Pfetsch in Blaubeuren
: Traditionsgeschäft schließt nach 121 Jahren

Das Geschäft lohnt sich für Heidrun Rösch nicht mehr in Blaubeuren. Schweren Herzens hat sie den Schlussverkauf bei Pfetsch in der Karlstraße gestartet.
Von
Karin Mitschang
Blaubeuren
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Heidrun Rösch (rechts, hier mit einer Kundin) macht den Haushaltswarenladen, den ihr Großvater Georg Pfetsch 1903 übernommen hat, schweren Herzens für immer zu.

Heidrun Rösch (rechts, hier mit einer Kundin) macht den Haushaltswarenladen, den ihr Großvater Georg Pfetsch 1903 übernommen hat, schweren Herzens für immer zu.

Karin Mitschang
  • Haushaltswarenladen Pfetsch in Blaubeuren schließt nach 121 Jahren.
  • Heidrun Rösch, die den Laden seit 2012 führt, startet schweren Herzens den Schlussverkauf.
  • Onlinehandel und Rückzahlung der Corona-Hilfen führten zur Schließung.
  • Lage ohne Parkplätze und städtische Maßnahmen mindern Kundenfrequenz.
  • Rösch sucht nach einer neuen Aufgabe und hofft auf einen Investor für das Gebäude.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Sie wird hier fehlen“, sagt eine Kundin von der Alb, die Heidrun Rösch schon lange kennt. „Na isch recht“, freut sich die Geschäftsführerin in Blaubeuren ein wenig, dass sie vermisst werden wird. Als Andenken will die Kundin sogar eine versilberte Schöpfkelle mitnehmen und feilscht dazu noch ein wenig.

Ein altes Foto zeigt Gerhard Pfetsch bei der Beratung im Laden (rechts).

Ein altes Foto zeigt Gerhard Pfetsch (rechts) bei der Beratung eines Kunden im Laden.

Privat

Der Schlussverkauf fällt Rösch nicht leicht. In den vergangenen Wochen seien ihr im Gespräch mit mancher Stammkundin schon die Tränen gekommen, sagt die 68-Jährige, deren Geschäft in der Karlstraße 10 vor allem der Onlinehandel immer mehr den Garaus gemacht habe. Ins Online-Geschäft stieg sie nie selbst ein; seit Corona hat sie nur noch halbtags offen. „Die Entscheidung hat mir schon einige schlaflose Nächte beschert. Aber irgendwann muss man aufhören.“

In den 1930er Jahren erstrahlte der Laden von Georg Pfetsch nach einer Renovierung in neuem Glanz.

In den 1930er Jahren erstrahlte der Laden von Georg Pfetsch nach einer Renovierung in neuem Glanz.

Karin Mitschang

Etliche Maßnahmen der Stadt seien auch „nicht förderlich für die Kundenfrequenz gewesen“, spielt Rösch auf die Verkehrsberuhigung in der Karlstraße und die neuen Parkgebühren in der Innenstadt an. Im Herbst habe es keinen verkaufsoffenen Sonntag gegeben, im Frühjahr habe auch dieser nicht viele Kunden in die Stadt gelockt. Letztlich sei es die Rückzahlung der staatlichen Corona-Hilfen gewesen, „wo ich gesagt habe: Jetzt isch aus und vorbei“, sagt Rösch, die seit diesem Jahr nur noch im vorderen, alten Teil des Ladens Produkte zeigt, die raus müssen. Auch ein paar Second-Hand-Artikel einer Bekannten hat sie in den Regalen. „Warum nicht.“

Keine Parkplätze am Haus

Die Lage in der Altstadt ist eigentlich bestens. „Aber halt ohne Parkplätze“, stöhnt die Blaubeurerin, die in dem Haus wohnt, dessen Verkaufsräume in den 70er Jahren nach hinten erweitert worden waren. Das war die beste Zeit bei Pfetsch, „da standen wir zu zehnt oder zu zwölft hier im Laden“. Traurig stimmt die 68-Jährige, dass sie Abschied nehmen muss von ihren netten Kundinnen und Kunden, mit denen sie sich gern austauschte. „Das gibt es ja kaum noch, dass man ein Schwätzle halten kann.“

Dekoratives und auch ein bisschen Kruscht gab und gibt es noch bei Pfetsch in Blaubeuren.

Dekoratives und auch ein bisschen Kruscht gab und gibt es noch bei Pfetsch in Blaubeuren. Wie lange noch, das ist noch nicht klar.

Karin Mitschang

Großvater Georg Pfetsch hatte das „Eisen- & Colonialwarengeschäft“ im Jahr 1903 von einem Wilhelm Boleg übernommen – zunächst laut alten Dokumenten in der Absicht, den Namen beizubehalten. Später übernahmen die Söhne Gerhard und Eberhard, Röschs Vater und Onkel. Nach und nach kamen zum Schwerpunkt landwirtschaftlicher Geräte und Eisenwaren im Laden gegenüber der Stadtkirche immer mehr Haushaltswaren, Deko, aber auch Handtaschen und Accessoires sowie ein Schlüsselservice hinzu. Auch Kleineisenwaren und Gartenartikel wurden feilgeboten. Seit 2012 betreibt Rösch den Laden.

Nach 121 Jahren wird in diesem Jahr Schluss sein mit dem Traditionsgeschäft von Georg Pfetsch. Wann genau, ist noch nicht klar. „Alles muss erst raus“, sagt Heidrun Rösch, die für ihr Leben nach der Arbeit eine neue Aufgabe sucht, die ihr Freude macht. Ob es ein Ehrenamt wird oder ein neues Hobby, weiß sie noch nicht. Und wie geht es mit dem Haus weiter? Ob es unter Denkmalschutz steht, weiß Rösch nicht.

„Ich warte auf den großen Investor“

„Ich warte auf den großen Investor, der hier Wohnungen einbaut. Die werden dringend benötigt.“ Auf einen Drogeriemarkt oder ein weiteres Restaurant, das mancher Kunde sich wünsche, wagt sie nicht zu hoffen – „ohne Parkplätze wird das nichts“. Letztlich hänge es auch davon ab, ob die Stadt beispielsweise eine Tiefgarage genehmigen würde, was in der Karlstraße 10 möglich wird.

Georg Pfetsch hat den Eisen- & Colonialwarenladen in Blaubeuren 1903 erstanden.

Georg Pfetsch hat den Eisen- & Colonialwarenladen in Blaubeuren 1903 erstanden.

Karin Mitschang