Das Geräusch von Grillen und Zikaden stimmte das Publikum in der Pauluskirche auf eine besondere Veranstaltung ein. Der Kontrast zwischen dem kalten Dezembertag und dem bunten und blumenreichen Abend mit dem Konzertchor Klangreich unter dem Titel „Garten meines Lebens“ hätte kaum größer sein können.

Kongenialer Rezitator

Natürlich war grün die Leitfarbe in der Kleidung der Ausführenden, die Farbe der lebendigen Natur. Dieser Abend wollte das große Ganze aufzeigen, so wie ­Goethe schon schrieb, dass in der lebendigen Natur nichts geschieht, was nicht in einer Verbindung mit dem Ganzen stehe. Das Programm ordnete sich nach den verschiedenen Lebensstufen eines Menschen, so erklang zu Beginn der Schrei eines Neugeborenen. Unter Markus Romes’ grünem Daumen blühten der Chor und das Orchester prächtig auf. Dazu kam kongenial der Rezitator Gunther Nickles, der passende Texte und Gedichte darbot, von Aristophanes’ „Fröschen“ über Hermann Hesses „Steppenwolf“, Hofmannsthals „Jedermann“ bis hin zu Astrid Lindgren. Der Hauptakteur des Abends war aber der starke, vierzigköpfige Chor, der, von Martin Borowski szenisch klug inszeniert, auf der Bühne tanzte, gestisch agierte und hoch motiviert einen Höhepunkt nach dem anderen bot.
Romes und sein Chor schufen den poetischen Raum zum Träumen vom klangvollen Paradies. Am Anfang und Ende stand Monteverdis Orfeo, der den Tag der Freude preisen ließ. Im cleveren Kontrast sang der Chor Annie Lennox’ Hit „A 1000 Beautiful Things“ mit einem schönen, gefühlvollen Altsolo von Renate Blikle. Zu Julis gerockter „Perfekter Welle“ wurde eine „La Ola“ gestisch zelebriert.
Sehnsuchtsvollen Wohlklang erreichte der im Kirchenraum verteilte Chor mit der a cappella gesungenen Volksweise „Oh Shenandoah“. Auch der Jäger- und Hirtenchor aus der Schauspielmusik von Schuberts „Rosamunde“ und das schwebende Chorstück „Northern Lights“ des lettischen Komponisten Ešenvalds mit einem bemerkenswert schönen Tenorsolo von Ralf Höchenberger fügten sich in den grünen Reigen ein.
In der Pavane von Fauré zeigte das Instrumentalensemble mit Musikern des Orchesters der Stadt Ulm und aus der Region wunderschöne Klangfarben, allen voran Verena Höß (Flöte), Markus Hofer (Klarinette) und Thomas Bierfeld (Horn). Aber auch Janis Pfeifer am Flügel begleitete klangschön die Männer des Chores bei Schuberts „Nachthelle“ mit dem hervorragenden Tenor Christopher Fischer.
Nur bei Reinhard Meys Lied „Lass nun ruhig das Ruder los“ setzte sich Markus Romes schluss­endlich selbst an den Flügel und atmete gemeinsam mit seinen Chorsängern dieses meditative Lied. Ein geistreicher Abend mit wundersamen Gewächsen.

Info Das Konzert wird am 13. Januar 2018 in der Petruskirche Neu-Ulm wiederholt.