Schöne Bescherung: Ein Nikolaus packt aus
Vor 13 Jahren machte sich Burak Dinc auf an die schönsten Strände der Türkei, war in Schweden und an den Fjorden in Norwegen. Sein Werkzeug, eine Schere, immer dabei. Im Februar 2019 hat der 29-Jährige seinen eigenen Salon in Erbach eröffnet.
FRIZZ:An Nikolaus trägst du nicht nur den schwarzen Bart weiß eingefärbt, sondern öffnest zugleich auch deine große Schatztruhe. Wie bist du darauf gekommen?
Burak Dinc: Ich bin in Ulm aufgewachsen. An Nikolaus und an Weihnachten habe ich mich immer gefragt, warum die meisten Kinder Geschenke bekommen und andere nicht. Ausgerechnet ich gehörte zu denjenigen, die leer ausgingen. Da sich bei mir im Laden das ganze Jahr über die Geschenke angehäuft hatten, dachte ich letztes Jahr: Ich mache eine Geschenkeaktion am Nikolaustag. Und zwar für alle Kinder.
FRIZZ:Nikolaus war ja schließlich auch Türke.
Burak Dinc: Ganz genau. Aber Spaß beiseite: Mir geht es in erster Linie darum, aufzuzeigen, dass in meinem Laden alle willkommen sind. Für die Kleinen gibt’s Süßigkeiten und kleine Geschenke, für Hunde Leckerlis. Und für meine Nachbarn auch mal ein Feierabendbier. Ich war dreizehn Jahre lang immer unterwegs, habe die unterschiedlichsten Menschen kennengelernt. Mir wurde dabei klar: Ich möchte den Menschen nicht nur einen Schnitt oder eine Farbe, sondern auch einen Platz bieten, an dem sie sich wohlfühlen können.
FRIZZ:Gibt es in Erbach keine anderen Nikoläuse?
Burak Dinc: Soweit ich weiß, stehe ich außer Konkurrenz.
FRIZZ:Könntest du dir auch vorstellen, die Aktion mit anderen Geschäften gemeinsam zu bestreiten?
Burak Dinc: Das ist eine fantastische Idee, über die ich tatsächlich auch schon nachgedacht habe. Wer mag, kann bei mir im Geschäft vorbeikommen und bis zum 5. Dezember auch was zu den Schätzen legen.
FRIZZ:Was unterscheidet die Arbeit in einem Städtchen wie Erbach von der in der großen weiten Welt?
Burak Dinc: Menschen sind überall gleich. Klar macht es manchmal mehr Spaß, an einem Strand die Menschen zu frisieren, aber ganz ehrlich: Für mich ist mein Beruf nicht nur Arbeit, sondern auch Profession. Mein Job ist zugleich mein Hobby. Und weil viele meiner Kunden zu Freunden geworden sind, bin ich gerade hier am richtigen Ort. Außerdem kann ich hier für meine Familie da sein.
FRIZZ:Vor Corona hast Du ja schon mal Spieleabende im Salon organisiert ...
Burak Dinc: Genau! Weitere Events für nach Corona sind schon in der Planung. Übrigens …
**Dinc zeigt den Wellnessbereich im hinteren Teil des Salons. Lange Kerzen an der Wand, in der Mitte ein majestätisches Buddha-Antlitz in Silber.**
Burak Dinc: Hier können meine Kunden bei einer Kopfmassage entspannen. Ich hatte sogar schon mal buddhistische Mönche zu Besuch. Die hatten von mir gehört ...
FRIZZ:Gib doch einmal einen Jahresrückblick. Inwiefern hat dich Corona eingeschränkt?
Burak Dinc: Hygiene ist für mich nicht erst seit Corona ein Thema. Wir arbeiten hier jederzeit mit höchsten Hygienestandards, das ist doch selbstverständlich. Klar achten wir jetzt noch auf die Einhaltung der ch einfach froh, dass wir Friseure unsere Dienstleistungen weiterhin anbieten können.
FRIZZ:Wie war das mit den Corona-Frisuren? Hattest du nach dem ersten Lockdown einen großen Andrang?
Burak Dinc: Es war in den ersten zwei Wochen nach Wiedereröffnung sehr viel los!
FRIZZ:Haben die Leute während sie nicht zum Friseur konnten, selbst Hand angelegt oder die Matten natürlich stehen lassen?
Burak Dinc: Einige, die schon immer mal Friseur spielen wollten, kamen ganz klar zum Zug. Aber die meisten haben geduldig abgewartet.
FRIZZ:Was war die verrückteste Frisur 2020?
Burak Dinc: Eine farbenfreudige Kundin wollte es bunt und schräg!
FRIZZ:Welche Frisurentrends gibt es in der Weihnachtszeit?
Burak Dinc: Der Klassiker: Engelslocken.
FRIZZ:Und an Silvester?
Burak Dinc: Da kommt dann der Teufel wieder raus (lacht). Der Trend geht zu Flechtfrisuren.
FRIZZ:Jetzt hast du deinen Salon ja schon über eineinhalb Jahre, wie geht es weiter?
Burak Dinc: Ich habe in der Vergangenheit in Düsseldorf Seminare zum Thema Cut und Color gegeben. Das möchte ich hier fortsetzen.
FRIZZ:Was sagen deine Azubis zur Nikolaus-Geschenke-Aktion?
Burak Dinc: Sie sind davon begeistert und etwas überrascht, dass es sowas gibt. Durch die Aktion will ich meinen Mitarbeitern zeigen, dass die Bereitschaft zu teilen sehr wichtig ist.
FRIZZ:Was wünscht sich der Nikolaus zu Weihnachten?
Burak Dinc: Gesundheit und Zufriedenheit und ein besinnliches Weihnachtsfest – für alle in meiner Umgebung. Auch wenn die Zeiten gerade schwierig sind, sollten wir nicht vergessen, an andere zu denken.
FRIZZ:Warum verstecken Friseure ihr Haar eigentlich oft unter Käppis?
Burak Dinc: Du meinst wohl mich? Der Schreiner hat ja schließlich auch keinen Schuhschrank und der Koch bekocht fast nie seine Frau zuhause. Hauptsache, meine Kunden bekommen schöne Haare. Oft ist es ja so: Je gestylter der Friseur, desto hässlicher der Haarschnitt …
FRIZZ:Mal unter uns: Was erzählen Leute ihrem Friseur, das sie sonst niemandem verraten?
Burak Dinc: Na, darin liegt doch das Geheimnis, dass es ein Geheimnis bleibt …
FRIZZ:Welchen Ulmer oder welche Ulmerin würdest du gerne umstylen?
Burak Dinc: Der Uli Hoeneß könnte mal wieder eine neue Frisur vertragen – passend zu seinem Kader, der ja auch ständig den Look wechselt. Wenn du das liest, Uli Hoeneß, komm in meinem Salon vorbei!
FRIZZ:
Burak Dinc: Ich denke, der Trend geht mehr zur Natur. Natürlich und pflegeleicht.

