Tradition und Moderne vereint: Diese junge Familie wohnt in einer alten Mühle – und hat mit dem Areal viel vor

Katrin und Achim Walter haben in der Neumühle in Rottenacker eine Wohnung geschaffen, die Tradition und Moderne vereint.
Amrei Oellermann- Familie Walter saniert die Neumühle von 1850 in Rottenacker und kombiniert Tradition und Moderne.
- Eigenes Wasserkraftwerk deckt Strombedarf; Luft-Wärmepumpe sorgt für effiziente Wärme.
- Eventlocation mit Platz für 120–140 Personen geplant; Hochzeiten und Feste ab 2025 möglich.
- Italienische Themenwoche im August mit Hoffest, Workshops und Wein-Tasting.
- Langfristige Pläne: Pensionszimmer, Mühlrad-Rekonstruktion und Ausbau des Geländes.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ heißt es in einem Kinderlied aus der Romantik. Bei Katrin (34) und Achim Walter (35) und ihrer vierjährigen Tochter sind die Mühle und der rauschende Bach seit wenigen Wochen wunderbarer Alltag – einzig das klappernde Mühlrad ist eine leise surrende Turbine. Die Familie hat vor rund zweieinhalb Jahren die Neumühle am Rande ihrer Heimatgemeinde Rottenacker gekauft und seit Februar 2024 liebevoll in viel Eigenleistung, aber auch mit der Hilfe von Profis saniert. Seit sechs Wochen wohnen die Walters auf dem Mühlengelände.
Über dem Mühlenladen haben sie knapp 200 Quadratmeter Wohnfläche geschaffen. Unter erschwerten Bedingungen, wie Achim Walter berichtet: „Es gab keinerlei Pläne von hier“, sagt er. Dafür sei das Haus, dessen Grundmauern auf das Jahr 1850 datieren, eine wahre Wundertüte gewesen: „Es gibt keinen Raum, der seit dem Bau nicht umgebaut wurde.“ Aus dem früheren Stall sei zunächst Wohnraum, dann ein Lager geworden, Fenster wurden zugemauert und verputzt, wo einst Türen waren, entstanden Tore. „Während des gesamten Rückbaus haben wir die Spuren vergangener Generationen gefunden, die die Mühle nach ihren Bedürfnissen angepasst haben“, erzählt Katrin Walter.
Moderne Dämmung trifft auf alte Wände
Denkmalgeschützt ist die Neumühle nicht. Dennoch haben sich die Walters ganz bewusst dazu entschieden, manche dieser Spuren aus der Vergangenheit sichtbar zu erhalten: Die Originalwände von einst – Naturstein in einem Sand-Lehm-Gemisch beziehungsweise rote Ziegel – schmücken heute den Treppenaufgang und das Wohnzimmer. Auch ansonsten prägen Naturmaterialien die Räume: Auf uralte Balken, die die Spuren vieler Jahrzehnte tragen, trifft helles, frisches Holz. Über allem liegt ein rustikaler Charme. „Erbaut 1850 – renoviert 2025“ ist in einen Balken im Wohnzimmer gebrannt. Im Badezimmer runden Armaturen in historischer Optik das Bild ab. „Hier piekfein und modern zu leben, würde nicht passen“, findet Achim Walter. Nicht zur Neumühle, aber „auch nicht zu uns“.

Lichtdurchflutet, von Holz geprägt: Im Wohnzimmer der Familie Walter treffen eine historische Ziegelwand und uralte Balken auf hellen, modernen Parkett.
Amrei OellermannEin bisschen Moderne darf freilich doch sein: Ein großes Panoramafenster eröffnet vom kombinierten Küchen- und Essbereich den Blick aufs Wasser und die Tierwelt, die sich hier wohlfühlt. Schwäne und Fischreiher, aber auch Eisvögel sind hier regelmäßig zu erblicken. „Wir leben mitten in der Natur“, sagt Katrin Walter.

Das Panoramafenster im Essbereich gab es ursprünglich nicht. Da das Gebäude nicht denkmalgeschützt ist, konnte Katrin und Achim Walter den großzügigen Blick in die Natur ermöglichen.
Amrei OellermannDer gesamte Wohnbereich ist mit Mineralwolle in den Wänden und Holzweichfaser im Boden gedämmt. Für wohlige Wärme sorgt eine Luft-Wärmepumpe, die mit Strom aus eigener Wasserkraft betrieben wird: Die Turbine im Mühlenkanal liefert rund 120.000 bis 140.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Sie läuft seit 1958 rund um die Uhr – bis auf wenige Wochen im Jahr, wenn Niedrig- oder Hochwasser herrscht.
Die Energie, die die Turbine erzeugt, wird einerseits selbst genutzt, andererseits ins Netz eingespeist. Ihre Abwärme macht die Luft-Wärmepumpe, die im selben Raum installiert ist, besonders effizient: „Wir erreichen fast den Faktor vier“, sagt Achim Walter. Heißt: Für jede Kilowattstunde Strom, die in den Betrieb der Wärmepumpe fließt, bekommt die Familie fast vier Kilowattstunden Wärme zurück.
Die Mühle soll eine Eventlocation werden
Die Neumühle soll für die Walters perspektivisch mehr sein als nur ein Lebensraum. Seit der Übernahme betreiben die gelernte Kauffrau für Marketingkommunikation und der Sozialarbeiter beim Landratsamt Alb-Donau-Kreis zusammen mit einer 80-Prozent-Kraft und einem Müllermeister den bisherigen Mühlenladen weiter. Die alte Mühle als solche ist seit rund drei Jahrzehnten stillgelegt. Katrin und Achim Walter wollen sie in ihrem aktuellen Zustand erhalten, zeigen sie auf Anfrage gerne Gruppen und Schulklassen. „Wenn sich jemand fände, der sich mit Transmission und Lederriemen auskennt, könnte man sie sicher als Liebhaberprojekt wieder in Betrieb nehmen“, glaubt Achim Walter.

Die alte Mühlentechnik ist nach wie vor vorhanden. Jemand, der sich damit auskennt, könnte die Mühle als Liebhaberprojekt durchaus wieder in Betrieb nehmen, glaubt Achim Walter.
Neumühle RottenackerEr selbst verfolgt andere Pläne: In Zukunft soll das Areal eine Eventlocation werden. Im ehemaligen Lager der Mühle wollen die Walters Platz für 120 bis 140 Personen schaffen, die Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen und andere Familienfeste in besonderem Ambiente feiern wollen. Ein Plan, der kein Sprung ins ganz kalte Wasser ist, wie Achim Walter betont: „Nebenberuflich sind wir beide seit fast 12 Jahren in genau diesem Bereich tätig.“ Nicht als Gastgeber, sondern als Dienstleister – mit seiner „Soundfabrik“ stellt das Paar sowohl DJs als auch einen zur Bar umgebauten Wohnwagen –, aber „das Netzwerk ist da“. Schon heute nutzten befreundete Hochzeitsfotografen die Mühle als Foto-Location.
Noch sind die Pläne für die Eventlocation Neumühle im Werden. „Die Anfragen sind da, aber wir können noch keine Verträge schließen“, sagt Katrin Walter. Bevor im Lager gefeiert werden kann, sind viele Formalitäten zu erfüllen – von der Genehmigung der Nutzungsänderung über Brandschutzpläne bis hin zu einem Hochwasserschutzkonzept. Sie seien aber dran und es sehe gut aus, betont ihr Mann: „Mündlich bekommen wir von allen Behörden Rückenwind.“ Spätestens im kommenden Jahr will das Paar mit dem neuen Angebot durchstarten. Gefeiert wird am rauschenden Bach aber auch schon jetzt: Jüngst veranstaltete der Musikverein Rottenacker im Hof der Mühle eine Sommerserenade.

Lauer Sommerabend mit Musik: Die Serenade des Musikvereins Rottenacker im Mühlenhof war Mitte Juli ein voller Erfolg.
Herbert GeigerViele Ideen und Pläne im Kopf
Wenn die Eventlocation läuft, soll das Ende der Fahnenstange nicht erreicht sein. „Wir träumen viel“, sagt Katrin Walter. Irgendwann, so der Plan, könnten in der Neumühle Pensionszimmer entstehen. „Unser Projekt wird wachsen“, sagt ihr Mann. Mit den fast 10.000 Quadratmetern zwischen Stehebach und Mühlkanal verfüge das Grundstück über fast unendliches Potenzial. Bereits heute gibt es eine Badestelle und einen Bootsanleger.
Bald könnte die Neumühle auch wieder ein echtes Mühlrad haben. „Im Kurzurlaub in Bad Hindelang haben wir eines entdeckt“, verrät Achim Walter. Mit dem Besitzer sei man sich bereits weitgehend handelseinig geworden. Nun müsse man nur noch sehen, wie das Rad nach Rottenacker kommt. Walter ist überzeugt, dass er mit seiner Frau auch diese Herausforderung meistern wird: „Im Logo unserer Neumühle ist das Mühlrad bereits zu sehen“, sagt er und schmunzelt.
Italienische Woche und Mühlenfest
Vom 2 bis 8. August steht die Neumühle ganz im Zeichen italienischer Lebensfreude: Unter dem Motto „La Dolce Vita“ veranstalten Katrin und Achim Walter eine Themenwoche, die am Samstag, 9. August, in ein Hoffest mündet. Bis dahin gibt es im Laden typisch italienische Spezialitäten wie Pasta, Öle, Süßwaren, Limoncello und mehr.
Auch Workshops und Verkostungen gehören zum Programm. Am Mittwoch, 6. August, dreht sich von 17.30 Uhr an alles um italienische Gewürze. Teilnehmer stellen dabei eigene Mischungen zum Mitnehmen zusammen. Gebühr: 15 Euro. Am Donnerstag, 7. August, können von 15 bis 17 Uhr kostenlos verschiedene Gerichte aus dem Thermomix probiert werden, am Freitag, 8. August, beginnt um 18.30 Uhr ein Wein-Tasting von sechs italienischen Weinen (45 Euro). Für Gewürz-Workshop und Weintasting ist eine Anmeldung unter (07393) 2972 oder per E-Mail an info@neumuehle-rottenacker.de erforderlich.
Das Hoffest am Samstag beginnt um 17 Uhr. Es gibt italienische Speisen sowie eine Wein- und eine Aperolbar. Für die musikalische Umrahmung sorgen Luca Scuro aus Ulm und der kalabrische Pop-Tenor Domenico Straface, der durch TV-Formate wie „Das Supertalent“ und „The Voice of Germany“ bekannt ist.

