Wandern extrem: In 78 Tagen durchs andere Ende der Welt
„Jetzt muss ich erstmal alles sacken lassen. Ich hab mein Ziel erreicht – das ist einfach so emotional.“ Das Ziel, von dem Tobias Macziol aus Blaustein hier spricht, ist die Stadt Queenstown auf der Südinsel von Neuseeland. Macziol hat sich seinen Weg hierher erlaufen: in 78 Tagen hat er auf dem berühmten Te Araroa-Trail zunächst die Nordinsel und dann die Südinsel durchquert. Insgesamt waren es 2700 Kilometer.
„Es ist der absolute Wahnsinn“, sagt Macziol, der nach den fast 80 Tagen auf Tour am Telefon frisch und gut gelaunt klingt. An manchen Tagen habe er mehrere tausend Höhenmeter im Gebirge überwunden, an anderen sei er zwölf Stunden an einem Strand entlanggelaufen, ohne einen einzigen Menschen zu treffen.
Ein Erlebnis, das man nicht vergisst
„Das ist manchmal schon krass. Der Trail fordert alles“, sagt der 45-Jährige: „Aber es ist ein Erlebnis, das ich niemals vergessen werde. Diese Natur hier, die Berge, das Meer, die Wälder, das können wir uns in Europa alles gar nicht vorstellen.“
Gewandert sei er schon immer gern und viel, sagt der Landschaftsgärtner, der als Bauleiter bei der Firma Zaiser in Blaustein arbeitet. An den Wochenenden ist er häufig in den Alpen unterwegs, von Hütte zu Hütte. Vor vier Jahren startete er die erste Fernwanderung, 280 Kilometer von Oberstdorf nach Meran. „Das hat Spaß gemacht“, sagt Macziol. Er wiederholte die Tour ein Jahr später und wanderte im Sommer 2023 in 19 Tagen die 550 Kilometer von München nach Venedig.
Fernweh hält sich in Grenzen
Im Internet habe er dann von dem Weitwanderweg in Neuseeland gelesen. „Ich bin eigentlich kein Weltreisender, aber das hat mich beeindruckt.“ Mit einem Drei-Monats-Visum machte er sich auf den Weg, mit dem Ziel den Trail in 80 Tagen zu bewältigen. „Ich wusste: eigentlich ist das unmöglich zu schaffen, man braucht gewöhnlich vier bis fünf Monate für den Weg.“ Nun hat er es in 78 Tagen gemeistert.
„Ich bin teilweise bis zu sechzig Kilometer am Tag gegangen, der absolute Irrsinn.“ Gerade in den ersten Wochen auf der Nordinsel sei er sehr viel mit sich allein gewesen. „Die Insel ist ziemlich verlassen, manchmal sieht man drei bis fünf Tagen keinen Menschen.“ Was auch bedeute, dass man nicht irgendwo etwas einkaufen oder essen gehen könne. „Man muss alles dabei haben, das muss gut geplant sein.“
Unbedingt ins Gepäck gehöre ein Wasserfilter, sagt Macziol: „Man muss Wasser aus kleinen Bächen filtern, und die sind oft verseucht.“ Auf der Nordinsel gebe es viel Strand, Wald, „und viel Matsch“, oft sei er ganze Tage durch Bäche gewatet. Hier herrsche jetzt im Spätsommer eher tropisches Wetter mit recht stickiger warmer Luft. Ganz anders auf der Südinsel: „Nachts ist es hier brutal kalt, tags ist es zwar warm, aber die Luft ist frisch.“
Sportlich eine Herausforderung
Ab 1900 Metern Höhe liege auch Schnee. Insgesamt sei die Südinsel sehr gebirgig, die einzelnen Etappen daher sehr sportlich und fordernd. „Da fällt man nach 14 Stunden ganz schön fertig auf sein Hüttenmatratzenlager oder ins Zelt.“ Als Schuhwerk schwört Macziol auf seine Lowa-Wanderstiefel.
1500 Kilometer hätten sie gehalten, dann war die Sohle durch: „Ich war schon auf dem Schaumstoff.“ Das neue Paar, das er sich danach gekauft habe, habe bis zum Schluss mitgespielt: „Ich bin den Bergschuhen dankbar, die haben mir im Gebirge auf rutschigen Felsen gute Dienste geleistet.“ Nur schlecht trocknen würden sie, sodass er manches Mal mit nassen Schuhen unterwegs gewesen sei. „Da hab ich auch brutale Tage hinter mir.“
Obwohl er allein unterwegs war und oft einsam im Zelt in der Natur übernachtet habe, sei er nie in gefährliche Situationen geraten. „Die Kriminalität ist ganz gering, man kann den Rucksack vor dem Zelt liegen lassen.“ Und giftige Tiere wie Schlangen oder Spinnen gebe es in Neuseeland nicht.
Bis zum 7. März wird sich Macziol nun noch in Neuseeland erholen, bis es für ihn mit dem Flieger nach Hause geht. „Erstmal muss ich meine Gedanken sortieren, die ganzen Erlebnisse“, sagt er. Die letzten 78 Tage würde er in seinem ganzen Leben nicht vergessen, da ist er sicher. „Es war einfach einmalig.“
Der Te Araroa-Trail
Unter www.teararoa.org.nz gibt es Informationen auf Englisch über den Trail in Neuseeland. Die Gesamtlänge ist 3000 Kilometer, von Queenstown aus geht es noch 300 Kilometer weiter.



