Waffenverbotszone in Ulm
: Kritik an Pfefferspray-Verbot: „Wie können Frauen sich verteidigen?"

Ab dem 15. Oktober 2024 greift die Messer- und Waffenverbotszone in Ulm. Auf den Sozialen Medien wird das Vorhaben kritisiert. Eine Frage, die immer wieder gestellt wird: Wie können sich Frauen verteidigen, wenn nun auch Pfefferspray verboten ist?
Von
Yasmin Nalbantoglu
Ulm
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Reaktionen auf Social Media zur Waffenverbotszone in Ulm

Reaktionen auf Social Media zur Waffenverbotszone in Ulm

Bernd Weißbrod/dpa/Screenshots Instagram

Ab Dienstag gilt es: das Waffen- und Messerverbot in der Ulmer Innenstadt. „Mit diesem Verbot machen wir die Stadt sicherer“, sagte Oberbürgermeister Martin Ansbacher im Interview mit der SÜDWEST PRESSE. Jede weggenommene Waffe würde helfen, die Menschen zu schützen. Das Verbot gilt allerdings nicht rund um die Uhr und nicht überall. Betroffen sind nur die Wochenenden sowie Feiertage. Konkret: zwischen Freitagabend, 20 Uhr bis Samstagmorgen, 6 Uhr, von Samstagabend, 20 Uhr bis Sonntagmorgen, 6 Uhr und an Abenden vor Feiertagen von 20 Uhr bis 6 Uhr am Folgetag.

Die Verbotszone umfasst einen großen Bereich der Innenstadt: Vom Bahnhof die Olgastraße entlang bis zur Frauenstraße. Von der Frauenstraße zur Neuen Straße, die Neue Straße entlang bis zum Bahnhof. Auf dieser Karte ist die Verbotszone rot eingezeichnet.

Kritik für Pfefferspray-Verbot

Die Entscheidung, eine Waffenverbotszone in Ulm einzurichten, wurde auf den Sozialen Medien stark diskutiert. Für das Vorhaben gibt es - so wirkt es auf Instagram und Facebook - kaum ein lobendes Wort. Dafür aber reichlich Kritik. Für viele Menschen scheinen noch einige Fragen offen. Eine Frau kommentiert unter dem Instagram-Beitrag der SÜDWEST PRESSE: „Gute Initiative! Danke! Aber warum nur abends? Warum auch Pfefferspray? Wie können Frauen sich verteidigen?“ Die ab dem 15. Oktober geltende Waffenverbotszone umfasst Messer mit Klingen ab vier Zentimetern, Schusswaffen aller Art, Elektroschocker und ja, auch Pfefferspray. Ein Mann kommentiert: „Ok und jetzt dürfen unsere Frauen nachts kein Pfefferspray mehr mitnehmen? Wem soll das jetzt nutzen?“ Eine weitere Person findet, dass Pfefferspray erlaubt sein sollte, solange Frauen Gefahr laufen, belästigt zu werden. „Wenn Männer aufhören, Frauen zu belästigen, brauchen die auch kein Pfefferspray mehr. Ansonsten ist das fahrlässig, das zu verbieten.“

„Also darf man sich auch nicht mehr wehren?“

Vor allem Pfefferspray wird von vielen Leuten im Netz als Möglichkeit zur Selbstverteidigung gesehen. Eine Person äußert ihren Unmut und schreibt: „Ah ja, verbieten wir Pfefferspray, eine Möglichkeit sich selbst zu beschützen, zur unsichersten Zeit (nachts am Wochenende) an den unangenehmsten Orten (Innenstadt & Bahnhof), super. Zieht man da jetzt wirklich den Kürzeren, selbst wenn es Notwehr war?“

Ähnliches Unverständnis über das Pfefferspray-Verbot äußern User auf Facebook. Auf dem Profil der SÜDWEST PRESSE kommentiert eine Frau: „Ja geil, jetzt fühl' ich mich als Frau noch safer, so ganz ohne Pfefferspray.“ Eine weitere fragt sarkastisch: „Super, Pfefferspray auch verboten. Also darf man sich auch nicht mehr wehren?“

Doch die Tatsache, dass Frauen künftig in den Verbotszeiten kein Pfefferspray mehr mit sich tragen können, um sich zu verteidigen, ist nicht der einzige Punkt, der bei den Leserinnen und Lesern moniert wird. Einige finden die Uhrzeiten für das Verbot nicht ausreichend. „Tagsüber ist das Hantieren mit Waffen dann gestattet? Cool, fühl' mich gleich viel sicherer durch das Waffenverbot.“ Eine weitere Person bezweifelt, ob sich die Täter an Regeln und erlaubte Zeiten halten. „Dann nehmen sie halt Scheren oder andere verletzende Gegenstände.“ Dem stimmt eine weitere Person zu:  "Als wenn sich da ein aggressiver Mensch daran hält - völlig nutzlos!" Ein Mann

Ein User auf Facebook findet, dass eine Waffenverbotszone der falsche Weg für mehr Sicherheit ist. Er fragt: „Seit wann lassen sich Straftaten durch Anweisungen verhindern?“ Er wünscht sich stattdessen mehr Polizeipräsenz, bessere Beleuchtung und Videoüberwachung.

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Hinweis: die Umfrage beinhaltet drei Fragen. Es könnte einen Augenblick dauern, bis die Umfrage zur nächsten Frage wechselt.