Opernsängerin mit Herz
: Weltstar Diana Damrau schenkt dem Theater Ulm Kleider und Hoffnung

Die Zerstörung des Ulmer Kostümfundus hat die Sopranistin geschockt. Sie unterstützt den Wiederaufbau mit prächtigen Roben, ihrer Popularität – und ihrer Stimme.
Von
Marcus Golling
Ulm
Jetzt in der App anhören
Theater Ulm - Große Opern-Benefizgala, Kleiderspende von Star-Gast Diana Damrau

Ein Opernstar in Ulm: Diana Damrau (rechts) präsentiert eines ihres gespendeten Kleider, neben ihr stehen (von links) Intendantin Greta Calinescu, Generalmusikdirektor Felix Bender und Operndirektor Benjamin Künzel.

Armin Buhl
  • Diana Damrau unterstützt das Theater Ulm nach dem Fundusbrand mit Spenden und Auftritten.
  • Sie gab rund 20 Stücke ab, darunter Roben, Reifröcke und Schuhe, ein Kleid erzielte 1013 Euro.
  • Bei einer Benefizgala sang sie mehrfach, die Tickets waren schnell ausverkauft.
  • Auf der Bühne traten auch Ensemble, Opernchor und Philharmoniker unter Felix Bender auf.
  • Spenden für den Wiederaufbau sind weiter möglich, auch besondere Kleiderspenden sind gefragt.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Diana Damrau kommt mit einem Ohrwurm von der Bühne. Kann passieren, wenn man ein Stück aus einer Johann-Strauß-Operette probt. „Wo die wilde Rose erblüht, tönt mir der Nachtigallen Lied“, singt die Sopranistin leise vor sich hin, halb summend, als sie zum Gespräch ins Theaterfoyer kommt. Weiter ginge es in dem Walzer übrigens mit „Wenn kalt dein Herz bleibt bei meiner Pein, so ist's von Marmorstein“. Der Opern-Weltstar hat hingegen ein Herz aus Gold, um in der Operettensprache zu bleiben: Die in Günzburg geborene Sängerin ist ins Theater Ulm gekommen, um diesem in einer schwierigen Phase zu helfen.

Unter anderem mit der Abendrobe, die an diesem Nachmittag auf einer Schneiderbüste vor dem Großen Haus präsentiert ist: ein Kleid für eine Diva, aus blauem Stoff mit einem Rosenmuster. Damrau hat es vor einigen Jahren in Dresden gekauft und öfter bei Konzertauftritten getragen. Aber wie es so ist für einen „Star“ (die Sängerin malt beim Aussprechen des Wortes selbst die Anführungszeichen in die Luft): Zu oft darf man sich nicht im gleichen Outfit auf die Bühne wagen. Deswegen sei ihr beim Blick in ihren übervollen Schrank die Idee gekommen, mit ihrer Garderobe Gutes zu tun. Mit diesem und weiteren Kleidern, mit Reifröcken und Schuhen. Den Anruf der Sängerin wird der jetzige Operndirektor Benjamin Künzel sicher nicht mehr vergessen: Damrau habe vor Ideen gesprudelt, erzählt er, er habe nur „Ja“ sagen müssen.

Diana Damrau war geschockt

Das Theater Ulm leidet noch immer und sicher noch sehr lange unter den Folgen des Fundusbrandes im Juni 2025, bei dem allein rund 27.000 Kostüme vernichtet wurden. Damrau erfuhr von ihrer Studienfreundin Elke Kottmair, die in Ulm unter anderem schon in „Sister Act“ dabei war und demnächst im „Ball im Savoy“ singen wird, von der Katastrophe – und war nach eigener Aussage geschockt: weil sie als Schülerin am Günzburger Dossenberger-Gymnasium häufig das Ulmer Theater besucht hatte, aber auch, weil sie weiß, was für ein Schatz so ein Fundus ist. „Das ist Kunsthandwerk, vieles davon könnte man gar nicht mehr herstellen“, sagt sie. Vom ideellen Wert ganz zu schweigen.

Die Damrau hat rund 20 Stücke gespendet. Das blaue Kleid wurde im Internet versteigert, der Erlös von 1013 Euro kommt dem Theater zugute. Der Rest kommt in den derzeit im Wiederaufbau befindlichen Fundus und damit irgendwann auf die Bühne zurück. Die 55-Jährige hat sich aber gewissermaßen auch selbst gespendet: ihre Social-Media-Reichweite, die sie für Spendenappelle nutzte, und ihre Kunst in Form von mehreren Darbietungen bei einer Opern-Benefizgala im Großen Haus. Die Tickets dafür waren in kürzester Zeit ausverkauft gewesen.

Ulm & Neu-Ulm

Alles Wichtige aus Ulm und Neu-Ulm.

Zum Whatsapp Kanal

Die Gala eröffnen die Philharmoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Felix Bender so schmissig mit der Ouvertüre von Michail Glinkas Märchenoper „Ruslan und Ludmila“, dass sich sofort Neujahrskonzert-Atmosphäre einstellt. Er müsse sich „gegen den Reflex wehren, Ihnen allen ein frohes neues Jahr zu wünschen“, sagt Moderator Künzel und erntet dafür die ersten Lacher. Aber eigentlich ist sogar noch mehr geboten als beim Klassiker: das komplette Solistenensemble und die Männerstimmen des Opernchors präsentieren sich auf der Bühne, auf der nach und nach vom Schnürboden mehrere der prachtvollen Damrau-Kleider als Dekor heruntergelassen werden.

Ein schillerndes Programm mit Gassenhausern und raren Juwelen: sehr komisch, wenn Bass Martin Gäbler als Leporello die Liebschaftenliste seines Herrn „Don Giovanni“ herunterrattert, wunderschön sentimental, wenn die Soprane Iida Antola – nach dem Bühnenunfall bei den Proben zu „La Juive“ wieder gut zu Fuß – und Maria Rosendorfsky „Aber der Richtige“ im Duett singen, und ziemlich beeindruckend, wenn Tenor Joshua Spink in „Ah! mes amis“ aus Donizettis „La fille du régiment“ ohne große Mühe ein hohes C nach dem anderen intoniert. Eine bessere Werbeveranstaltung für das Ulmer Musiktheater kann man sich kaum vorstellen, zumal die neue Mezzosopranistin Lana Maletic, die ihr Ulmer Operndebüt erst im Dezember in „Così fan tutte“ feiert, mit der Schlussarie aus Rossinis „La Cenerentola“ eine beeindruckende Visitenkarte abgibt.

Der Star drängt nicht in den Vordergrund

Aber natürlich: Die Menschen sind wegen Diana Damrau gekommen. Der Star des Abends will sich gar nicht in den Vordergrund drängen. Die Diva, sonst in der Bayerischen Staatsoper, der Metropolitan Opera oder der Mailänder Scala zuhause, kämpft sehr menschlich mit den Tücken ihres langen neuen Kleides und freut sich über ihr Debüt im Theater Ulm. Natürlich ragt sie trotzdem heraus: Wie sie mit fein dosierter Emotionalität „Wär' es auch nichts als ein Traum vom Glück“ aus der Lehár-Operette „Eva“ interpretiert, sich im Walzertakt der Arie wiegend, wie sie dann gemeinsam mit Maletic und ihrer Freundin Elke Kottmair die anfangs erwähnte „wilde Rose“ aus „Das Spitzentuch der Königin“ zum Blühen bringt.

Zum Finale dann das Brindisi aus Verdis „La Traviata“, das Publikum klatscht im Takt, die Abendroben scheinen an an den Seilen zu tanzen, die ganze Solistenriege – und GMD Bender – singen die Verse des berühmten Trinklieds. Theater ist, wenn alle mitmachen, wenn alle zusammenhelfen. Beim Star des Abends hatte sich Operndirektor Künzel schon früher in der Gala bedankt: „Danke für deine Initiative, für deine freundliche und umkomplizierte Art, Dinge in die Tat umzusetzen.“ An diesem Abend gibt es Standing Ovations nicht nur für die Sängerin, sondern vor allem auch für den Menschen Diana Damrau.

Spenden sind weiter willkommen

Das Theater Ulm freut sich für den Wiederaufbau des Fundus weiter über Spenden: Diese können auf das Konto der Stadt Ulm bei der Sparkasse Ulm überwiesen werden, IBAN DE27 6305 0000 0000 1000 72, als Verwendungszweck unbedingt „Spende Theater Ulm“ angeben. Auch Kleiderspenden sind willkommen, gesucht wird aber keine Alltagskleidung, sondern besondere Stücke wie Uniformen, Brautkleider oder historische Hüte. Anfragen dazu bitte per Mail an pressestelle-theater@ulm.de.