Raphael Westermeier
: Früher Schauspieler in Ulm, jetzt Gewerkschaftsboss

Neun Jahre lang, von 2005 bis 2014, war Raphael Westermeier am Theater Ulm. Jetzt ist er zum Präsidenten der GDBA gewählt worden. Er hat viel zu tun.
Von
Marcus Golling
Ulm
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Raphael Westermeier ist der neue Präsident der GDBA.

Raphael Westermeier ist der neue Präsident der GDBA.

Sinje Hasheider
  • Raphael Westermeier ist neuer geschäftsführender Präsident der GDBA.
  • Er arbeitete 2005 bis 2014 als Schauspieler am Theater Ulm und seit 2024 für die GDBA.
  • Heute tritt er als Gewerkschafter auf, vermisst das Spielen nicht und führt Verhandlungen.
  • Schwerpunkt ist die Reform des Nichtverlängerungsrechts im Normalvertrag Bühne.
  • Er erinnert sich gern an Ulm – Freunde, erste feste Station, Kinder in Neu-Ulm geboren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ist ja nicht so, dass Raphael Westermeier gar nicht mehr auf Bühnen steht. Aber er kommt nicht mehr als Schauspieler, sondern als Gewerkschafter in die Theater. Seit 2024 arbeitet er für die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA), gerade ist er auf einem außerordentlichen Online-Gewerkschaftstag zum neuen geschäftsführenden Präsidenten gewählt worden. Die GDBA vertritt rund 7400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der künstlerischen und künstlerisch-technischen Bereiche der Theater.

Von 2005 bis 2014 war der aus Nordrhein-Westfalen stammende Westermeier Schauspieler am Theater Ulm, zunächst unter Intendant Ansgar Haag, ab 2006 unter Andreas von Studnitz. Er war in zahlreichen Produktionen zu sehen, er selbst erinnert sich besonders gerne an „Plumpsack“ (2006) und „Der gute Mensch von Sezuan“ (2014). Danach zog er weiter nach Tübingen, 2020 dann nach Dortmund.

Den Druck vermisst er nicht

Jetzt spielt er gar nicht mehr – und vermisst es „tatsächlich gar nicht“, sagt er. Er habe Freude daran, sich für die Anliegen seiner Kolleginnen und Kollegen einzusetzen, genieße es, nicht mehr Druck und Selbstzweifeln ausgesetzt zu sein. Einige Aspekte von Auftritt und Performance habe er ja weiterhin: Aktuell ist Westermeier Verhandlungsführer bei der Neuverhandlung des Normalvertrags Bühne. Der GDBA ist vor allem eine Reform des Nichtverlängerungsrechts wichtig: Bislang genieße künstlerisches Personal erst nach 15 Jahren an einem Haus Kündigungsschutz, davor sei eine Entlassung jedes Jahr nahezu willkürlich möglich.

Wie Westermeier heute als Gewerkschafter auf seine Zeit in Ulm blickt? Damals sei man „mit dem Theater quasi verheiratet gewesen“, das Ensemble habe keine eigenen Arbeitnehmer-Vertretung gehabt, es habe kein Gegengewicht zur Intendanz gegeben. Auch er selbst sei als Jungschauspieler noch nicht in der Gewerkschaft gewesen. Heute gebe es in Deutschland geregeltere Arbeitszeiten, Theater seien Arbeitsplätze, die man mitgestalten könne. „Die Zeiten haben sich geändert.“ Leider nicht nur im Guten: Er finde es erschreckend, mit welch leichter Hand heute Kürzungen im Kulturbereich durchgesetzt würden.

An die harte Ulmer Phase erinnert sich Westermeier trotzdem gerne. Weil es seine erste feste Station war, weil er von dort noch Freunde hat, weil seine Kinder in Neu-Ulm geboren wurden. „Das wird für mich immer die Verbindung sein.“