
Südwesten: Verschärft aktuell: „Die Weber“ in Stuttgart
Unten und oben sind klar zu erkennen. Zerlumpte Lohnarbeiter tragen stumm eine schwere Last über ihren Köpfen: die Kommandozentrale ihrer Firma, wo ihr Chef, der Fabrikant Dreißiger, über die Sorgen des Unternehmerdaseins jammert. Auch als unter ihm ein Kind entkräftet umkippt, schimpft er dort oben weiter über aufmüpfige Arbeiter, die von Hunger reden und dabei ihren Lohn versaufen. Dass Dreißiger, kein Scherz, auch noch einen goldenen Glitzeranzug trägt, macht ihn vollends zum Buhmann. Alles Klischee oder was? Immerhin zeigt dieses sprechende Bild: Das Obergeschoss, in dem der Fabrikant residiert, hält sich nur deshalb oben, weil es von den Arbeitern wie eine Sänfte gestemmt und getragen wird. Und weil sich manche auch danach strecken. So beginnt Gerhart Hauptmanns Klassiker „Die Weber“ in Stuttgart – am Samstag war Premiere im Schauspielhaus.