In fast jedem namibischen Krankenhaus steht ein Bett aus Ulm. Prof. Heinz Maier lacht, wenn er das so formuliert, aber es ist keine Pointe. Tatsächlich hat der Ulmer Verein Support, dessen Vorsitzender Maier ist, in den vergangenen Jahren mehr als 900 elektrische Klinikbetten in das südwestafrikanische Land gebracht. Und das ist nur ein kleiner Teil der Hilfen, die aus Ulm direkt dorthin gekommen sind.
1980 hat Maier erstmals Namibia bereist, jetzt Oktober war er zum sechsten Mal dort, um sich über die dort laufenden Projekte zu informieren, um mit Entscheidungsträgern zu reden, um in Ministerien, Goethe-Institut und der Botschaft Gespräche zu führen. Schließlich gehe es „um schnelles, vernetztes und möglichst unbürokratisches Handeln“.
Support hat schon Projekte unterstützt in Rumänien, Moldawien, Afghanistan, Jordanien. Aber Afrika ist dem Verein besonders wichtig: Er hilft in Eritrea, Kenia, Südafrika – und eben vielerorts in Namibia, ein „Hauptprojekt“, wie Maier betont. Dort zeige sich, wie die Arbeit des Vereins im Zusammenspiel mit den nationalen Ministerien, Behörden und Ämtern nachhaltig Früchte tragen kann.
Der Ulmer Verein Support unterstützt viele Projekte in Namibia. "Und alles kommt vor Ort an", betont der Vorsitzende Prof. Heinz Maier.
Der Ulmer Verein Support unterstützt viele Projekte in Namibia. „Und alles kommt vor Ort an“, betont der Vorsitzende Prof. Heinz Maier.
© Foto: Privat
Zwei Krankenhäuser hat Support in Namibia bereits aufgebaut. Manchmal werde in Deutschland eine Klinik geschlossen und gerade mal fünf Jahre alte Betten sollen entsorgt werden – dabei können sie in anderen Ländern noch gute Dienste leisten, wie Maier erläutert. Also wird der Transport organisiert. Bei der Logistik ist Schwenk Zement der entscheidende Unterstützer, zumal das Ulmer Unternehmen in Namibia mit Ohorongo Cement eine Tochterfirma hat. Auch 1600 Rollstühle sind schon dorthin verschifft worden.
Support unterstützt den Aufbau von Infrastruktur vor Ort, aber auch Bildungsprojekte sind wichtig. Als während der Corona-Pandemie Mädchen und Jungen eine abgelegene Schule nicht mehr besuchen konnten, wurden dort in drei Monaten Übernachtungs- und Sanitärräume für 60 Kinder gebaut. Stolz ist Maier auch auf eine Gesundheitsfibel für die indigene Bevölkerung, anschaulich illustriert. Einen Austausch von Krankenschwestern will er ebenso in die Wege leiten.

Östrogen-Chips für 2000 Mädchen

Ein entscheidendes Thema für die Zukunft des Landes ist Bevölkerungskontrolle. Um Teenagerschwangerschaften im Norden Namibias einzudämmen, werden kommendes Jahr 2000 Mädchen mit Östrogen-Chips versorgt – natürlich freiwillig und mit Aufklärung, sagt Maier. Den anfallenden 20 000 Euro stehe ein riesiger Nutzen gegenüber.
Support finanziert sich nur über Spenden, in diesem Jahr werden es 300 000 bis 400 000 Euro sein, inklusive Sachmittel. „Und alles kommt vor Ort an“, das ist Maier besonders wichtig.
Hans-Peter Dahlmann war im Oktober erstmals in Namibia: als Mitglied von Support, aber auch als Geschäftsführer des Sanitätshauses Häussler. Denn in Namibia gibt es keine flächendeckende Hilfsmittelversorgung mit Orthesen und Prothesen für Menschen mit Amputationen, Dahlmann würde gern eine Infrastruktur dazu aufbauen: „Hilfe zur Selbsthilfe“ will er leisten, dazu gehöre auch, Möglichkeiten zur Ausbildung aufzubauen. Von der Reise sei er „sehr beeindruckt“ heimgekehrt.
Auch während der Corona-Pandemie war Support in Namibia intensiv tätig: Betten, Beatmungsgeräte und rund eine Million Atemschutzmasken wurden in Containern dorthin gebracht. Wobei die enorm gestiegenen Frachtkosten ein Problem sind – aber auch davon lässt sich der Verein nicht zurückhalten. Als Nächstes werden 7000 Tuben Sonnencreme verschifft: Sie gehen an eine Sehbehindertenschule für von Albinismus Betroffene, die extrem hautkrebsgefährdet sind.
Die Dankbarkeit und Freude der Menschen sei überwältigend, sagt Maier. Und was der Verein dank seines ehrenamtlichen Engagements auch erreicht hat: „Support ist mittlerweile eine Marke in Namibia.“