Psychische Gewalt in Öpfingen: „Er hat die ganze Palette abgespielt, von Love Bombing bis hin zu Gaslighting“

Michaela Metzner aus Öpfingen hat ihre Erfahrungen mit emotionaler Gewalt in zwei Büchern verarbeitet. Unter dem Pseudonym Mia M. Hope schrieb sie die Bücher „Märchentrümmer“ und „Trümmermärchen“.
Michaela Metzner- Michaela Metzner aus Öpfingen erlebte zehn Jahre lang psychische Gewalt.
- Sie beschreibt ihre Erfahrungen in den Büchern „Märchentrümmer“ und „Trümmermärchen“.
- Ihre erste Partnerschaft führte zu emotionalem Missbrauch, von Love Bombing bis Gaslighting.
- Am 25. November ist der „Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“.
- Häusliche Gewalt betrifft überwiegend Frauen; 70% der Opfer sind weiblich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Aggressives Anschreien, Drohungen und Demütigungen bis hin zum Psychoterror. All das sind Formen psychischer Gewalt, all das hat Michaela Metzner aus Öpfingen zehn Jahre lang erlebt. Auch Beleidigungen sowie einschüchterndes und kontrollierendes Verhalten. „Ich war in einer toxischen Beziehung, ohne zu wissen, was das ist“, so die 50-Jährige. Die ersten ein, zwei Jahre seien schön gewesen. Danach habe ihr Partner begonnen, sie zu manipulieren und permanent abzuwerten.
„Er hat die ganze Palette abgespielt, angefangen von Love Bombing bis hin zu Gaslighting.“ Psychische Gewalt ist sehr subtil. „In unsere Beziehung hat sich etwas eingeschlichen, das ich nicht greifen konnte.“ Es waren Nadelstiche, immer mal wieder kleine fiese Bemerkungen, berichtet Metzner.
Verloren zwischen Liebe und Kontrolle
Als sie mit ihrem Freund zusammenkam, war Metzner 16 Jahre alt. Es war ihre erste Partnerschaft. „Ich solle mal einen Rock anziehen. Wenn ich einen trug, hieß es: Zieh Dich gediegener an, bloß keinen Rock.“ Wenn ich ihn auf sein Verhalten ansprach, stritt er alles ab und ich dachte „Spinn ich jetzt?“ Er hat mir eine tiefe Unsicherheit eingepflanzt, berichtet Metzner. Heute versteht sie die Mechanismen solcher Beziehungen. „Da geht es um Macht und Kontrolle durch Manipulation und Kritik.“
Sie sei von ihrem Partner kleingehalten worden. Von „wir gegen den Rest der Welt“ bis hin zu „ohne mich kommst Du eh nicht klar“ sei alles dabei gewesen. Erst habe er ihr Selbstbewusstsein zerstört, dann ihren Selbstwert. Häufig ist in Verbindung damit auch die Rede von dysfunktionalen und destruktiven Beziehungen. „Das waren keine einmaligen Ausrutscher, es ging an den Kern meiner Persönlichkeit. Das hat mein Selbst zerstört“, sagt Metzner.
Häusliche Gewalt war in der Pandemie ein großes Thema. Doch dass Misshandlungen in Beziehungen oft auch gegen die Seele gerichtet sind, ist kaum bekannt. Dabei ist psychische Gewalt in Beziehungen ein schwerwiegendes Problem. Es gibt eine typische Dynamik. Lisa Fluhr arbeitet bei der Caritas Ulm-Alb-Donau und berät Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind. Die 31-Jährige sagt: „Beziehungen, die von psychischer Gewalt geprägt sind, fangen in der Regel mit einem riesigen Honeymoon an.“
Die überschwängliche Zuneigung stürzt Betroffene häufig in eine emotionale Abhängigkeit. Fluhr dazu: „Dann werden die Angriffe auf den Selbstwert immer stärker, was die Betroffenen destabilisiert.“ Beim Gaslighting beispielsweise werden die Opfer gezielt verunsichert. Häufig beginnt psychische Gewalt als schleichender Prozess von Grenzüberschreitungen. Sie wird von Betroffenen, aber auch von Personen aus ihrem Umfeld oft lange Zeit nicht als Gewalt erkannt. Fluhr sagt: „Diese Form der Gewalt geht oftmals mit extremer Eifersucht, Kontrolle und Dominanzverhalten einher.“ Anders als körperliche Gewalt hinterlasse psychische Gewalt keine sichtbaren Wunden.
„Ich habe das Nötigste gepackt und mich davongeschlichen“
Metzner berichtet von einer On-Off-Beziehung. Sie sagt: „Mein damaliger Partner hat mich bewusst von Freunden und der Familie isoliert.“ Sie sei depressiv geworden, habe viel geweint. Nach rund zehn Jahren schafft sie den Absprung, trennt sich. „Ich habe das Nötigste gepackt und mich davongeschlichen.“ Sie habe keine Konfrontation mehr gewollt. Trotzdem habe sie danach Telefonterror und Stalking erlebt. „Ich bin nicht zur Polizei. Ich dachte, dass mir ohnehin niemand glauben würde.“ In der Regel ist psychischer Missbrauch strafrechtlich schwer zu fassen. Oftmals greifen verschiedene Formen von Gewalt ineinander.
Erst Jahre später, als ihre zweite Beziehung – wohl auch wegen ihrer starken Bindungsprobleme – scheitert, beginnt Metzner eine zweijährige Therapie. Sie begreift das Ausmaß ihrer Bindungserfahrungen durch ihre erste Partnerschaft. Die Sekretärin schreibt zwei Bücher und verarbeitet darin auch das Erlebte. Die Bücher widmet sie ihrer Tochter. Junge Frauen sollten ihrer Ansicht nach viel mehr über das Thema aufgeklärt werden. Häufig wird psychische Gewalt gegen Frauen von (Ex)-Partnern oder Familienmitgliedern ausgeübt. Metzner ist heute auf jeden Fall achtsamer, wie sie sagt. „Ich musste die falschen Beziehungsmuster erkennen, mein Verhalten ändern und lernen, für meine Bedürfnisse einzustehen.“

Fahnen in Ulm, Ecke Olgastraße und Am Zundeltor: Am 25. November ist der „Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“.
Nadja RuranskiHäusliche Gewalt: Sieben von zehn Betroffenen sind weiblich
Über 250.000 Menschen sind 2023 Opfer von häuslicher Gewalt geworden – 6,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Das zeigt das Lagebild „Häusliche Gewalt“ des Bundeskriminalamtes. Bereits 2022 hatte es einen Anstieg um mehr als acht Prozent gegenüber 2021 gegeben. Innerhalb von fünf Jahren stieg die Zahl um fast 20 Prozent, wie aus dem vom Bundeskriminalamt vorgestellten Lagebild „Häusliche Gewalt“ hervorgeht. Die meisten Opfer, etwa 70 Prozent, waren weiblich. Laut der Prävalenzstudie Lebenssituation, Gesundheit und Sicherheit von Frauen in Deutschland von 2004 haben 42 Prozent aller befragten Frauen im Lauf ihres Lebens psychische Gewalt erlebt.
Hilfetelefone, wie das „Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen“ (116 016) sind niedrigschwellige Angebote. Gemeinsam kann überlegt werden, wie weitere Hilfe aussehen könnte. Die Caritas Ulm-Alb-Donau bietet neben der Beratungsstelle in der Ulmer Olgastraße auch eine mobile Beratung im Landkreis an, zum Beispiel in Ehingen, Dietenheim und Laichingen. Betroffene können sich an die Caritas Ulm-Alb-Donau wenden unter 0731/206347 oder per E-Mail: Frauenhaus@caritas-ulm-alb-donau.de

