Sicherheit im Raum Ulm
: Hier müssen Zugbegleiter Ausweise nicht mehr kontrollieren

Nach immer schwereren Angriffen auf Begleitpersonal: Auf der Brenzbahn und Donaubahn ermöglicht das Land Pilotprojekte für die Doppelbegleitung von Zügen. Auch auf der Filstalbahn ändert sich was.
Von
swp
Region Ulm
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Deeskalationstraining für Zugpersonal: 13.02.2026, Thüringen, Erfurt: Zugbegleiter von DB Regio und Trainer üben Techniken während des Deeskalationstrainings für Zugpersonal im Erfurter DB-Regiowerk. DB Regio hat Anfang 2026 das Fortbildungsseminar „Sicher im Zug“ um ein praxisorientiertes Selbstbehauptungstraining in Kooperation mit dem Verein Deutscher Eisenbahner Sportvereine (VDES) erweitert. Insbesondere das eigene Auftreten, Abwehrgriffe und Verteidigungstechniken sollen in vielen praktischen Übungen erlernt und ausprobiert werden. Foto: Martin Schutt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Zugbegleiter (hier von der DB Regio) sind bald oft zu zweit unterwegs und dürfen auf Donaubahn und Brenzbahn selbst entscheiden, ob sie Ausweise kontrollieren: Eine

Martin Schutt/dpa
  • Baden-Württemberg startet Sicherheitsprozess für Bahn: Schutz von Fahrgästen und Personal.
  • SWEG führt bis Ende 2026 Doppelbesetzungen u. a. auf Brenz- und Donaubahn ein.
  • DB Regio: Doppelbesetzung ab März, Bodycams, „Prio-Ruf“, Eigensicherung vor Ausweiskontrolle.
  • Arverio testet auf der Filstalbahn „Eins-zu-Eins“-Besetzung, prüft Bodycams, setzt auf Prävention.
  • Maßnahmen knüpfen an Sicherheitsgipfel in Berlin an; Aggressionen nehmen messbar zu.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Ministerium für Verkehr hat einen landesweiten Prozess für mehr Sicherheit im Bahnverkehr in Baden-Württemberg angestoßen: Ziel ist es laut einer Pressemitteilung, mit allen Beteiligten konkrete Maßnahmen zu entwickeln, um Fahrgäste und Personal besser zu schützen. Die Pilotvorhaben von Arverio, Deutscher Bahn und der Südwestdeutschen Landesverkehrsgesellschaft (SWEG) bilden dabei den Auftakt. Die SWEG plant, als Pilotprojekt – vorerst begrenzt bis Ende 2026 – auf ausgewählten Strecken Doppelbesetzungen einzuführen. Zu den Strecken gehören auch die Brenzbahn (Aalen–Langenau–Ulm) sowie die Donaubahn zwischen Ulm und Munderkingen. Die Mitarbeiter erhalten in regelmäßigen Abständen Schulungen und Trainings zu Deeskalation, zudem werde auch die Einführung von Bodycams für Kundenbetreuerinnen und -betreuer geprüft. Bei der Deutschen Bahn kamen diese bereits 2025 in den freiwilligen Einsatz.

Verkehrsminister Winfried Hermann sagte: „Nach dem Sicherheitsgipfel in Berlin war es mir wichtig, mit allen Beteiligten in Baden-Württemberg in einen fundierten Austausch zu gehen.“ Klar sei: Die Sicherheit von Fahrgästen und Beschäftigten „hat für uns alle oberste Priorität“. Alle relevanten Akteure hätten ihre Erfahrungen und Vorschläge eingebracht. Daraus soll ein Konzept entwickelt werden, das die Sicherheit im Zug und an den Bahnhöfen weiter erhöht. „In den kommenden Wochen werden wir konkrete Maßnahmen ausarbeiten und auf den Weg bringen. Dazu gehören auch klare Anforderungen für die Zusammenarbeit mit der Polizei oder an die finanzielle Verantwortung des Bundes.“

Austausch knüpft an Sicherheitsgipfel in Berlin an

Dass die Eisenbahnunternehmen kurzfristig mit Pilotvorhaben zu Doppelbesetzungen schon einen ersten Schritt umsetzen und das Land hierfür den Rahmen gesetzt hat, zeige, wie wichtig allen das Thema ist. Vertreterinnen und Vertreter der Verkehrsunternehmen, der Bundespolizei, des Innenministeriums, der Gewerkschaften, der Fahrgastvertretungen sowie der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg waren am Freitag auf Einladung von Verkehrsminister Winfried Hermann zum Austausch im Verkehrsministerium zusammengekommen.

Der Austausch knüpft unmittelbar an die Ergebnisse des Sicherheitsgipfels in Berlin an, zu dem die Deutsche Bahn nach dem tödlichen Übergriff auf einen Zugbegleiter bei Kaiserslautern eingeladen hatte. Dort hatten am 13. Februar Bund, Vertreter der Länder, Bahnunternehmen, Gewerkschaften und Sicherheitsbehörden weiteren Handlungsbedarf festgestellt und zusätzliche Maßnahmen vereinbart, etwa eine stärkere Präsenz von Sicherheitspersonal, den Einsatz von Bodycams und eine bessere technische Ausstattung für die Mitarbeitenden der Deutschen Bahn.

Aggressionen nehmen messbar zu

Baden-Württemberg hat bereits in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen zur Stärkung der Sicherheit im Schienenpersonennahverkehr umgesetzt, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Dazu gehörten eine schrittweise Ausweitung des Einsatzes von Sicherheitspersonal, verpflichtende Deeskalations- und Sicherheitstrainings für das Zugpersonal sowie die nahezu flächendeckende Ausstattung der Züge mit Videotechnik. Zudem wurden Schwerpunktkontrollen bei Großveranstaltungen verstärkt, die Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden intensiviert und ein flächendeckendes Messer- und Waffenverbot im ÖPNV eingeführt. Weitere Schritte seien notwendig, um auf „veränderte Herausforderungen“ zu reagieren.

„Ein erster Schwerpunkt wird auf Pilotprojekten für Doppelbegleitungen liegen. Ziel ist es, durch eine verstärkte Präsenz von Personal im Zug die Sicherheit der Fahrgäste zu erhöhen und gleichzeitig das Begleitpersonal besser zu schützen. Dabei gilt es aber, behutsam vorzugehen“, so Hermann. Das Land wird dazu gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen verschiedene Modelle mit dem bestehenden Personal erproben, darunter Teams aus zwei Kundenbetreuenden oder gemischte Teams aus Kundenbetreuung und Sicherheitspersonal. Die doppelte Besetzung war ein deutlicher Wunsch der Gewerkschaften und vieler Beschäftigter. Das Land werde die Wirkung der Pilotprojekte fortlaufend bewerten und daraus konkrete Maßnahmen für dauerhafte Personaleinsatzkonzepte ableiten.

Arverio setzt auf Prävention

Bei Arverio gebe es bereits eine umfassende Präventionsstrategie. Dazu gehören Schwerpunktkontrollen und eine enge Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden. Eine wichtige Präventionsmaßnahme ist unser Fortbildungsprogramm für Kundenbetreuerinnen und -betreuer, das mit verschiedenen Modulen wie Deeskalationstraining ein friedliches Miteinander im Zugverkehr fördern soll. Auf der Filstalbahn wolle man „zu bestimmten Zeiten“ eine Eins-zu-Eins-Besetzung ausprobieren. Dabei werde auf ausgewählten Zugverbindungen jeweils eine Kundenbetreuerin oder ein Kundenbetreuer durch einen Sicherheitsmitarbeitenden begleitet. Auch plane man bereits die Einführung von Bodycams für Kundenbetreuerinnen und -betreuer. „Wir meinen, dass auch die Videokameras in unseren modernen Triebzügen zum Sicherheitsempfinden beitragen und zur Aufklärung von Vorfällen unverzichtbar sind“, wird der Geschäftsführer zitiert.

Deutsche Bahn: Prio-Ruf, Bodycams und Doppelbesetzung

„Bodycams haben sich bei der Deutschen Bahn sehr gut bewährt“, wird Markus Kaupper zitiert, Vorsitzender der Regionalleitung DB Regio Baden-Württemberg. Um schnell und einfach Hilfe rufen zu können, sind die Kundenbetreuer auf Wunsch auch mit dem sogenannten „Prio-Ruf“ – einem Notfall-Druckknopf – ausgestattet. Ab März werde auf der Schwarzwaldbahn sowie dem Regionalexpress Stuttgart–Ulm–Bodensee ein Pilotprojekt mit Doppelbesetzung im Nahverkehr gestartet. Bei DB Regio gelte außerdem künftig bei der Ticketkontrolle das Prinzip Eigensicherung vor Prüfung. Ab 1. März liegt es im Ermessen des Kontrollpersonals, ob ein Fahrgast bei der Ticketkontrolle einen Ausweis vorzeigen muss. Verstärkte Schulungen in Verhaltens- und Deeskalationstrainings sowie zusätzliche Kräfte der DB Sicherheit auf Bahnhöfen stehen ebenfalls auf der Agenda.