Rezession
: Deutschlands Wirtschaft schrumpft 2024 um 0,2 Prozent

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) geht erneut zurück. Besonders deutlich in der Automobil- und Baubranche.
Von
AFP STATISTISCH ,
dpa
Berlin
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Konjunkturprognose

Die deutsche Wirtschaft schwächelt: Das BIP in Deutschland ist 2024 gesunken.

Christian Charisius/dpa
  • Deutschlands BIP sank 2024 um 0,2%; stärkster Rückgang in Industrie und Bau.
  • Hauptursachen: hohe Energiekosten, Zinsniveau und unsichere Wirtschaftsaussichten.
  • Maschinenbau und Automobilindustrie produzierten weniger; Baugewerbe um 3,8% gesunken.
  • Investitionen fielen um 2,8%; Exporte sanken um 0,8%, Importe stiegen leicht um 0,2%.
  • Dienstleistungen wuchsen um 0,8%; staatliche Konsumausgaben um 2,6%.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Deutschlands Wirtschaft ist im vergangenen Jahr erneut geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank um 0,2 Prozent im Vorjahresvergleich, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. „Konjunkturelle und strukturelle Belastungen standen im Jahr 2024 einer besseren wirtschaftlichen Entwicklung im Wege“, erklärte Behördenchefin Ruth Brand. Damit schrumpft die Wirtschaft schon das zweite Jahr in Folge leicht: Bereits 2023 war das Bruttoinlandsprodukt preisbereinigt um 0,3 Prozent gemessen am Vorjahr zurückgegangen.

Zu den Belastungen für die deutsche Wirtschaft zählten im vergangenen Jahr eine „zunehmende Konkurrenz für die deutsche Exportwirtschaft auf wichtigen Absatzmärkten, hohe Energiekosten, ein nach wie vor erhöhtes Zinsniveau, aber auch unsichere wirtschaftliche Aussichten“, erläuterte Brand.

Maschinenbau, Automobilindustrie und Baugewerbe schwächeln

In der Industrie schrumpfte das BIP demnach um 3,0 Prozent. Vor allem wichtige Bereiche wie der Maschinenbau oder die Automobilindustrie produzierten deutlich weniger, erklärte das Statistikamt. In den energieintensiven Industriezweigen – wie in der Chemie- und Metallindustrie – blieb die Produktion auf niedrigem Niveau.

Im Baugewerbe nahm die Wertschöpfung demnach sogar um 3,8 Prozent ab. Grund war vor allem, dass wegen der nach wie vor hohen Baupreise und Zinsen weniger Wohngebäude errichtet wurden. Der Dienstleistungsbereich dagegen entwickelte sich insgesamt positiv, hier nahm das BIP um 0,8 Prozent zu.

Ins neue Jahr mit der anstehenden Bundestagswahl geht Deutschland ohne Rückenwind. Auch im vierten Quartal 2024 ist Europas größte Volkswirtschaft nach einer ersten Schätzung der Statistiker preis-, saison- und kalenderbereinigt voraussichtlich um 0,1 Prozent zum Vorquartal geschrumpft. Ein deutlicher Aufschwung ist nicht in Sicht. Der künftige Wirtschaftskurs spielt eine große Rolle im Bundestagswahlkampf.

Deutschland-Chefvolkswirts Robin Winkler zeigt sich wenig überrascht, dass das BIP 2024 geschrumpft ist. „Was uns allerdings überrascht und Sorge bereitet, ist, dass die Wirtschaftsleistung laut Statistischem Bundesamt im vierten Quartal wahrscheinlich rückläufig war. Falls sich dies bestätigen sollte, hätte die deutsche Konjunktur zu Beginn des Winters nochmal an Schwung verloren. Die aktuelle politische Unsicherheit in Berlin und in Washington dürfte ein wichtiger Faktor gewesen sein“, so Winkler.

Defizitquote des Staates unverändert

Viele Volkswirte erwarten nur ein geringes Wachstum 2025. Der deutsche Fiskus hat im vergangenen Jahr erneut mehr Geld ausgegeben, als er eingenommen hat. Nach vorläufigen Daten belief sich das gemeinsame Defizit von Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung auf 113 Milliarden Euro - nach 107,5 Milliarden im Vorjahr.

Damit hielt Deutschland abermals die europäische Verschuldungsregel ein. Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung betrug das Defizit den vorläufigen Berechnungen zufolge im vergangenen Jahr 2,6 Prozent - exakt die Quote aus dem Jahr 2023.

Auch Export geht zurück

Die Investitionen sanken laut Statistik im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent im Vorjahresvergleich. Die privaten Konsumausgaben kletterten nur um 0,3 Prozent. „Die sich abschwächende Teuerung und Lohnerhöhungen für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer konnten die Käufe nur bedingt ankurbeln“, erklärten die Statistiker. Die Konsumausgaben des Staates dagegen wuchsen um 2,6 Prozent.

Der Export schwächelte merklich, die Ausfuhren von Waren made in Germany sanken um 0,8 Prozent. Die Importe stiegen leicht um 0,2 Prozent.

Die Aussichten für das neue Jahr sind wenig verheißungsvoll. Zwar hoffen Wirtschaftsverbände mit den Bundestagswahlen am 23. Februar auf Reformen einer neuen Bundesregierung, die die Schwächen des Standorts anpacken könnte. Doch mit dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA ist die Unsicherheit gewachsen.

Viel Gegenwind für deutsche Wirtschaft

Sollte der designierte US-Präsident wie angekündigt hohe Zölle auf Einfuhren aus Europa erheben, würde das die Exportnation Deutschland wohl besonders schwer treffen. Ökonomen fürchten Handelskonflikte zwischen den USA und der EU, die mit Gegenmaßnahmen reagieren könnte. Allerdings ist unklar, inwieweit Trump seine Pläne umsetzt.

Die Bundesbank hat ihre Prognose für die deutsche Wirtschaft bereits gesenkt und rechnet für 2025 nur mit einem Mini-Wachstum von 0,2 Prozent. Der Sachverständigenrat („Wirtschaftsweise“) erwartet ein Plus von 0,4 Prozent.

Die deutsche Wirtschaft leidet seit Jahren unter einer Wachstumsschwäche und steht von vielen Seiten unter Druck. Auf den Weltmärkten hat China als Wachstumstreiber an Schwung verloren, im Inland steigt die Zahl der Firmenpleiten. Zugleich sind die Exportaussichten für die Industrie trüb. Schlüsselindustrien wie Autobau und Chemie stecken in der Krise, ebenso der Wohnungsbau. Verbraucher sind verunsichert und halten ihr Geld zusammen. Zugleich belasten hohe Energiepreise und die sperrige Bürokratie den Standort.