Der in Verdacht geratene Verein Uniter hat auch Wurzeln in Ulm und Neu-Ulm. Einer von drei Vorstandsmitgliedern war bis vor kurzem in Neu-Ulm aktiv, wo sich seit dem vergangenen Herbst offenbar ein reger Kreis an Aktivisten gebildet hat. Wie berichtet, war der Verein in die Öffentlichkeit geraten, weil der Vorsitzende ein Mitarbeiter des baden-württembergischen Verfassungsschutzes war.
Der Fall ist so brisant, dass er am Donnerstag Thema im parlamentarischen Kontrollgremium des Landtags ist. Der Verdacht, Uniter habe rechtsextreme und paramilitärische Tendenzen, werde durch einzelne Mitglieder und auch durch sein Programm geweckt, heißt es. Offenbar hat der Neu-Ulmer, der zwischenzeitlich nach Leipzig verzogen ist, wo er als Immobilienmakler arbeitet, bei verschiedenen Treffen in Ulm neue Mitglieder geworben. Das letzte dieser Treffen soll erst am 7. März mitten in der Ulmer Innenstadt stattgefunden haben. Die erste Zusammenkunft des Vereins, der jede Nähe zu rechtsextremistischen Taten von sich weist, hatte Anfang September in einem Traditionslokal im Ulmer Fischerviertel getroffen.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bundeswehrsoldaten

Neben dem Neu-Ulmer und dem inzwischen aus dem Amt entfernten und versetzten Verfassungsschützer gehörte bis vor wenigen Tagen noch der Bundeswehrsoldat André S. zum Vorstandstrio. Der Hauptfeldwebel war Mitglied der Bundeswehr-Eliteeinheit KSK, die ihren Sitz in Calw hat. Er tauchte in Chatgruppen des Netzwerks  unter dem Decknamen „Hannibal“ auf. Dieser „Hannibal“ gilt als zentrale Stelle für die Organisation dieser Chatgruppen.
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen ihn, weil bei einer Durchsuchung seiner Wohnung Teile einer Bundeswehr-Übungshandgranate gefunden wurden. Er war Informant des Militärischen Abschirmdienstes (MAD), und wurde nach den bisherigen Erkenntnissen von einem Oberstleutnant des MAD vor der Durchsuchung gewarnt, die das Bundeskriminalamt (BKA) bei ihm geplant hatte.
Der Oberstleutnant wusste davon, weil er gleichzeitig Kontaktmann des MAD zum BKA war. Er muss sich wegen dieses angeblichen „Freundschaftsdienstes“ noch im März  vor dem Amtsgericht Köln verantworten.   „Hannibal“ wurde zwischenzeitlich vom Kommando Spezialkräfte wegversetzt, ist aber noch Mitglied der Truppe.
Nachdem das Innenministerium baden-Württembergs zwischenzeitlich bestätigte, dass der frühere Verfassungsschützer und Vorsitzende von Uniter versetzt ist, wird auch davon berichtet, dass seine Arbeit im Amt nichts mit der Vereinsarbeit zu tun hatte, diese vielmehr sein Privatinteresse gewesen sei. Bei einer Überprüfung habe man keine Hinweise auf eine extremistische Gesinnung des Mitarbeiters entdecken können.

Ausbildung im Bodenkampf

Beim Verein Uniter sind ehemalige und aktive Bundeswehrsoldaten und Polizisten aktiv. Der Verein wolle informieren und sich dafür einsetzen, dass Soldaten und Polizisten bei ihrem Ausscheiden einen neuen Start in der Gesellschaft finden, heißt es auf den Internetseiten von Uniter.
Aber im Januar wurde auch ein Bodenkampf-Seminar angeboten. Und es wurde für ein RAC geworben, ein „Reliability Assessment Center“, das Kandidaten auf ihre Zuverlässigkeit hin testen soll. Zu den Ausbildern gehören ehemalige Kommandosoldaten. Und auf einem Foto für die Anmeldung sieht man eine Marschgruppe mit schwerem Gepäck und zusätzlich einem ein Meter langen Baumstamm auf dem Rücken.

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Uniter widerspricht Darstellungen

Pressemitteilung In einer Stellungnahme an die Öffentlichkeit widerspricht Uniter Darstellungen, wonach der in Dormagen registrierte Verein Teil eines rechtsextremen Netzwerks sein soll. Speziell widerspricht Uniter einem Bericht in der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“, dass Uniter über den auch in diesem Artikel benannten „Hannibal“ Kontakt zum Attentäter von Christchurch in Neuseeland gehabt habe.