Sonderveröffentlichung
: „Oberstes Ziel: Das eigene Gelenk erhalten“

Priv.-Doz. Dr. Daniel Dornacher, Oberarzt an der Orthopädischen Universitätsklinik am RKU, spricht über die neuen Möglichkeiten im Bereich der gelenkerhaltenden Eingriffe am Hüftgelenk. Der Operationshorizont hat sich enorm erweitert.
Von
RKU
Ulm
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Priv.-Doz. Dr. Daniel Dornacher erklärt am Hüftmodell den Schnittverlauf bei der Triple-Osteotomie, im Röntgenbild vorher (links) und danach.

RKU

Als Kind hatten ihn die Hüftgelenksprothesen der Großmutter fasziniert. Nach dem Medizinstudium war für ihn klar: Er würde Orthopäde werden. Seit 17 Jahren ist er inzwischen am Oberen Eselsberg an der Orthopädischen Universitätsklinik.

Das orthopädische Auge

Die besonderen Fälle haben es ihm angetan. Einer der anspruchsvollsten Eingriffe, die es über mehrere Jahre hinweg in kleinen Schritten zu erlernen gilt: die Triple-Osteotomie. „An drei Stellen wird der Beckenknochen an der Hüftpfanne durchtrennt, um Fehlstellungen zu korrigieren. Wir versuchen, Formstörungen des Gelenks so zu verbessern, dass man eine vorzeitige Arthrose verhindern kann. Im besten Fall kann der Patient dadurch sein eigenes Gelenk sein ganzes Leben behalten.“ Die Hüftdysplasie tritt typischerweise bei jungen Frauen auf. Aber es gab diesen einen Fall, an den sich der Orthopäde immer erinnern wird. „Ein junger Mann mit einer schweren Hüftdysplasie – einer Fehlstellung des Hüftgelenks auf beiden Seiten des Beckens.“ Dr. Dornacher greift nach einem Modell und fährt mit einem Stift die Stellen nach, an denen die Schnitte angesetzt wurden. „Wir durchtrennten das Becken um die Hüftpfanne herum an drei Stellen: am Sitzbein, am Schambein und am Darmbein. Dann schwenkten wir die Hüftpfanne unter Röntgenkontrolle in ihre perfekte Position und fixierten das Ganze mit Schrauben. Der Eingriff dauerte rund 100 Minuten.“ Nach der Operation ging es zunächst darum, die Knochenheilung des Patienten zu beachten. Im Abstand von sechs Wochen beobachtete der Mediziner, wie der Knochen des jungen Patienten ausheilte. „Nach einem Jahr war es möglich, die Schrauben zu entfernen. Der junge Patient ist Kraftsportler. Er konnte danach mit dem Training wiederbeginnen und mit seinen Gewichten arbeiten.“ Dr. Dornacher, der auch Mannschaftsarzt der Ulmer Basketballer ist, lächelt stolz: „Bei der Oberschwäbischen Meisterschaft räumte er später den Titel ‚stärkster Oberschwabe‘ ab. Ein wahrer Koloss.“ Dr. Dornacher operiert nicht alleine. Immer im Team aus mindestens zwei erfahrenen Operateuren.

Im Vergleich zu anderen operativen Eingriffen, wie beispielsweise im Bereich des künstlichen Kniegelenkersatzes, der Knieendoprothetik, hat sich bei gelenkerhaltenden Eingriffen an der Hüfte ein computerassistiertes Verfahren bisher nicht durchsetzen können. Aber auch dieser Eingriff wird vorher dreidimensional geplant und während der Operation mittels Bildverstärker kontrolliert. „Das orthopädische Auge ist in allen Disziplinen unersetzbar“, sagt Dr. Dornacher. „Außerdem muss man wissenschaftlich immer am Ball bleiben, um den medizinischen Horizont zu erweitern.“ Der Oberarzt verleiht seiner Aussage Nachdruck, in dem er auf die unzähligen Bücher deutet, die sich in seinem Büro aneinanderreihen. „Die Operationsmethoden verbessern sich schnell. In Bern und Dresden treffen wir uns zum jährlichen praktischen Erfahrungsaustausch der gelenkerhaltenden Hüftchirurgen.“ 200 Orthopäden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz geht es darum, die Grundprinzipien von Diagnostik, Indikation und Therapie neu zu justieren: Denn im Mittelpunkt bei einer der anspruchsvollsten orthopädischen Disziplinen steht der Mensch – ­dessen Gelenke möglichst lange zu erhalten, ist das oberste Ziel.

Eine orthopädische Ehre

Menschen helfen zu können: für Dr. Daniel Dornacher ein Privileg. Einen Eingriff wie die Triple-Osteotomie durchzuführen: eine orthopädische Ehre. Wichtig sei es, dass der Patient im Vorfeld gut informiert werde. „Viele meiner Patienten bringen sich im Gespräch ganz konkret ein. Sie haben sich bereits in medizinisch beratenden Foren informiert. Viele Fragen drehen sich dann um den Arbeitszeitenausfall.“ Den ­Patienten liegt außerdem ihre Mobilität sehr am Herzen. „Bereits am ersten Tag kann der Patient aufstehen und ein paar eigenständige Schritte machen. Man bedenke: Vor zwanzig Jahren wurden Patienten nach einem solchen Hüftgelenkseingriff noch komplett eingegipst. Heute? Undenkbar!“ Im Anschluss sei die richtige Nachbehandlung von immenser Bedeutung. Die Rehabilitationsmaßnahmen im hauseigenen Klinikhotel RECOVER sind individuell auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmt. Dr. ­Dornacher kann sich mit Sportmedizinern und Physiotherapeuten absprechen. „So kann ich bei allen meinen Patienten sichergehen, dass sie die richtige Behandlung erfahren, damit sie nach sechs bis acht Wochen wieder ins Berufsleben zurückkehren können.“ Eine Sicherheit, die sonst nicht immer gegeben sei. „Bei uns gibt’s keine Heublumen-Bäder, sondern echtes Bewegungstraining. Eine Disziplin, in der auch der Patient sein Engagement einbringen muss, damit der Genesungsprozess ideal verläuft!

Hochleistungsmedizin und Spitzenrehabilitation unter einem Dach

Zertifiziertes
Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung

Patientensicherheit im Fokus

Nach den aktuellen Vorgaben hat auch das RKU eine schrittweise und verantwortungsvolle Wiederaufnahme der Regelversorgung durchgeführt. Alle Patienten werden bei Aufnahme auf Covid-19 getestet, im Haus gelten höchste Sicherheitsmaßnahmen, eine Maskenpflicht und strenge Hygieneregeln. Alle Regelungen auf www.rku.de