Oldtimer in Ulm und Neu-Ulm: Feuerwehr, LKWs und mehr: Das Magirus-Iveco-Museum feiert Geburtstag

Blick in die Feuerwehrhalle des Museums
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Blick in die Feuerwehrhalle des Museums
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Blick ins Museum
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Drei, die sich aufs Jubiläum freuen: Peter Seeburger, Peter Burkhart und Kurt Wetz.
Sonja FiedlerWer schon einmal mit Sack und Pack umgezogen ist, weiß, wie viel Arbeit, Mühe und Organisation das bedeutet. Was aber, wenn man mehrere Dutzend Lastwagen, Feuerwehrautos und Busse umziehen muss, dazu unzählige Gerätschaften wie Helme, Motoren, Bauteile – und das gleich 14 mal in 25 Jahren? Genau so ist es dem Verein „Magirus Iveco Museum“ ergangen, der an diesem Samstag, 6. Juli, seinen 25. Geburtstag feiert. „Da hatte ich einige schlaflose Nächte“, erinnert sich Gründungsmitglied und Vorsitzender Peter Burkhart. Allein innerhalb des Magirus-Werks musste das Museum drei Mal den Standort wechseln, dann ging es für eine Weile nach Senden in die ehemalige Uhren-Fabrik. Doch auch dort mussten sie wieder raus, zogen in eine Halle nach Nersingen und später zurück ins Magiruswerk.
Überführungskennzeichen und Sondergenehmigungen
Als die dortigen Räume wieder vom Unternehmen benötigt wurden, ging die Odyssee weiter nach Baltringen und Münsingen. „Und jedes Mal brauchten wir rote Überführungskennzeichen für alle Fahrzeuge“, sagt Burkhart. Zudem auch Sondergenehmigungen für die oft überbreiten Gefährte. Mehrmals habe er schon befürchtet, der Verein müsse sich auflösen, doch seit 2019 scheint Ruhe eingekehrt. Seitdem ist das Museum in der Baumgartenstraße in Neu-Ulm beheimatet, in einer Halle der früheren Firma Passigatti gegenüber des Orange-Hotels. „Und darüber sind wir wirklich sehr froh: Es ist eine schöne Halle, mit einem großen Außengelände.“
Gegründet wurde der Verein 1999 von rund hundert aktiven und ehemaligen Mitarbeitern der Firma Iveco mit dem Ziel, historische Fahrzeuge aus der Magirus-Iveco Produktion zu erhalten und zu präsentieren. Schnell wuchs das Interesse auch außerhalb des Unternehmens: Mittlerweile hat der Verein über 500 Mitglieder aus ganz Deutschland und über die Grenzen hinaus. Viele davon seien Oldtimer Freaks, die alte Fahrzeuge umbauen, zum Beispiel zu Wohnmobilen, und technische Fragen hätten oder alte Betriebsanleitungen benötigten, sagt Verwaltungsvorstand Kurt Wetz. Die Mitglieder vor Ort helfen weiter, wo sie können – schließlich betreuen sie auch das historische Magirus-Archiv, das in 900 Umzugskisten zu ihnen gewandert ist. Immer wieder kämen auch Mitglieder zum Beispiel aus Norddeutschland mit ihren Oldtimern vorbei, um das Museum anzuschauen. Einmal sei ein Mann aus Hamburg mit eine dreiachsigen umgebauten Zirkuswagen vorgefahren, vor den er ein Magirus- LKW-Gestell gehängt hatte. „Es ist toll, solche Leute zu treffen.“
Kinder dürfen in die Autos klettern
Fahrzeugpflege, Restaurierung, Putzen, Aufräumen, die praktische Arbeit vor Ort eben – all das liegt in den Händen von etwa acht bis zehn Aktiven. 3500 Arbeitsstunden im Jahr würden dabei ehrenamtlich geleistet, sagt Burkhart. Dazu kommen Führungen, von Kindergartenkindern bis Hochschulgruppen, im letzten Jahr waren es 98. Insgesamt haben 2023 rund 1950 Menschen das Museum besucht – darunter auch ein Berufsfeuerwehrmann aus Sidney und Gäste aus Irland, der Türkei und Skandinavien. Bei den Führungen dürfen Kinder auch in die Feuerwehrautos klettern, „und wir wissen zu jedem Fahrzeug eine Geschichte“, sagt Peter Seeburger, der viele Gruppen durch die beiden Hallen führt.
Am Samstag, 6. Juli wird nun mit einem Tag der offenen Tür von 10 bis 16 Uhr in der Baumgartenstraße Geburtstag gefeiert, mit Weißwurstfrühstück und Kaffee und Kuchen. Neben über 45 Fahrzeugen aus der gesamten Firmengeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, die es zu bestaunen gibt, wird an diesem Tag eine Feldküche im Einsatz sein. Diese hatte Anfang des 20. Jahrhundert Otto Magirus erfunden, der Sohn von Firmengründer Conrad Dietrich Magirus, der damit als „Vater der Gulaschkanone“ gilt. Am Fest wird allerdings Erbsensuppe gereicht.
Deutscher Feuerwehrpionier
Firmengründer Conrad Dietrich Magirus wurde 1824 in Ulm geboren. Er gilt als deutscher Feuerwehrpionier. Unter anderem begründete er den Deutschen Feuerwehrverband. Zu seinen wichtigsten Erfindungen zählten die sogenannte „Ulmer Leiter“ sowie die erste selbstfahrende Dampffeuerspritze.