Derzeit laufen sie zu Tausenden durch Ulms Straßen – Menschen, die der Impfung und der Coronapolitik skeptisch gegenüberstehen und Fragen stellen. Die aber auch leider nicht verstehen – oder verstehen wollen –, dass sie sich damit als willfährige Masse vor den Karren einer radikalen Minderheit spannen lassen, deren einzige Absicht ist, diese Gesellschaft zu radikalisieren und zu spalten. Und tatsächlich gewinnt man immer stärker den Eindruck, unsere Gesellschaft drifte auseinander.
Es braucht in diesen Tagen Zeichen, dass das nicht so ist. Die Gegendemonstration auf dem Münsterplatz vor zwei Wochen war so ein Zeichen: Gegen Hass und Ausgrenzung, für ein Mit- statt ein Gegeneinander. Ein solches Zeichen ist auch das Ergebnis der diesjährigen Aktion 100 000 und Ulmer helft.
Es ist schön, dass es erneut ein Spendenrekord geworden ist und zum zweiten Mal hintereinander die Millionengrenze durchbrochen wurde. Viel wichtiger ist jedoch, dass in Coronazeiten der soziale Zusammenhalt nicht zerbricht, sondern im Gegenteil stärker geworden ist. Auch in dieser 51. Kampagne musste das im Stillen geschehen, denn das Salz in der Aktionssuppe fehlte: Feste und Konzerte fielen wiederum Corona zum Opfer, stattdessen war Aktionsleiter Karl Bacherle auf die Großherzigkeit der Menschen angewiesen.

Kleinspenden nehmen zu

Beispiele dafür gab es genug: Die Angestellten von Evobus, die mit dem Unternehmen die Coronakrise durchstehen müssen, haben trotz Kurzarbeit die Not anderer nicht ignoriert und wieder ein halbe Stunde nur für die Aktion gearbeitet. Mit Hilfe der Unternehmensführung wurde daraus ein Rekordergebnis. Der Händler, der in Coronazeiten von einem höheren Absatz profitierte und 50 000 Euro davon gespendet hat. „Aber vor allem haben die Einzelspenden zugenommen“, sagt Karl Bacherle. Menschen, die zehn, zwanzig oder fünfzig Euro entbehren, weil sie nicht nur an sich selbst und ihre Gesundheit denken, sondern eben auch an andere.
Deshalb ist das Signal der Aktion so wichtig: Die Solidarität in dieser Region ist stärker denn je, es geht nicht nur um sich selbst und die eigene Befindlichkeit. Die Mehrheit kümmert sich und tut etwas – es wäre schön, wenn sich die „Spaziergänger“ dieser Bewegung ­anschlössen.