Schwörmontag 2025
: Die 13 stärksten Sätze der Schwörrede

Ulms Oberbürgermeister Martin Ansbacher hat seine zweite Schwörrede gehalten. Er mahnt an, den Frieden zu wahren, auch in der Stadtgesellschaft, denn dieser sei unser höchstes Gut. Hier sind seine stärksten Aussagen.
Von
Magdi Aboul-Kheir
Ulm
Jetzt in der App anhören
OB Martin Ansbacher hielt seine zweite Schwörrede - und seine erste im Münster.

OB Martin Ansbacher hielt seine zweite Schwörrede - und seine erste im Münster.

Volkmar Könneke
  • Ulms OB Ansbacher mahnt in seiner Schwörrede 2025, Frieden als höchstes Gut zu wahren.
  • Er fordert aktiven Einsatz gegen Hass und betont die Bedeutung von Toleranz und Respekt.
  • Bezahlbarer Wohnraum und nachhaltiges Wirtschaften bleiben zentrale Herausforderungen.
  • Ansbacher hebt Ulms Wissenschaftsstadt und das Münster als Identifikationspunkt hervor.
  • Maßnahmen für Sicherheit, Sauberkeit und soziale Gerechtigkeit werden konsequent umgesetzt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Am Ende kam der Schwur, und davor war eine sehr gute Stunde lang sein Rechenschaftsbericht zu hören: Ulms Oberbürgermeister Martin Ansbacher hat - wetterbedingt im Münster - seine zweite Schwörrede gehalten. Knapp 7000 Wörter. Und davon hallen einige nach. So wie der Klang der Schwörglocke, die uns mahne, „den Frieden in der Stadtgesellschaft als oberstes Gut zu wahren“.

Um diesen Frieden – auch den sozialen Frieden – drehen sich viele Gedanken und Thesen von Ansbachers Rede. Der OB betont: „Bei all unserem Tun gilt es, Demut, Augenmaß und Bescheidenheit zu wahren, über die Stadt und das Heute hinaus zu blicken und auf neue Herausforderungen verantwortungsvoll und auch optimistisch zu reagieren.“

Die Schwörrede 2025 von Martin Ansbacher im Wortlaut

13 starke Aussagen aus der Schwörrede

1. „Freiheit, Demokratie, Wohlstand sind nicht mehr relevant, wenn es uns nicht gelingt, den Frieden zu bewahren.“ Ansbacher betont vor dem Hintergrund der aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen und in Erinnerung daran, dass vor 80 Jahren der auch für unsere Stadt verheerende Zweite Weltkrieg endete, dass wir alle die Aufgabe haben, uns für einen umfassenden Frieden einzusetzen: „Jeden einzelnen Tag und jede und jeder, an jedem Ort“. In Anlehnung an Willy Brandt: „Der Frieden ist nicht alles, aber alles ist ohne den Frieden nichts.“

2. „Nie wieder, heißt also nicht nur, sich an die Vergangenheit zu erinnern, sondern bedeutet vielmehr, dem Hass heute entschlossener denn je entgegenzutreten.“ Der OB erinnert daran: Die Entwicklungen, die einst den Nationalsozialismus entstehen ließen, diese Entwicklungen erstarken heutzutage wieder in Deutschland, in Europa und in der Welt: „Es liegt deshalb an uns, uns aktiv hier vor Ort klar zu positionieren und gegen solche Entwicklungen zur Wehr zu setzen.“ Und: „Wir dürfen nicht nachlassen, uns Tag für Tag für eine Welt und für eine Stadt einzusetzen, in der Toleranz, Respekt, Menschlichkeit und Frieden herrschen.“

3. „Politisch verantwortlich handeln, das heißt jetzt vor allem: die kommunalen Finanzen zu stabilisieren und die notwendigen Prioritäten zu setzen und einzuhalten.“ Ansbacher erläutert, dass der städtische Haushalt aufgrund der hohen Ausgaben unter Druck steht. Deswegen sei eine konsequente Konsolidierung unverzichtbar, „um unserer Verantwortung gerecht zu werden und die Handlungsfähigkeit der Stadt heute und morgen zu sichern“. Konkret müssen im Investitionsbereich Maßnahmen in Höhe von 100 Millionen Euro aus dem Zeitraum 2026 bis 2029 nach hinten verschoben werden.

Der OB sprach von Ulm als "Stadt des Friedens".

Der OB sprach von Ulm als "Stadt des Friedens".

Volkmar Könneke

4. „Ulm hat eine Wissenschaftsstadt, und Ulm ist Wissenschaftsstadt!“ Das formuliert Ansbacher selbstbewusst angesichts 40 Jahre Science Park. Und er stellt die Rolle der Universität Ulm heraus, als „Leuchtturm der Forschung, der Lehre und des Wissenstransfers und ein unverzichtbarer Partner für die Stadt“. Und auch wenn es im Wettbewerb um Exzellenzcluster bei der Quantenphysik nicht gereicht hat, sondern nur in der Batterieforschung: „Für uns ist die Universität weit mehr als exzellent!“

5. „Mehr bezahlbarer Wohnraum, das ist das Gebot der Stunde.“ Der OB weiß, dass Ulm weiter wachsen wird, daher bleibe bezahlbares Wohnen eine der wichtigsten Aufgaben in den kommenden Jahren: „Wohnraum ist eine Voraussetzung, damit gesellschaftlicher Zusammenhalt, Chancengleichheit und das friedliche Miteinander in unserer Stadt gelingen.“ Sozialer Frieden bedeute, niemanden zurückzulassen. Und Ansbacher betont: „Wirtschaftskraft und sozialer Ausgleich bedingen einander.“

6. „Frieden in der Stadtgesellschaft entsteht dort, wo Menschen sich sicher, geborgen, zuhause fühlen und Heimat haben.“ Ansbacher geht auf die aktuelle Wohnungsdebatte ein und er mahnt an, dass Gemeinderat und Verwaltung auch in der Sache an einem Strang ziehen. Denn es gehe um ein Ziel: „Den sozialen Frieden in Ulm zu bewahren und zu stärken.“

Es geht um Vertrauen, Optimismus und Gemeinsinn

7. „Die Art, wie wir heute wirtschaften, wie wir leben und unsere Stadt gestalten, entscheidet darüber, welche Stadt wir künftigen Generationen hinterlassen.“ Wir müssen nachhaltig leben und wirtschaften, sagt Ansbacher. Daher sind und bleiben Klimaschutz, moderne Energieversorgung und die Transformation des Verkehrssystems wichtig. Außerdem gestalte man Zukunft in Ulm „gemeinsam, generationenübergreifend und partizipativ“.

8. „Wer bestellt, zahlt! Dieses Prinzip muss weiterhin Geltung haben.“ Beim Thema Bildung, aber auch bei anderen Vorhaben gelte: „Wenn Bund oder Land eine Aufgabe an die Kommune übertragen, muss davor die Finanzierung dieser Aufgabe gewährleistet sein“, betont Ansbacher und erhält Applaus, wie auch sonst mehrfach. „Es kann nicht sein, dass dies auf dem Rücken der Städte vorgenommen wird.“

Das Münster war zur Schwörrede voll besetzt.

Das Münster war zur Schwörrede voll besetzt.

Volkmar Könneke

9. „Wir wohnen dort, wo andere Erholung suchen.“ Ulm ist attraktiv, wächst und hat eine hohe Lebensqualität, führt Ansbacher aus. Zuletzt habe man etliche Großveranstaltungen gemeistert und dabei Werbung für die Zweilandstadt gemacht: „Gäste haben uns als freundliche, herzliche und weltoffene Gastgeber erleben können.“

10. „Städtischer Frieden erwächst aus Vertrauen.“ Dabei geht es dem OB auch um das Vertrauen der Bürgerschaft in eine funktionierende Stadtverwaltung und darauf, dass gegebene Versprechen und Zusagen eingehalten werden: „In den vergangenen Monaten konnten wir zeigen, dass auf die Stadt Ulm Verlass ist.“ Als Beispiel nennt Ansbacher unter anderem die Einführung des Kurzstreckentickets.

Am Ende kommt der Schwur

11. „Wir alle sind gerufen, unsere Stadt sauber zu halten, damit wir uns in unserer Stadt wohl fühlen können.“ Sauberkeit und Sicherheit im öffentlichen Raum bedingen einander, findet Ansbacher. Sauberkeit im öffentlichen Raum setze auch ein gemeinschaftliches Verantwortungsbewusstsein voraus. Das werde an manchen Stellen Ulms „schmerzlich vermisst“. Der OB wird deutlich: „Wo dies fehlt, braucht es Kontrolle und Sanktionen. Bedauerlicherweise. Bewusst wurden deshalb die Bußgelder für die Verschmutzung des öffentlichen Raums verdoppelt und mehr Personal für Kontrollen eingesetzt, um jene zur Verantwortung zu ziehen, die willentlich und auf Kosten der Allgemeinheit die einfachsten Grundregeln eines zivilisierten Miteinanders missachten.“

12. „Nicht verzagen, sondern gemeinsam, optimistisch und pragmatisch sich den Herausforderungen stellen und sich dabei auf die eigenen Stärken besinnen.“ Ansbacher erinnert an die im März im Alter von 103 Jahren verstorbene Ann Dorzback, gebürtige Ulmerin, NS-Überlebende und Trägerin der Bürgermedaille. Mit ihrem legendären Satz: „Des kriagat mr scho na“ habe sie auf den Punkt gebracht, um was es auch in Ulm in diesen Zeiten geht.

13. „Das Münster ist und bleibt unser Identifikationspunkt, es ist und bleibt Wahrzeichen, Hoffnungs- und Zufluchtsort, Heimat und das Herz unserer Stadt.“ Da das Ulmer Münster 2026 wohl seinen Höhen-Weltrekord verlieren wird, betont Ansbacher, dass das Münster viel mehr sei als dieser Superlativ: „Der Vergleich sagt nichts darüber aus, was das Münster für uns so einzigartig macht, nämlich Bürgerkirche zu sein, der Ort, an dem sich alle versammeln können, der Ort, auf den alle blicken und sich daran orientieren.“

Und am Ende stand der Schwur aus dem Schwörbrief von 1345, den Martin Ansbacher feierlich erneuerte: "Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in den gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen ohne allen Vorbehalt.“

  • OB Martin Ansbacher hielt seine zweite Schwörrede - und seine erste im Münster.

    OB Martin Ansbacher hielt seine zweite Schwörrede - und seine erste im Münster.

    Volkmar Könneke
  • Das Münster war zur Schwörrede voll besetzt.

    Das Münster war zur Schwörrede voll besetzt.

    Volkmar Könneke
  • Schwörmontag 2025 - die Schwörrede im Ulmer Münster.

    Der OB saß vor seiner Rede in der ersten Reihe, mit Frau und Tochter.

    Volkmar Könneke
  • Schwörmontag 2025 - Lange Schlangen vor dem Ulmer Münster kurz vor der Schwörrede

    Im Münster haben weniger Menschen Platz als auf dem Weinhof. Nicht alle kamen rein. Deshalb regte sich Unmut.

    Yasmin Nalbantoglu
  • Während der Haupteingang des Ulmer Münsters geschlossen war, kamen noch Besucher durchs Brauttor auf der Südseite.

    Der Haupteingang des Ulmer Münsters war geschlossen, es kamen aber noch Besucher durchs Brauttor auf der Südseite.

    Ulrike Schleicher
  • Kuriose Szene: Während festlich gekleidete Gäste der Schwörrede lauschten, bestanden bunt Touristen mit Rucksäcken die Sehenswürdigkeiten im Münster.

    Kuriose Szene: Während festlich gekleidete Gäste zur Schwörrede gekommen sind, Touristen mit Rucksäcken die Sehenswürdigkeiten im Münster.

    Ulrike Schleicher
  • Schwörmontag 2025 - Schwörfeier im Ulmer Münster: Daniel Langhans wird von der Security abgeführt

    Querdenker Daniel Langhans (im orangen Anzug) wird von der Security abgeführt, nachdem er versucht hatte, während der Rede von Martin Ansbacher ein Plakat zu entrollen.

    Stefanie Müller
  • Neu-Ulms Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger saß neben dem Landrat des Alb-Donau-Kreises, Heiner Scheffold.

    Neu-Ulms Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger saß neben dem Landrat des Alb-Donau-Kreises, Heiner Scheffold.

    Valerie Zöllner
  • Schwörmontag 2025 - Schwörfeier im Ulmer Münster

    Schwörmontag 2025 - Schwörfeier im Ulmer Münster

    Valerie Zöllner
  • Ansbacher beim Schwur.

    Ansbacher beim Schwur.

    Stefanie Müller
  • Applaus während Ansbachers Schwur im Ulmer Münster.

    Die Gäste standen während Ansbachers Schwur im Ulmer Münster.

    Amelie Schröer
  • Ulmer Münster - Schwörfeier

    Die musikalische Umrahmung der Schwörfeier erfolgte durch die Junge Bläserphilharmonie Ulm.

    Matthias Kessler
  • Ulmer Münster - Schwörfeier

    Nach dem Ende der Zeremonie drängten die Besucher nach draußen. Dort brauchten sie dann auch gleich wieder ihre Schirme.

    Matthias Kessler
  • Ulmer Münster - Schwörfeier

    Auf dem Münsterplatz tanzten noch einmal die Narren und das Bauernpaar des Ulmer Fischerstechens.

    Matthias Kessler
  • Ulmer Münster - Schwörfeier

    Die Besucher sahen - gut beschirmt - zu.

    Matthias Kessler
  • Schwörmontag 2025 - Schwörfeier im Ulmer Münster

    Martin Ansbacher vor seiner zweiten Schwörrede im Ulmer Münster. An seiner Seite seine Frau Franziska.

    Janina Hirsch
1 / 16