Straffällige Jugendliche: Blausteiner Enes Kursun über seinen Weg aus der Kriminalität

Autor und Podcaster Enes Kursun möchte an Schulen mit Jugendlichen über Kriminalität sprechen.
Enes Kursu- Enes Kursun rutschte mit 17 in Kriminalität, stand vor Gericht, blieb straffrei.
- Sein Roman „Seitenstreifen“ erschien Ende Dezember; Thema: Jugend, Drogen, Gewalt.
- Er schrieb zwei Bücher; die Biografie „Kugelsicher“ erscheint im Mai 2025.
- Kursun plant Präventionsarbeit an Schulen und einen Präventions-Podcast.
- Therapie in der Pandemie, PTBS-Diagnose; Bruch mit kriminellem Umfeld, Neubeginn.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Auf dem gefrorenen Asphalt liegen drei Päckchen, komplett umzogen von Klebeband. Daneben eine schwarze Tasche, die mit einem weiteren Paket gefüllt ist. Der silberne VW Golf ist menschenleer, alle Türen samt Kofferraum stehen offen, in kurzen Abständen erhellt die Warnblinkanlage die Szenerie. Dann schwenkt die Kamera nach links, auf den von Neonröhren beleuchteten Eingang eines trostlosen Hochhauses. Dunkel, kalt, gefährlich – so wirkt dieses Video, und so beschreibt der Blausteiner Autor Enes Kursun seine Vergangenheit.
Der kurze Clip auf Kursuns Instagram-Account bewirbt sein zweites Buch, einen Roman mit dem Titel „Seitenstreifen“. Ende Dezember erschien das Werk, Kursun erzählt darin die Geschichte des jungen Cem. Die Familie des Jugendlichen hat Geldprobleme, Cem will sie finanziell unterstützen. Er hängt mit den falschen Leuten ab, rutscht „schleichend in die Kriminalität“, wie der Blausteiner es ausdrückt – Cem gerät in einen Strudel aus Drogen und Gewalt. Das Buch soll als Abschreckung dienen, so Kursun: „Die Rechnung für das schnelle Geld zahlt man am Ende.“
„Das war nur Glück, kein Können“
Inspiration für den Roman zog der 27-Jährige Kursun aus seiner eigenen Vita. 1998 wurde er in Ulm geboren, sein Vater stammt aus der Türkei. Seine Mutter hat ebenfalls türkische Wurzeln, wurde aber in Deutschland geboren, da ihre Eltern als Gastarbeiter in die Bundesrepublik eingewandert sind. Als Kursun zwölf Jahre alt war, zog die Familie nach Blaustein. An der neuen Schule findet sich der Jugendliche nicht zurecht, regelmäßig habe er den Unterricht geschwänzt. Kursun lernt neue Weggefährten kennen, „falsche Freunde“, wie er im Nachhinein meint.
„Ich habe angefangen, Scheiße zu bauen“, gesteht der Blausteiner. Das erste Mal gewalttätig wird Kursun dann mit 17 Jahren auf einer Party. Er überfällt einen Drogendealer, für den Jugendlichen der erste Schritt in die Kriminalität. Gemeinsam mit seinen Freunden begeht er weitere Straftaten, landet vor Gericht. Mehrere strafrechtliche Verfahren gegen ihn werden eingestellt, Kursun kommt ohne gerichtliche Strafe davon. „Das war nur Glück, kein Können“, zeigt sich Kursun heute dankbar. Dennoch sei es für ihn ein Weckruf gewesen, dass seine Handlungen reale Folgen für ihn und seine Familie haben.
Präventionsarbeit und Podcast
Die Beziehung zu seinen Eltern und Geschwistern habe in diesen Jahren gelitten, wirft sich Kursun heute noch vor: „Ich habe meiner Familie geschadet, hatte keine Verbindung mehr zu ihnen.“ So möchte er nicht weiterleben. Während der Corona-Pandemie absolvierte er eine Therapie. Bei ihm wird eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. „Ich habe mich selbst nicht mehr erkannt“, erklärt der 27-Jährige. Von seinem kriminellen Freundeskreis sagt er sich los, zieht in den Blausteiner Stadtteil Herrlingen. Um seine Erlebnisse zu verarbeiten, beginnt er zu schreiben – und findet eine neue Leidenschaft. Im Mai 2025 erscheint seine Biografie „Kugelsicher“.
Aus seinem Umfeld erhält Kursun positive Kritiken. Da habe der 27-Jährige gemerkt, dass viele Jugendliche mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Sein Lebensweg soll ein abschreckendes Beispiel dafür sein, wie schnell man in die Kriminalität rutschen kann. Die Lehren, die er daraus gezogen hat, möchte er an die jüngere Generation weitergeben.
Prävention für Jugendliche mit Migrationshintergrund
Kursun plant, an Schulen in der Region Präventionsarbeit zu leisten. Kein „klassisches Präventionsgespräch“, wie Kursun es ausdrückt, in dem die Risiken trocken erklärt werden – sondern ein Austausch auf Augenhöhe. Denn seiner Ansicht nach hören die Schülerinnen und Schüler auf jemanden wie ihn, der die negativen Folgen der Kriminalität erlebt hat. Gezielt ansprechen möchte er Jugendliche mit Migrationshintergrund. Mit ihren Ängsten und Sorgen kann sich der Blausteiner identifizieren. Zusätzlich arbeitet er in seinem Ringinger Tonstudio an einem Präventions-Podcast. Der verheiratete Vater eines Kindes blickt der Zukunft also positiv entgegen – es gab eine Zeit, in der er das nicht tat.
Hilfe für kriminelle Jugendliche in der Region
Seit 2020 ist das Haus des Jugendrechts in Ulm in Betrieb. In der Schaffnerstraße arbeiten Beamtinnen und Beamte der Stadt Ulm, der Staatsanwaltschaft und der Polizei zusammen. Ziel des Projektes ist es, straffällig gewordene Jugendliche während der Strafverfahren zu unterstützen.

