Ulm träumt von der Seilbahn. Seit nicht nur die Anbindung der Wilhelmsburg, sondern auch die Landesgartenschau 2030 Thema ist, wird die früher belächelte Idee zumindest ernst genommen. Manchmal träumt sogar der Neu-Ulmer OB ein bisschen mit, von einer Verbindung über Ludwigsfeld bis Wiblingen (wir berichteten). Ganz pragmatisch geht hingegen Tim von Winning an das Thema: „Es geht nicht darum, einem Seilbahntraum nachzuhängen. Da ist die Emotion ein ganz kleiner Teil“, sagt der Ulmer Baubürgermeister im Gespräch mit dieser Zeitung.
Zentral sei vielmehr die Konkurrenzfähigkeit zu anderen Verkehrsmitteln auf der Strecke von der Stadt zur Burg. Wie es damit aussieht und was wirtschaftlich, technisch und rechtlich alles zu beachten ist, das soll voraussichtlich bis Ende des Jahres ein Gutachten klären, das die Stadt gerade in Auftrag gibt.
Denn: „Wir wollen das von Profis überprüft haben.“ Die Wilhelmsburg liege zwar sehr nah an der Stadt, aber: „Es ist gar nicht so einfach, von unten nach oben zu kommen.“ Tim von Winning macht keinen Hehl daraus, dass er sich lange Zeit schwer damit getan hat, in einer Seilbahn ein sinnvolles innerstädtisches Verkehrsmittel zu sehen. „Man denkt erstmal an eine Skipiste, an schwer überwindbare Hindernisse oder schlechte Zustände auf dem Boden.“

Transport per Kabine: eine Option

Die Verbindung zum Ulmer Stadtverkehr lag also nicht auf der Hand. Seitdem der Baubürgermeister sich näher damit beschäftigt, ist er allerdings zu dem Schluss gekommen, dass der Transport per Kabine doch eine Option sein könnte. Wobei er den Konjunktiv betont: „Das ist überhaupt keine Vorentscheidung, es bleiben viele Fragen offen. Ich bin nicht zum Seilbahn-Fan geworden, sondern pragmatisch.“ Es komme letztlich auf den Mehrwert an. Jedenfalls sei das Verkehrsmittel erstens im Betrieb günstig und verbrauche extrem wenig Energie. Und zweitens: „Es ist sehr gut steuerbar. Man kriegt mit einer Seilbahn auch mal viele Menschen in sehr kurzer Zeit hochgeschaufelt“ – indem man mehr Kabinen einhängt. Die Krux sind die Haltestellen. Denn entweder baue man 30 Meter hohe Plattformen mit Aufzügen oder entsprechende Schneisen bis zum Straßenlevel. Was im Stadtverkehr schwierig umzusetzen ist.

Tim von Winning: Vier mögliche Modelle

Vier mögliche Modelle, die Wilhelmsburg anzusteuern, sieht von Winning: Eine sehr kurze, die von der Straßenbahn-Haltestelle Lehrer Tal am Kienlesberg startet. Vorteil: Sie würde nur öffentliche Grundstücke überqueren, so dass die Stadt sich um Entschädigungen keine Gedanken machen müsste. Nachteil: „Es ist ein sehr kurzer Verbindungsweg und trotzdem ein sehr großer Aufwand.“ Eine zweite Möglichkeit wäre der Zustieg am Hauptbahnhof, ebenfalls möglichst nahe an der Straßenbahn-Haltestelle; die dritte der Einstieg am Ehinger Tor. „Eine vierte Möglichkeit wäre: weiter. Wo auch immer hin.“ Vielleicht zum Zentralen Umsteigepunkt (ZUP) am Neu-Ulmer Bahnhof, nach Ludwigsfeld, nach Pfuhl, „ein richtiges System“. Das dann aber die Zwischenhalt-Problematik lösen müsste: „Das ist nicht banal.“ Und Wiblingen? Von Winning zögert. „Wiblingen könnte irgendwann vielleicht interessant sein, weil es eine weite Strecke ohne Zwischenhalt ist. Aber das untersuchen wir im Moment nicht.“
Welche Option hat die besten Chancen? „Für am realistischsten halte ich eine sehr kurze Strecke, in Kombination mit einem einfachen Umstieg von Straßenbahn auf Seilbahn. Bei den anderen wären für mich deutlich mehr Fragen offen.“ Dazu kommt, dass die Wilhelmsburg mit dem Bus eher umständlich zu erreichen ist. „Das könnte eine Seilbahn konkurrenzfähig machen.“

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Inspiration in Koblenz

Verbindung: Koblenz war mit 3,5 Millionen Besuchern eine der erfolgreichsten Bundesgartenschauen – wohl auch wegen der Seilbahn, die seitdem dort die Stadt über den Rhein mit der Festung Ehrenbreitstein verbindet. Projektleiter bei der Buga war der Landschaftsarchitekt Berthold Stückle, der 2012 mit seiner Idee für eine Ulmer Seilbahn gescheitert war.
Besuch: Auf einem Ausflug nach Koblenz, der der Inspiration für die Landesgartenschau dienen sollte, konnte sich ein Teil des Gemeinderats im Februar dieses Jahres die dortige Bahn vor Ort ansehen. Die Stadträtinnen und -räte kamen begeistert zurück.