Kondome, Treppen, Töne: 8 außergewöhnliche Normen, die im Alltag mehr oder weniger wichtig sind

In der Kategorie sinnvolle Normen ist die DIN EN ISO 4074, die die Beschaffenheit von Kondomen regelt, sicherlich ganz weit oben dabei. Im Kontext des Liebesspiels gilt nämlich, „sicher ist sicher ... ".
Friso Gentsch/dpa- Rund 35.000 Normen regeln den Alltag in Deutschland.
- Beispiele: DIN EN ISO 4074 (Kondome), DIN 1946-6 (Lüften), DIN ISO 8601 (Zeitangaben).
- DIN A4 (Papierformat) und DIN 820-1 (Normierung von Normen) sind besonders bekannt.
- Normen fördern Qualität, Sicherheit und internationalen Handel.
- Der Weltnormentag erinnert an die Gründung der ISO 1946.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nichts haftet am Stereotyp der Deutschen mehr als ihre Liebe zur Ordnung, die – glaubt man den Erzählungen – gerne auch mal in Normierungswut ausarten kann. Zumindest das Deutsche Institut für Normierung (kurz DIN) ist aber davon überzeugt, dass der Alltag ohne Normen in purem Chaos münden würde. Fest steht, dass auch die berühmten Pyramiden von Gizeh, immerhin eines der sieben Weltwunder der Antike, ohne genormte Maßeinheiten unmöglich gewesen wären. Aber zurück nach Deutschland: Hier gibt es mittlerweile rund 35.000 Normen von A wie Aufbackwaren, bis Z wie Zahnbürstenbüschel und grundsätzlich gilt, jeder und jede kann einen Antrag auf Normierung stellen. Im Prozess setzt das DIN auf die Grundprinzipien Beteiligung, Transparenz und Konsens. Denn nur so sind die Ergebnisse „marktgerechte Normen und Standards, die den weltweiten Handel fördern und der Rationalisierung, der Qualitätssicherung, dem Schutz der Gesellschaft und Umwelt sowie der Sicherheit und Verständigung dienen.“
Denkwürdige Normen: Eine Auswahl
Zu Ehren des Weltnormtags, der auf die Gründung der ISO (International Organization for Standardization) im Jahr 1946 zurückgeht, haben wir acht außergewöhnliche Normen für Sie herausgesucht:
- Die allererste Norm – DIN 1: Wer davon ausgeht, dass sich die allererste Norm mit etwas Grundsätzlichem wie der Festlegung der Länge einer Sekunde befasst, der irrt gewaltig. Nein, gerade mal zehn Wochen nach der Gründung von DIN im Dezember 1917 wurde die erste Norm veröffentlicht – darin waren die Maße von Kegelstiften für die Industrie festgelegt. Mittlerweile mehrmals überschrieben, trägt sie heute die Bezeichnung DIN EN 22339.
- Lüften soll genormt sein – DIN 1946-6: Neben dem Normieren können die Menschen hierzulande vor allem eines: richtig, lüften. Und damit dies gelingt, gibt es dafür die passende Norm, die in diesem Fall aber mehr als Orientierung zu lesen ist. Demnach sollten die Fenster des Eigenheims mindestens viermal täglich geöffnet werden. Doch es wäre vermessen, hier nicht auch die empfohlene Lüftungszeit zu nennen. So empfiehlt das DIN zwischen Dezember und Februar jeweils fünf Minuten, im März und November zehn, im April und Oktober 15 Minuten und im Mai und September 20 Minuten. Von Juni bis August sind es sogar jeweils 30 Minuten.
- Es wurde Zeit – DIN ISO 8601: Zeitangaben sind wichtig, wenn man Absprachen treffen und zusammenfinden möchte. Doch in Zeiten der (digitalen) Globalisierung führen verschiedene Zeitzonen und unterschiedliche kulturelle Gewohnheiten der Zeitformatierung zu Missverständnissen und bösen Überraschungen! Damit ist seit der DIN ISO 8601 Schluss, denn sie definiert ein anerkanntes Format zur Darstellung von Daten. Das „ISO“ markiert die Norm übrigens als weltweit akzeptiert. Und laut dieser gibt es nur eine sinnvolle Form, ein Datum zu schreiben: JJJJ-MM-TT. Erlaubt ist auch die Form ohne Trennzeichen, solang auf das Jahr der Monat und auf den Monat der Tag folgt. So findet der Weltnormentag dieses Jahr am 20241014 statt.
- Schützt die Ohren – ISO-Norm 16: Diese Norm, die 1975 veröffentlicht wurde, sorgt seitdem dafür, dass auch ein lautes Orchesterkonzert nicht zu Ohrenschmerzen führt. Die ISO-Norm 16 legt nämlich die Tonhöhe der Note A auf 440 Hertz fest. Stimmgabeln und elektronische Stimmgeräte werden auf diese Standard-Tonhöhe eingestellt, sodass im Normalfall kein schiefer Ton die Ohren trifft. Da fragt man sich doch, wie ein Orchesterkonzert vor 1975 geklungen haben muss.
- Ein Auf und Ab – DIN 18065: Wer im Urlaub schon einmal Treppen hinauf- oder hinabgestiegen ist und dabei gänzlich ungalant zu tänzeln begann, weil genau anderthalb Schritte pro Stufe vonnöten waren, der kann sich über diese Norm freuen. Sie regelt nämlich unter anderem die Steigung und den Auftritt von Treppenstufen. Dabei gelten strikte Mindest- und Maximalmaße, so muss beispielsweise eine baurechtlich notwendige Treppe in einem Mehrfamilienhaus die nutzbare Laufbreite von mindestens 100 Zentimetern aufweisen und die Stufenhöhe muss mindestens 14 und maximal 19 Zentimeter betragen.
- Sicher ist sicher – DIN EN ISO 4074: Kondome müssen, um verkauft werden zu dürfen, bestimmte Eigenschaften aufweisen. So gibt es zwar keine feste Beschränkung der Breite, diese darf aber maximal 2 Millimeter von dem auf der Packung angegebenen Wert abweichen. Natürlich gibt es auch Mindestanforderungen an die „Bersteigenschaften“ des Präservativs aus Latex: Je nach der Breite des Kondoms muss es ein bestimmtes Füllvolumen aushalten, bevor es platzt. Als Mindestwert gelten hier rund fünf Liter.
- So genial wie einfach - DIN A4: Diese Norm ist so normal, dass der Ausdruck DIN A4 zuweilen wie ein Wort für sich steht. Doch kaum einer weiß, welch geniale Idee sich hinter der bereits 1922 veröffentlichten Normierung des Papiers verbirgt. Das Besondere ist nämlich das festgelegte Seitenverhältnis. Die seitliche Kante des DIN A-Papiers ist nämlich genau 1,41 Mal so lang wie die obere Kante. Und bei genau diesem Seitenverhältnis ergibt sich beim mittigen Falten des Papiers wieder ein Rechteck, dass das exakt gleiche Seitenverhältnis (also 1:1,41) aufweist. Und wofür ist das gut? Genau, so kann zum Beispiel beim Kopieren ohne Verzerrungen auf größere Formate hoch- oder auf kleinere Formate herunterskaliert werden. Damals als DIN 476 veröffentlicht, ist die Norm heute unter der Bezeichnung DIN EN ISO 216 ein internationaler Klassiker.
- Die Norm zur Norm – DIN 820-1: Damit es auch für die Erstellung von Normen ordentlich zugeht, wäre es ja fast ironisch, wenn es nicht auch eine Norm gäbe, die das Normieren normiert. So legt diese Mutter aller Normen „die allgemeinen Grundsätze, die Organisation und Ergebnisse der Normungsarbeit fest“. Diese soll laut DIN die „Qualitätssicherung in allen Lebensbereichen“ garantieren.


