Super oder Schnapsidee?
: Heftige Debatte um Münchner Straße – auch zwischen Auto- und Radfahrern

Die Münchner Straße zwischen Gänstorbrücke und Willy-Brandt-Platz ist nach der Baustelle wieder befahrbar – allerdings für Autos einspurig. Auf der Facebookseite der Stadt Ulm wird heftig diskutiert.
Von
Laura Mensch
Ulm
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Münchner Straße

Die Verkehrsführung der Münchner Straße ist neu gestaltet. Das gefällt nicht allen.

Stadt Ulm

Nachdem die Münchner Straße wegen einer großen Baustelle einige Wochen nur von einer Seite aus befahrbar war, wird die Straße mit neuer Verkehrsführung am Donnerstag, 18. Juli, offiziell eröffnet. Befahrbar ist die Straße aber schon seit Montag. Was auf den bereits veröffentlichten Bildern sofort auffällt: Die Münchner Straße hat jetzt Spuren für Radfahrer. Einigen Autofahrern sticht da aber noch was ganz andere ins Auge: Die Straße verläuft in beide Richtungen einspurig. Wer dort häufig mit dem Auto entlang fährt, weiß, dass in der Münchner Straße schon mit zwei Spuren oftmals die Hölle los war – vor allem im Berufsverkehr standen die Menschen in der Region teils täglich im Stau. Kein Wunder also, dass unter dem Post zur Eröffnung auf der Facebookseite der Stadt Ulm eine Debatte entbrannt ist. Was sagen Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer zur neuen Verkehrsführung?

Münchner Straße: Von „super!“ bis „Schnapsidee!“

Unter den Kommentaren ist eine Radfahrerin gleich begeistert von den neuen Spuren für Fahrräder. Sie findet es gut, dass mehr Platz für Fahrräder ist und hofft auf sicherer Straßen. Sie schreibt:

Sehr gut! Mehr Platz für Radfahrerinnen und Radfahrer und damit auch mehr Sicherheit für Kinder und ältere Menschen. Diese trauen sich meistens nicht in einer Spur mit Autos und LKWs zu fahren. Gleichzeitig werden Maßnahmen zum Umbau Ulms zur Schwammstadt ergriffen und Flächen entsiegelt und begrünt. Hiermit schafft man mehr Lebensqualität und Platz für Sickerwasser sowie für Bienen, Insekten und Co.!

Ein anderer Nutzer gießt aber direkt unter ihrem Kommentar Wasser in den Wein – ihm sind die Fahrradspuren viel zu unsicher:

Also hier würde ich mit meinen Kindern niemals fahren wollen. Diese aufgemalten Fahrradspuren vermitteln viel mehr eine „Scheinsicherheit“, wo keine ist. Ich hätte lieber „gescheite“ Fahrradwege geplant, als diese.

Münchner Straße Reaktionen

Gemischte Reaktionen auf die Eröffnung der Münchner Straße.

Stadt Ulm/Sceenshot Facebook

Eine Nutzerin vergibt für die Planung der neuen Münchner Straße vier von fünf Sternen und begründet ihre Entscheidung:

Sieht super aus. Ich würde mir wünschen, andere Städte würden es gleich tun. Mich hat nur verwundert, dass die Verkehrssicherung am Willy Brandt Platz zurückgebaut wird. Das geht mit dem Bild nicht überein, oder? Ulm macht weiter so, ihr seid auf dem richtigen Weg, wenn das Bild für „Zukunft“ steht. Nur! Die Trennung Radweg/Straße müsste konsequenter gemacht werden! Das sind aber Perfektionsgedanken, für die vielleicht später die Zeit ist. 4 von 5 Sternen.

Überwiegend negative Resonanz auf Verkehrsführung

Neben einer Handvoll positiver Kommentare überwiegt unter dem Facebook-Post aber doch die negative Resonanz. Der Tenor: Die einspurige Straße ist keine Lösung, es herrscht einfach zu viel Verkehr. Einige Radfahrer und Radfahrerinnen beklagen außerdem trotz Radspuren die fehlende Sicherheit oder sind sogar davon überzeugt, dass Autofahrer und -fahrerinnen wegen der Markierungen noch weniger Abstand halten werden.

Von 2 auf einspurig, wer kam denn auf diese Schnapsidee? Man hat doch gesehen wie es sich staut, wenn alles nur einspurig ist, das wird dann nie mehr besser werden.

Das ändert nichts daran, dass die „Lösung“ gefährlicher Unsinn ist. Ein Unfallschwerpunkt wird gemacht.

Das beschwört förmlich schwere Unfälle.

In dieser Straße herrschte jeden Freitag Chaos. Diesmal dürfte das jeden Tag passieren. Hoffen wir mal, dass kein Unfall um Ulm passiert, das wird die Stadt komplett lahmlegen. Aber anscheinend ist das so gewünscht bzw. sehr gut durchdacht.

Wer hat sich den Schwachsinn ausgedacht? Der Rückstau von Neu-Ulm her war ja bisher noch nicht lang genug, ging ja abends oftmals nur bis zum Willy-Brandt-Platz. Jetzt anstatt 2 Fahrspuren nur eine, dafür 3 m breite Trottoirs, auf denen niemand läuft, Radspuren, die nicht benutzt werden und vielleicht noch einen Multifunktionsstreifen, dessen Funktion niemand kennt. (Siehe Frauenstraße Ulm). Die Stadt, die man am liebsten nur im Rückspiegel sieht. Man könnte meinen, die Planer wollen Ulm mit aller Gewalt unattraktiv für jeden aus dem Umland machen. Amazon freuts!

Der erste LKW, der vom Maritim kommend links abbiegt, wird auch Radfahrer mitnehmen. Er blockiert zudem den nachfolgenden Verkehr, da hier die volle Breite der Linksabbiegerspur fehlt. Wer denkt sich sowas aus?

Diskussion zwischen Radfahrern und Autofahrern

Bei Verkehrsthemen ist es meist unvermeidlich: Die Diskussion zwischen Menschen, die viel Rad fahren und Menschen, die oft das Auto nutzen. Es bilden sich oft zwei Lager, die sich gegenseitig die Argumente an den Kopf werfen. So auch zum Thema Münchner Straße:

Einfach nur katastrophal. Mit den ganzen einspurigen Straßen in Ulm. Sollen wir aufs Auto ganz verzichten? Davon lebt Deutschland, aber nur so zur Info.

Fahrradfahrer haben in Relation mehr Platz … Bin für Fahrradfahrer-Steuer, die nutzen die Straßen doch auch. Sollte regelmäßig kontrolliert werden.

Eine so stark befahrene Straße zugunsten der Radfahrer einspurig zu bauen. Da gehört schon was dazu. Rot/Grün Verblendung.