Wandern auf der Alb
: Zu den Hülen in Berghülen

Gewässer, die früher als Viehtränken dienten, laden heute Wanderer zum Verweilen ein und bieten auf der trockenen Alb Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Der Wasserhaushalt ist durch Trockenheit gestört.
Von
Joachim Striebel
Berghülen
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  • An der Haldenhüle bei Berghülen gibt es einiges zu entdecken. Das Biotop ist Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Der Schwäbische Albverein hat zudem ein Insektenhotel aufgestellt.⇥

    An der Haldenhüle bei Berghülen gibt es einiges zu entdecken. Das Biotop ist Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Der Schwäbische Albverein hat zudem ein Insektenhotel aufgestellt.⇥

    Joachim Striebel
  • Stockente auf der „Oberweiler Hüle“ bei Berghülen.⇥

    Stockente auf der „Oberweiler Hüle“ bei Berghülen.⇥

    Joachim Striebel
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Wehe dem Fremden, den in einem der primitiven Albdörfer, wo die Strohdächer überwiegen und man rein auf Regenwasser angewiesen ist, ein Bedürfnis anwandelt nach einem Glase Wasser. Strohgelb bis kaffeebraun hat sich das Wasser gefärbt, das von den Strohdächern niederrinnt, nur wer von Jugend auf an den Anblick dieses Wassers sich gewöhnt hat, vermag ohne Abscheu das Glas an die Lippen zu setzen.“ Das schrieb der Stuttgarter Professor Oscar Fraas nach einem Besuch auf der Alb im Jahr 1773.

Noch unappetitlicher als dieses in den „Dachbrunnen“ gesammelte Wasser, in dem mit der Zeit rote Würmchen schwammen, muss das Nass aus den Hülen, den offenen Wasserlöchern, gewesen sein, das in Notzeiten ebenfalls als Trinkwasser diente. Der evangelische Pfarrer Friedrich August Köhler hielt nach einer Alb-Reise 1790 fest, dass das Hülen-Wasser von der Sonnenhitze verdorben und von einer „Haut aus Insekten“ und Pflanzen, die durch die Fäulnis entstanden sind, überzogen war.

An die Not vor Inbetriebnahme der Albwasserversorgung erinnert ein Kapitel in dem demnächst erscheinenden Buch „Wasser für die Alb – Quellen, Brunnen und Hülen“. Autor Volker Korte stellt dazu eine Wanderung vor, die zu vier Wasserlöchern in und um Berghülen führt. Titel: „Hülehopping bei Berghülen“.

Spaziergang ohne große Mühen

Von der Länge her sei die Tour eher ein Spaziergang, meint Korte. Sie ist 7,5 Kilometer lang und beginnt und endet beim Rathaus in Berghülen, wo sich auch eine Bushaltestelle befindet. Der Weg führt zunächst zur neu angelegten „Unteren Hüle“, dann entlang der Landstraße nach Bühlenhausen zur Dorfhüle, wo noch ein Ventilbrunnen aus der Fühzeit der Albwasserversorgung zu entdecken ist. Vorbei an der evangelischen Kirche „Zum heiligen Veit“ geht es in Richtung Norden zur weit außerhalb des Orts gelegenen „Haldenhüle“, die vom örtlichen Albverein gepflegt wird. Auf dem Weg zurück nach Berghülen liegt eingezäunt zwischen Gärten die „Oberweiler Hüle“. Am Ausgangspunkt angelangt, lohnt sich die Besichtigung der evangelischen Kirche „Zum heiligen Laurentius“ aus dem Jahr 1504.

Berghülen ist das Dorf der Hülen. Zwei befanden sich früher im Zentrum. Die „Kuhhüle“ in der Ortsmitte und die „Rosshüle“ hinter der Kirche. Es wird berichtet, dass die Bauern manchmal ihre Tiere durchgetrieben haben. Diese beiden Wasserlöcher gibt es nicht mehr. Dennoch ist für Berghülen der Name Verpflichtung: So ist die Untere Hüle vor wenigen Jahren neu angelegt worden, die Sitzgelegenheiten am Ufer laden zum Verweilen ein. Erst 2019 wurde die „Vogelhüle“ südlich von Bühlenhausen neu gebaut. Sie hat hohen ökologischen Wert. „Es ist unglaublich, wie schnell sie besiedelt wurde“, sagt Konrad Schwarzenbolz, BUND-Vorsitzender in Berghülen und früherer Gemeinderat. Neben Molchen und Libellen sind am Wasser viele Vögel anzutreffen, auch rastende Durchzügler, die sonst auf der Alb kaum Wasser finden, bespielsweise die Gebirgsstelze.

Pfad zu sechs Hülen

Die BUND-Ortsgruppe und die Gemeinde Berghülen haben im Jahr 2005 einen „Hülenpfad“ angelegt, der zu sechs Gewässern führt. An den Stationen informieren Tafeln über deren ökologische und kulturhistorische Bedeutung. Die Hülen brauchen Pflege, darum kümmern sich der Albverein und der BUND. Für die Dorfhüle in Bühlenhausen fühlen sich die örtlichen Landwirte zuständig.

Hülen, auch Hülben genannt, gibt es auf der Schwäbischen Alb schon seit Jahrtausenden. Schon die ersten Ackerbauern, die Bandkeramiker, dichteten vor 6500 Jahren Erdvertiefungen mit Lehm ab, um Tränkstellen für die Tiere anzulegen. Andere Wasserlöcher bildeten sich von selbst auf wasserundurchlässigen Vulkanschloten, etwa in Zainingen.

Dass es nicht einfach ist, eine Hüle neu zu bauen, haben die Berghüler im Jahr 1991 gemerkt. Die „Silahopp-Hüle“ sollte mit örtlich vorkommendem Lehm abgedichtet werden. „Das hat nicht funktioniert“, berichtet Schwarzenbolz. Erst mit speziellem Ton aus der Gegend um Nürnberg wurde der Untergrund dicht.

Im Winter Schlittschuhbahn

Auch Hülen mit undurchlässigem Untergrund haben heute ein Problem. „Es sieht so aus, dass sie Wasser verlieren“, sagt Schwarzenbolz. Dass Niederschläge und Verdunstung sich ausgleichen, funktioniert nicht mehr. „Das Phänomen beobachten wir seit zwei Jahren“, sagt Schwarzenbolz.

Trockenheit und Hitze bedrohen diese historischen Zeugnisse, die nebenbei auch eine soziale Funktion erfüllen. So tummeln sich im Winter, wenn es trotz des Klimawandels mal längere Zeit frostig ist, Schlittschuhläufer auf der Dorfhüle in Bühlenhausen.

Hier die ausführliche Beschreibung der Wanderroute von Volker Korte:

Anfang und Ende dieser kurzen Wanderung ist in Berghülen (Haltestelle Rathaus), zu dem wir auch mit dem Bus (DING-Linien 30 und 366) gelangen können. Von der Kirche folgen wir zunächst der Markierung mit der gelben Gabel der Landstraße Richtung Bühlenhausen bis zur neu angelegten Hüle. Danach zweigt unser Weg mit der gelben Gabel an der Bushaltestelle (Abzweigung Treffensbuch) nach links und führt uns parallel zur Landstraße nach Bühlenhausen. Wir kommen zur dortigen Dorfhüle, neben der sich auch noch ein Ventilbrunnen aus der Frühzeit der Albwasserversorgungbefindet. Wir folgen der Straße noch ein kurzes Stück und gelangen zur evangelischen Pfarrkirche „Zum heiligen Veit“. Diese ist meist verschlossen; sollte sie geöffnet sein, lohnt sich ein Besuch mit der Besichtigung der Fresken der klugen und törichten Jungfrauen aus dem Jahr 1477. Hinter der Kirche biegen wir links ab und stoßen gleich auf einen mit gelbem Dreieck markierten Weg, dem wir nach rechts folgen. An der Kreuzung mit dem Radweg von Treffensbuch wandern wir weiter geradeaus, bis wir am Waldrand links abbiegen. Von dort gelangen wir zur schön gelegenen „Haldenhüle“, die vom Albverein in Berghülen gepflegt wird. Wir bleiben noch ein kurzes Stück am Waldrand, machen über Feldwege zwei links-rechts-Kombinationen und erreichen wieder den Radweg von Treffensbuch nach Berghülen. Kurz vor Berghülen liegt rechts eingezäunt zwischen Gärten die „Oberweiler Hüle“. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zu unserem Ausgangs- und Endpunkt. Und auch in Berghülen lohnt sich ein Besuch der evangelischen Pfarrkirche „Zum heiligen Laurentius“ aus dem Jahr 1504 mit einer Rokokoorgel aus dem Jahr 1784 sowie einer schön bemalten Kassettendecke. Einkehren kann man in zwei bekannten Gasthöfen in Berghülen. In beiden bekommt man auch den Schlüssel für die Kirche, falls diese (wie meistens) verschlossen ist. Für an Kirchen interessierte Wanderer, die mit dem Pkw unterwegs sind, bietet sich noch ein Abstecher nach Treffensbuch an. Die Kirche „Sankt Christoph und Margarethe“ wurde 1142 erbaut und ist eine der ältesten Kirchen in Württemberg.

Buch mit 140 Seiten über Quellen, Brunnen und Hülen

Tour-Daten Das Wichtigste zur Tour „Hülehopping bei Berghülen“ in Kürze: Start und Ende in Berghülen an der Kirche, Länge 7,5 Kilometer, Summe aller Anstiege und Abstiege 45 Meter, empfohlene Wanderkarte 1:35 000 des Schwäbischen Albvereins und des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung, Blatt 20.

Details Die ausführliche Beschreibung der Tour, die auch im Buch „Wasser für die Alb“ abgedruckt ist, findet sich im Internet unter www.swp.de/suedwesten/landkreise/alb-donau/

Bestellung Das neue Buch „Wasser für die Alb – Quellen, Brunnen und Hülen“, geschrieben von Volker Korte vom Schwäbischen Albverein, erscheint im Verlag Klemm&Oelschläger in Ulm und ist voraussichtlich Anfang oder Mitte September im Buchhandel und im Shop der SÜDWEST PRESSE zu haben. Es ist reich bebildert, umfasst rund 140 Seiten und kostet 14,90 Euro. Bestellungen sind bereits jetzt im Internet im SWP-Shop (shop.swp.de) möglich, zu finden ist das Buch dort unter der Kategorie „Rad- und Wanderführer für die Region“.