Spenden für die Ukraine
: Wie Menschen aus der Region Ulm jetzt helfen können

Viele Initiativen in der Region Ulm/Neu-Ulm sammeln Sachen für die Menschen im Kriegsgebiet. Große Organisationen rufen dazu auf, Geld zu spenden – denn das hat Vorteile.
Von
Moritz Clauß
Ulm/Neu-Ulm
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Der Sendener Verein "Heart for Life" sammelt medizinisches Material, das direkt in die Ukraine geliefert werden soll.

Dave Stonies

Windeln, Getränke, Verbandsmaterial: In vielen Städten und Gemeinden in der Region Ulm/Neu-Ulm sammeln Privatinitiativen und Organisationen seit Tagen Sachspenden für die Menschen in der Ukraine. „Die Spendenbereitschaft ist der Wahnsinn“, sagt Carola Lo Cicero von „Heart for Life“ aus Senden. Der gemeinnützige Verein hat das Wohnzimmer und den Garten seiner Vorsitzenden zum Zwischenlager umfunktioniert – er nimmt aber nicht mehr alle Arten von Spenden an.

Die ukrainische Gemeinde in Neu-Ulm, mit der man zusammenarbeite, könne nur noch medizinisches Material in die Ukraine transportieren, sagt Lo Cicero. Freiwillige sortieren die Spenden nun, Material für Operationen kauft „Heart for Life“ selbst ein. Wichtig ist der Vereinsvorsitzenden, dass die Lieferungen direkt in die Ukraine gelangen. Denn aus Fachkreisen ist zu hören, dass längst nicht alle Sachen, die in den Grenzregionen ankommen, auch wirklich benötigt werden.

Hilfsorganisationen sammeln Geldspenden

Während die Zivilgesellschaft im Raum Ulm vor allem Sachspenden sammelt, rufen Hilfsorganisationenzu Geldspenden auf. „Wir wissen, dass Medikamente und Lebensmittel im Moment in Polen und der Ukraine erwerbbar sind“, sagt Alexandra Stork, Regionalleiterin der Caritas Ulm-Alb-Donau. Das Katastrophennetzwerk Caritas international ist seit dem Jahr 2014 in der Ukraine aktiv und bietet unter anderem warme Mahlzeiten, Decken und psychologische Betreuung. Laut Stork muss deshalb zurzeit keine neue Logistik für Hilfslieferungen aufgebaut werden.

„Sachspenden sind mit einem sehr großen Verwaltungs- und Transportaufwand verbunden“, sagt die Regionalleiterin, die aber auch findet, dass die große Not verschiedene Hilfsantworten notwendig macht: „Da hat vieles seine Berechtigung.“ Mit zivilgesellschaftlichem Einsatz könne man schnell und unbürokratisch helfen. Auf Dauer bringe das intensive Engagement Menschen aber an ihre Grenzen.

Auch der Kreisverband Ulm des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hat auf seiner Website zu Geldspenden aufgerufen. Auf Nachfrage heißt es, man freue sich „über die große Hilfsbereitschaft der hiesigen Bevölkerung“. Mit finanziellen Spenden seien „zentral koordinierte, mit den Rotkreuz-Gesellschaften vor Ort abgestimmte Hilfeleistungen möglich“. Am Dienstag hatte ein Konvoi das DRK-Logistikzentrum Schönefeld verlassen – mit 88 Tonnen an Hilfsgütern.

Landkreis Neu-Ulm: Wer helfen will, kann sich beim Landratsamt melden

Das Landratsamt Neu-Ulm hat eine Zentrale Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger eingerichtet, die ukrainische Geflüchtete oder Menschen im Kriegsgebiet unterstützen möchten. Interessierte können sich per E-Mail an landkreis-nu-hilft@lra.neu-ulm.de wenden. Aufgrund des großen Engagements der Bevölkerung kann die Bearbeitung der Mail-Anfragen laut Landratsamt etwas Zeit benötigen.

„Geldspenden sind besser als Sachspenden“

Das DRK-Generalsekretariat in Berlin hat nach Informationen dieser Zeitung in einem Lagebericht gewarnt, dass gut gemeinte, aber nicht koordinierte Hilfslieferungen Lagerhäuser füllen und Transportkapazitäten binden können. Das behindere die humanitäre Arbeit vor Ort.

Ebenso deutlich äußert sich das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI): „Geldspenden sind besser als Sachspenden“, heißt es in einem Infoblatt des Instituts. Die Begründung: Das Geld könne „flexibler und effizienter eingesetzt werden“. Denn mit Spendengeld können Hilfsorganisationen zum Beispiel gezielt große Bestellungen aufgeben und müssen nicht viele kleine Spenden sortieren. Laut DZI sollten Sachgüter deshalb nur gespendet werden, „wenn Betroffene und seriöse Organisationen gezielt um sie bitten“.

Der scheidende Liqui-Moly-Geschäftsführer Ernst Prost hat ebenfalls zu Geldspenden aufgerufen. „Wir können dieses unsägliche menschliche Leid nicht ertragen und wollen helfen, wo wir können“, teilte Prost Anfang der Woche mit. Mit dem Spendengeld sollen unter anderem Verbandsmaterial, Medikamente und Nahrungsmittel gekauft werden. „Wir bringen die Hilfsgüter dorthin, wo sie gebraucht werden. Mitten in das Kriegsgebiet.“

Tipps: Worauf man beim Spenden achten sollte

Der Männerkreis der evangelischen Kirchen Dietenheim und Illertissen sammelt unterdessen Sachspenden, die in ein Flüchtlingslager nach Polen gebracht werden sollen – in Abstimmung mit dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen. „Man kommt mit Sachspenden bei den Leuten momentan weiter, als wenn man mit der Gelddose spazieren läuft oder zu finanziellen Spenden aufruft“, sagt Organisator Willy Paal. „Weil es da leider schon so viele Skandale gegeben hat.“ Das DZI informiert in seinem Infoblatt deshalb auch über vertrauenswürdige Hilfsorganisationen und gibt Tipps zum sicheren Spenden.

Damit kein Müll nach Polen transportiert wird, hat der Männerkreis eine Liste mit erwünschten Spenden erstellt. Nahrungsmittel gehören nicht dazu. Kleidung soll nur gespendet werden, wenn ihr Zustand so gut ist, dass die Spender sie selbst noch tragen würden. Ihr findet uns auch auf Instagram!