden ist, die bis heute aktuell sind: Wem gehört das Bild einer Frau? Wie viel Kontrolle hat ein Star über die eigene öffentliche Person? Und was macht Ruhm mit einem Menschen, der ständig betrachtet, bewertet und begehrt wird?

Was von Marilyn Monroe bleibt

Marilyn Monroe wäre am 1. Juni 100 Jahre alt geworden. Dass sie bis heute präsent ist, liegt nicht nur an ihren Filmen oder an den berühmten Fotografien. Es liegt auch daran, dass sich in ihrer Geschichte viel von dem spiegelt, was die moderne Prominenzkultur bis heute prägt: die Sehnsucht nach Nähe, der Hunger nach Bildern, die Verwechslung von öffentlicher Rolle und privatem Menschen.

Vielleicht ist Monroe deshalb nie wirklich verschwunden. Sie wurde zu oft auf ein Lächeln, eine Haarfarbe, ein Kleid reduziert. Geblieben ist aber mehr: eine Schauspielerin mit außergewöhnlicher Präsenz, eine Frau mit künstlerischem Ehrgeiz – und ein Beispiel dafür, wie gnadenlos Ruhm sein kann, wenn der Mensch hinter dem Mythos kaum noch gesehen wird.