Der 1. Mai ist in Deutschland einer der wichtigsten politischen Feiertage. Doch welche Geschichte steckt hinter dem Tag der Arbeit?

Auf welchen Wochentag fällt der 1. Mai 2020?

In diesem Jahr fällt der 1. Mai auf einen Freitag und verschafft Arbeitnehmern damit ein verlängertes Wochenende. Beim Tag der Arbeit handelt es sich deutschlandweit um einen gesetzlichen Feiertag.

Wofür steht der 1. Mai?

Wie die Bundeszentrale für politische Bildung erklärt, dreht sich am Tag der Arbeit traditionell alles um die Forderungen der Arbeitnehmer – dazu gehören zum Beispiel Arbeitszeiten, Bedingungen oder Lohn.
Seit seiner Gründung 1949 ruft der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zu Demonstrationen und Kundgebungen am 1. Mai auf. Diese können wegen der Corona-Pandemie 2020 nicht stattfinden. Stattdessen soll es einen Live-Stream geben.

Wie entstand der 1. Mai als Feiertag?

Nicht nur in Deutschland, sondern unter anderem in Österreich, Belgien und in Teilen der Schweiz müssen die Menschen am 1. Mai nicht arbeiten. Bereits in der Weimarer Republik gab es 1919 Versuche, den 1. Mai zu einem gesetzlichen Feiertag zu machen – er wurde aber nur einmalig begangen. 1933 machten die Nationalsozialisten den 1. Mai zum Feiertag und vereinnahmten ihn für ihre Propaganda. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs blieb der 1. Mai ein gesetzlicher Feiertag. Seit er damals umbenannt wurde, ist er bekannt als „Tag der Arbeit“.

Doch wo liegen die Ursprünge?

In den USA begann am 1. Mai 1886 ein von den Gewerkschaften organisierter mehrtägiger Streik für bessere Arbeitsbedingungen mit dem Ziel eines Achtstundentags. Im ganzen Land legten rund 400.000 Menschen die Arbeit nieder. Bei Gefechten und schweren Auseinandersetzungen wurden Hunderte Arbeiter verletzt, rund 20 starben. Auf dem Gründungskongress der Zweiten Internationale 1889 wurde der 1. Mai in Gedenken an die Opfer der Haymarket-Gefechten zum „Kampftag der Arbeiterbewegung“ ausgerufen. Am 1. Mai 1890 wurde zum ersten Mal ein zentraler Protest- und Gedenktag mit Streiks und Demonstrationen der Massen in der ganzen Welt begangen. Auch in Deutschland demonstrierten und streikten Arbeiter am 1.Mai 1890. Im Oktober desselben Jahres beschloss die SPD, den 1. Mai zum Tag der Arbeiterbewegung zu machen. Von da an etablierten sich die Streiks und Demonstrationen. Arbeitgeber reagieren darauf mit Aussperrungen und Entlassungen: Der 1. Mai entwickelt sich damit zum Symboltag des Klassenkampfes und zum Tag der Arbeiterbewegung.

Welche Bräuche gibt es rund um den 1. Mai?

Rund um den Maifeiertag gibt es verschiedene Traditionen. Was wird bei uns in Bayern und Baden-Württemberg gemacht?
  • Maibaumstellen: In der Regel wird am Abend des 30. Aprils an einem zentralen Platz eines Ortes der Maibaum gestellt. Der geschmückte Baum wird meistens bei einem Festakt aufgerichtet. Wenn der Baum also am Vorabend des 1. Mai aufgestellt wird, dann geht die Veranstaltung meistens in einen Maitanz über. Die über Generationen weitergegebene Tradition wird 2020 wegen der Corona-Pandemie jedoch abreißen.
  • Maibaumstellen als Liebesbeweis: Um das Herz ihrer Angebeteten zu Erobern, greifen Männer im Südwesten in der Nacht zum 1. Mai noch heute auf den alten Brauch des Maibaums zurück. Der „Maien“ als Beweis der Zuneigung wird nachts vom Mann vor oder am Haus der Liebsten – egal ob bereits liiert oder noch nicht – aufgestellt. Dafür nimmt man entweder eine Tanne oder eine Birke, schmückt sie mit bunten Bändern und einem Herz mit Vornamen. Der Brauch funktioniert im Schaltjahr umgekehrt und Frauen können den Männern einen Baum stellen.
  • Maistreiche: In der Nacht auf den 1. Mai wird, besonders im Süden Deutschlands, die Freinacht gefeiert. Kinder und Jugendliche erlauben sich nachts Streiche. Deshalb sieht man am Morgen des öfteren Klopapier auf der Straße, damit verhüllte Autos, Schmierereien mit Eiern und Ketchup, ausgehobene Gullydeckel oder demolierte Gartenzäune.
  • Tanz in den Mai: Was in jedem anderen Jahr selbstverständlich war, kann 2020 nicht stattfinden. Wegen der Corona-Pandemie kann in diesem Jahr niemand bei großen Veranstaltungen am Abend vor dem Maifeiertag traditionell beim Tanz in den Mai der Übergang zur warmen Jahreszeit feiern. Abgeleitet hat sich dieser Brauch aus der Walpurgisnacht vom 30. April auf den 1. Mai.