Stadt verbietet Posertreffen
: Tuningszene will Ulm „übernehmen“ – Polizei ist vorbereitet

Die Tuning- und Poserszene hat sich am ersten Juli-Wochenende in Ulm verabredet. Der Stadt und der Polizei gefällt das gar nicht. Wie sie gemeinsam gegen die Autonarren vorgehen wollen.
Von
Kerstin Auernhammer,
Christian Wille
Ulm
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Die Polizei hält den Druck hoch: Am Freitag wurde die Tuning- und Poserszene in Ulm und Neu-Ulm kontrolliert.

19.04.2019, Nordrhein-Westfalen, Bochum: Eine Polizistin kontrolliert die Reifen bei einem getunten Auto. Es ist der traditionelle Saisonstart für die Auto-Tuner. Am "Car-Freitag" treffen sich Fahrer aus ganz Nordrhein-Westfalen, um ihre Autos zu präsentieren. Foto: Caroline Seidel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Autoposer haben angekündigt, am 5. Juli Ulm zu „übernehmen“. Stadt Ulm Polizei reagieren mit einem Verbot und schärferen Kontrollen. Doch am Morgen ist „noch alles ruhig“.

Caroline Seidel/dpa
  • Stadt Ulm und Polizei verbieten Tuning- und Posertreffen vom 4. bis 7. Juli 2025 im gesamten Stadtgebiet.
  • Allgemeinverfügung untersagt Ansammlungen von mehr als 5 Fahrzeugen der Tuning- und Poserszene.
  • Verstöße kosten 500 € Zwangsgeld, Autos können abgeschleppt und beschlagnahmt werden (Kosten: 350 €+).
  • Hintergrund: Aufruf in sozialen Netzwerken, tödliche Unfälle und zahlreiche Beschwerden über Lärm.
  • Eigene Polizeieinheit in Ulm überwacht Poser- und Raseraktivitäten intensiv.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Sie knattern und röhren, drücken absichtlich aufs Gas, einige liefern sich sogar Rennen durch belebte Straßen. Außerhalb ihrer eigenen Bubble haben die Besitzer von aufgemotzten Autos wenig Fans. Wobei, das sei gleich angemerkt: Einigen geht es wirklich nur um Technik und Ästhetik und sie halten sich auch an Verkehrs- und Benimmregeln.

Doch anderen geht es ums Adrenalin, um Aufmerksamkeit. Und genau das erhoffen sie sich offenbar von einem Treffen in Ulm. Mal wieder. Die Stadt und die Polizei haben nun Wind davon bekommen, dass sich die Poser- und Tuningszene am ersten Juli-Wochenende verabredet hat. Und die beiden Behörden kündigen an, rigoros dagegen vorzugehen. In einem Instagram-Reel kündigt ein User das Treffen unter dem Motto „Project X Takeover 05.07.2025“ an.

Die Tuner deuten damit an, die Stadt zu übernehmen. Der martialisch wirkenden Clip ist mit französischem Rap unterlegt, viele der gezeigten Personen sind maskiert, Kennzeichen der hochmotorisierten Fahrzeuge sind nicht zu erkennen. Gezeigt werden Fahrmanöver wie gewagte Überholmanöver und Drifts. Die Teilnehmer verabreden sich über die Social-Media-Kanäle Discord und Telegram.

In einem weiteren Reel zeigen die Organisatoren sogar auf einer Karte, wo es hingehen soll: Auf einer Karte wird Ulm markiert. „Are you ready, (bist du bereit)?“, fragen sie. Und weiter auf Englisch „Dann komm nach Ulm - vier andere Städte kommen auch!“ 2000 bis 3000 Autos erwarten die Organisatoren demnach. Beide Reels haben um die 300 Likes. Ein weiterer Beitrag hat rund 800 Likes.

Ulm erlässt verschärfte Regeln wegen Posern

Dass die Ulmer Behörden diese Ankündigung ernst nehmen, zeigt ihre Reaktion. Seit Freitagfrüh (04.07.2025, 6 Uhr) bis Montagfrüh gilt eine Allgemeinverfügung der Stadt Ulm, die solche Treffen verbietet. Und zwar im gesamten Stadtgebiet, in allen Stadtteilen, auf öffentlichen und privaten Grundstücken. Die Stadt und die Polizei kündigten an, das Verbot intensiv zu kontrollieren. Als Treffen gilt jede Ansammlung von mehr als fünf Fahrzeugen, die diesen Gruppen zugeordnet werden können. Zur Autotuning-Szene zählen Fahrzeuge, die gegenüber der Serienproduktion technisch verändert wurden, etwa an Karosserie, Fahrwerk, Motorleistung, Auspuff oder Bereifung. Zur Autoposer-Szene gehören demnach „Fahrerinnen und Fahrer, die ihre Fahrzeuge zur Selbstdarstellung in verkehrswidriger Weise führen“.

„Bei Verstößen werden Zwangsgelder in Höhe von 500 Euro verhängt“, heißt es in einer Pressemitteilung. Wer sich nicht daran hält, droht sein „Spielzeug“ zu verlieren – die Stadt kann die Fahrzeuge abschleppen und beschlagnahmen lassen. Die Fahrer könnten sie dann frühestens am Montag wieder bekommen – wenn es keine technischen Beanstandungen gibt. Das Abschleppen kostet nochmal 350 Euro, außerdem müssen die Besitzer für die Verwahrung aufkommen.

Das das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Autoposern und Behörden oft grenzüberschreitend stattfindet, ist auch die Neu-Ulmer Polizei informiert. „Die Kollegen arbeiten in solchen Fällen gut zusammen“, sagt Christian Lindstedt, Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Die Neu-Ulmer Polizei „hat ein offenes Auge, ist vorbereitet und wird entsprechend reagieren“.

Samstagfrüh ist noch alles ruhig in Ulm

Am Morgen des 5. Juli haben wir um 9.50 Uhr nochmal bei der Ulmer Polizei konkret nach der aktuellen Lage in Bezug auf das angekündigte Treffen der Poser nachgefragt: „Noch ist alles ruhig“, verkündet der diensthabende Pressesprecher. Doch das heißt nicht, dass sich die Polizeibeamten zurücklehnen.

Tödliche Unfälle und Beschwerden

Dass in der Szene nicht nur harmlose Schrauber, sondern auch gefährliche Raser dabei sind, zeigt der verheerende Unfall Ende April zwischen Ulm und Thalfingen. Ein 21-Jähriger, der laut Behörden der Tuning- und Poserszene zuzurechnen ist, war dort mit 130 km/h in den Gegenverkehr gekracht. Der junge Mann war zuvor sogar mit 213 km/h unterwegs und hatte unmittelbar vor dem Aufprall stark gebremst – eigentlich darf auf der kurzen Geraden nur 70 gefahren werden. Er selbst kam ums Leben, ebenso ein 81-Jähriger und eine 77 Jahre alte Frau. Ein 87-Jähriger starb später im Krankenhaus.

Erst Mitte Juni hatte die Polizei in Ulm-Lehr einen jungen Autofahrer beim Driften erwischt. Als sie ihn kontrollieren wollten, gab er mit seinem BMW Gas und raste innerorts mit 100 km/h bei ausgeschaltetem Licht davon. Immer wieder gibt es auch Beschwerden von anderen Verkehrsteilnehmern oder Anwohnern, die sich über den Lärm aufregen. In Ulm gibt es deshalb eine eigene Polizeitruppe, die für Poser und Raser zuständig ist.