Der aus Eislingen stammende Autor Josef Alkatout widmet sich in seinem aktuellen Buch „Ohne Prozess – Die Entrechtung unserer Feinde im Kampf gegen den Terror“ den Grundlagen des Konflikts zwischen den islamischen Rebellen und der westlichen Welt. Es geht um „ein entmenschlichtes Selbstverständnis und um die Moral des Tötens“. Der 34-jährige Sohn des lange Zeit in Eislingen praktizierenden Apothekers Abdullatif Alkatout schreibt in dem 256 Seiten umfassenden Werk aber auch über engagierte Richter und unerschütterliche Demokratie-Verfechter. Die zentrale Frage des Autors lautet: Wie freiheitlich ist eine sich auf die Werte der Aufklärung berufende Gesellschaft noch, wenn sie ihren Gegnern ein faires Verfahren vorenthält?
Entstanden ist das Buch aufgrund eines Textes, den der mittlerweile in Genf lebende Jurist für eine Zeitung geschrieben hat. „Es ging um Obama und seine Verwicklungen im Drohnen-Krieg“, berichtet Alkatout. „Ich habe über meine Enttäuschung geschrieben, denn wie viele andere hatte ich große Hoffnungen in Obama gesetzt.“
Das Thema des Buches, der Kampf gegen den Terrorismus und die dabei immer größere Umgehung des Rechts, beschäftigen Josef Alkatout schon lange. „Ich habe den 11. September in Amerika miterlebt“, erinnert er sich. Damals habe er gerade ein Auslandsjahr in Kalifornien gemacht. Dass es in Den Haag einen internationalen Strafgerichtshof gibt, lässt den Autor hoffen, dass Täter – beispielsweise in Syrien oder im Jemen – irgendwann zur Rechenschaft gezogen werden. Überhaupt sieht Alkatout nicht alles so negativ, wie der Inhalt seines Buches vermuten lässt. Die Welt befinde sich auf einem stetigen Weg, friedlicher und moralischer zu werden, sagt er. „Nur leider ist eine Lebensspanne zu kurz, um es zu bemerken.“
Seit 2004 lebt Alkatout in Genf. Geboren 1984 in Göppingen, wuchs er in Eislingen auf. Der Vater kam aus Palästina, wurde aber von den Israelis vertrieben und floh 1948 als Kind nach Syrien. „Mein Vater mochte Syrien sehr, er fand es immer so toll, wie offen die Syrer Palästinenser aufgenommen hatten“, erzählt der Anwalt. Zu der Zeit griff Hafiz al-Assad, der Vater des jetzigen syrischen Präsidenten, nach der Macht. Josef Alkatouts Vater, politisch engagiert, wurde bei Demonstrationen verhaftet und versuchte, per Studentenvisum aus dem Land auszureisen. Das war schwer, denn als Palästinenser hatte er weder Papiere noch Staatsbürgerschaft. Doch Deutschland stellte ihm das Visum aus. In den 60er Jahren kam er in seiner neuen Heimat an, studierte Pharmazie, lernte seine Frau kennen und zog nach Eislingen, wo er eine Apotheke übernahm. „Er hat Deutschland geliebt“, erinnert sich sein Sohn Josef. „Mein Vater fand es toll, wie ordentlich hier alles ist und wie höflich die Menschen sind. Und alles, was er an Deutschland toll fand, fand er konzentriert in Eislingen.“ Er habe es genossen, der Dorfapotheker zu sein und sich mit allen zu verstehen. „Von unserer Familie war er der wahre Schwabe.“
Drei Geschwister hat der Autor, alle älter als er. Der älteste Bruder lebt in Berlin und ist auch Rechtsanwalt. Der zweite lebt in Kiel und ist Professor für Gynäkologie, die Schwester wurde Apothekerin und arbeitet bei einem Pharmazie-Konzern in Köln. Seine Eltern zogen im Ruhestand nach Berlin, der Vater ist 2010 gestorben. Josef Alkatout zog es nach Genf, erst um Französisch zu lernen, später um internationale Beziehungen und Jura zu studieren. Weil er in dem Fach „internationales Strafrecht“ promoviert hat, ist Alkatout auch als Berater für die Exilregierung der Tamil in New York tätig und Teil des „Weltverbands der Gesellschaften für die Vereinten Nationen“. In seiner Freizeit ist er Schiedsrichter bei Volleyballturnieren und nimmt an Schwimmwettkämpfen teil.
Sein erstes Buch schrieb er noch in der Schule, da hatte er noch nicht einmal das Abitur. In „Samla“, erklärt der Autor, „habe ich mir meine palästinensische Vergangenheit von der Seele geschrieben“. Mit seiner Mutter besuchte er damals die Heimat des Vaters. „Mein Vater hat gewusst,  dass nicht viele Palästinenser so viel Glück hatten wie er.“ Aus diesen biografischen Daten entstand dann Josef Alkatouts Roman. „Es gefiel mir, das Biografische und das Belletristische zu vermischen“, sagt er mit Blick auf sein erstes Werk. So richtig stolz ist er nicht mehr darauf, der Verlag habe ihm viel reingeredet. Besser gefällt ihm sein zweites Buch „Die Stille, die du ließt“. Für das Buch habe er am längsten gebraucht, es sei aber auch am wenigsten erfolgreich. „Trotzdem mag ich es am liebsten, auch wenn es sonst niemand tut.“

Info Josef Alkatout: „Ohne Prozess – Die Entrechtung unserer Feinde im Kampf gegen den Terror“, 256 Seiten, Promedia 2018, 19,90 Euro, ISBN: 978-3-85371-443-0.

Sohn eines Apothekers mit Hang zur Literatur

Familiengeschichte Abdullatif Alkatout war Apotheker in Eislingen. Er  musste 1948 mit seiner Familie die Heimatstadt al-Ramla in Palästina verlassen. Im Alter von 36 Jahren erhielt er einen deutschen Pass, die erste Staatsangehörigkeit seines Lebens, wie sein jüngster Sohn Josef in dem Roman „Samla“ im Jahre 2006 berichtet.
Arabische Lyrik Abdullatif Alkatout lebte mit seiner Frau Resi und den vier Kindern Bilal, Ibrahim, Amina und Josef lange Jahre in Eislingen. „Wer das Glück hatte, ihn bei der zweisprachigen Lesung arabischer Lyrik 1998 zu hören, wird dies nie vergessen“, schrieb die Eislinger Lyrikerin Tina Stroheker  in ihrem Nachruf. Abdullatif Alkatout starb im Alter von 70 Jahren 2010  in Berlin.