Verkehrstote in Ulm
: Sind Fußgänger besonders gefährdet?

Die Reihe tödlicher Verkehrsunfälle mit Fußgängerbeteiligung in Ulm und der Region wirft Fragen auf. Häufen sich die Ereignisse und woran liegt das? Das sagt die Statistik.
Von
Salome Hanselmann
Ulm
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Unfall in der Ulmer Weststadt.

Tödliche Verkehrsunfälle mit Fußgängerbeteiligung scheinen sich zu häufen. Erst kürzlich ist in der Weststadt eine Frau ums Leben gekommen. Die Statistik zeigt mögliche Ursachen.

Karin Mitschang
  • 2024: 4446 Unfälle in Ulm, 64 mit Fußgängern, 60 mit Verletzten, ein Todesfall.
  • Region: 261 Fußgänger-Unfälle 2024; 135 durch Autofahrer verursacht.
  • Häufige Ursachen: Wenden, Rückwärtsfahren, Verhalten am Zebrastreifen; 23 % eigenverschuldet.
  • 2024: 39 tödliche Unfälle in den Landkreisen, 7 Fußgänger starben; meist außerorts.
  • Ausblick: Innenministerium stellt 2025-Bilanz am 13.2. vor; Polizei Ulm ab 19.2. Zahlen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im Oktober 2024 starben in Esslingen eine Mutter und ihre beiden Söhne auf dem Weg zum Fußballtraining. Sie wurden von einem Autofahrer erfasst. Dieser muss sich seit dem 10. Februar vor Gericht verantworten. Am 7. Februar fuhr ein 19-Jähriger in Göppingen eine Frau tot. Auch in Ulm kam es kürzlich zu einem tragischen Vorfall: Eine 67-Jährige wurde von einem Mülllaster überrollt und verlor dabei ihr Leben. Diese Reihe tödlicher Verkehrsunfälle mit Fußgängerinnen und Fußgängern in der Region wirft Fragen auf: Warum häufen sich solche Ereignisse? Welche Faktoren spielen eine Rolle – und wie können sie verhindert werden?

Unfälle mit Fußgängerbeteiligung in Ulm 2024

Fußgänger gelten ähnlich wie Radfahrer als „schwache Verkehrsteilnehmer“ und sind im städtischen Verkehr besonders gefährdet. „Sie haben keine Knautschzone“, schreibt die Unfallforschung der Versicherer (UDV) auf ihrer Webseite.

Laut der Verkehrsstatistik, die das Polizeipräsidium Ulm auf seiner Webseite für das Jahr 2024 veröffentlicht hat, wurden im Stadtkreis Ulm insgesamt 4446 Verkehrsunfälle registriert – davon 64 mit Fußgängerbeteiligung. Bei 60 dieser Unfälle gab es Personenschäden, ein Passant wurde getötet. Damit machten Fußgängerunfälle 1,4 Prozent aller Unfälle aus – eine verhältnismäßig niedrige Zahl. Dennoch zeigt die Statistik: Sind Passanten in Unfälle verwickelt, ist das Verletzungsrisiko hoch. Im Vergleich dazu: 2020 bis 2022 gab es keinen einzigen getöteten Fußgänger, 2023 waren es zwei bei 57 Unfällen.

Das Polizeipräsidium betreut neben der Stadt Ulm auch die fünf Landkreise Alb-Donau-Kreis, Biberach, Göppingen und Heidenheim. 2024 wurden hier insgesamt 261 Unfälle mit Fußgängerbeteiligung verzeichnet. 135 dieser Unfälle wurden durch Autofahrer verursacht – häufig durch Fehler beim Wenden, Rückwärtsfahren oder falsches Verhalten an Zebrastreifen. Etwa 23 Prozent der Verkehrsunfälle mit Fußgängerbeteiligung sind eigenverschuldet, etwa weil man selbst unaufmerksam war.

Unfallbilanz in der Region

In den fünf Landkreisen gab es 2024 insgesamt 39 tödliche Verkehrsunfälle. Das sind sechs weniger als im Vorjahr. Dabei kamen sieben Fußgänger ums Leben, 25 Personen im Auto, neun auf Motorrädern oder Rollern, und eine Person auf einem E-Bike. Die meisten Unfälle (33 von 39) ereigneten sich außerorts, sechs innerorts. Hauptursachen für diese schweren Unfälle sind außerorts zu hohe Geschwindigkeiten sowie innerorts Fehler bei Vorfahrt und Abbiegen.

Insgesamt ist die Zahl der Verkehrsunfälle in den Landkreisen und im Stadtkreis Ulm 2024 leicht gestiegen: Nach 23.390 Unfällen im Jahr 2023 wurden 2024 rund 1 Prozent mehr gezählt – 23.682. Die Hälfte davon waren Kleinstunfälle, die als Ordnungswidrigkeit eingestuft werden und bei denen niemand verletzt wurde.

Prognose für 2025

In der Bilanz für das erste Halbjahr 2025 konnte die Polizei in Baden-Württemberg mit insgesamt 150.957 Verkehrsunfällen einen minimalen Rückgang der Unfallzahl um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr feststellen. 188 Menschen starben dabei, was einen Anstieg von 17,5 Prozent bedeutet. Vor allem steigt die Zahl der verunglückten E-Bikefahrer und auch die Unfallzahlen bei E-Scootern nehmen zu. Konkrete Zahlen, wie viele Fußgänger getötet wurden, liegen noch nicht vor.

Allerdings gab der ADAC im Dezember die Prognose für 2025 ab, dass die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland leicht ansteigen würde. Demnach wäre es absehbar, dass mehr Fußgänger, Radfahrer und E-Scooter-Fahrer bei einem Verkehrsunfall sterben werden. Was Motorrad- und Autofahrer betrifft, bliebe die Zahl ähnlich zu 2024.

Am 13. Februar stellt das Innenministerium Baden-Württemberg bei der Landespressekonferenz die Verkehrsunfallbilanz für das Jahr 2025 vor. Ab dem 19. Februar veröffentlicht das Polizeipräsidium Ulm die Zahlen für Ulm sowie die Landkreise Alb-Donau, Biberach, Göppingen und Heidenheim.

Verkehrssicherheitskampagne „Vorsicht.Rücksicht.Umsicht“

Weil die Zahl der Unfälle mit Passanten von 2021 auf 2022 wieder anstieg, startete das Verkehrsministerium Baden-Württemberg 2022 eine mehrjährige Kampagne, die Tipps für Autofahrende liefert, um die Sicherheit im Fußverkehr zu erhöhen. Dazu zählen: immer mit Kindern rechnen, langsam fahren, umsichtig sein beim Abbiegen und an Fußgängerüberwegen, sowie nur auf erlaubten Flächen parken. Auch zu Fuß Gehende können sich schützen, etwa durch vollen Fokus auf den Straßenverkehr, das Tragen heller Kleidung oder indem sie vermeiden, zwischen parkenden Autos hervorzutreten.