Neues Spritpreisgesetz
: Eine Preiserhöhung pro Tag erlaubt – kräftiger Sprung auch in Ulm und Neu-Ulm

Die Bundesregierung will die Erhöhungen begrenzen, die Ölkonzerne wollen möglichst viel Geld verdienen. Erwartet Autofahrer in Ulm und Neu-Ulm um 12 Uhr totales Chaos? Wir bleiben dran.
Von
Daniel Wydra
Ulm/Neu-Ulm
Preiserhöhungen an Ulmer Tankstellen am 1.4.2026.

Die HEM-Tankstelle an der Olgastraße in Ulm hat ihre Preise deutlich angehoben.

Yasmin Nalbantoglu
  • Seit heute dürfen Tankstellen Preise nur einmal täglich erhöhen – jeweils um 12 Uhr.
  • Vormittags lagen Diesel und Super in Ulm/Neu-Ulm teils über zwei Euro pro Liter.
  • Experten erwarten mittags kräftige Sprünge, teils bis zu 30 Cent pro Liter.
  • Ziel der Regel ist weniger „Preisgezappel“ und mehr Transparenz, Vorbild ist Österreich.
  • ADAC und Branche sind skeptisch: Preisniveau könnte bleiben, nur der Tagesverlauf ändert sich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Totales Chaos an der Zapfsäule oder alles halb so wild? Seit heute (1. April 2026) dürfen Tankstellen in Deutschland die Preise nur noch einmal am Tag erhöhen, immer um 12 Uhr. Die Preise senken dürfen sie dagegen so oft sie möchten. Weil die Mineralölkonzerne trotzdem möglichst nicht auf Einnahmen verzichten wollen, vermuten Experten, dass die Preise jeden Mittag deutlich kräftiger erhöht werden als wir das bisher gewohnt waren. Ein Fachmann hält sogar Preissprünge bis zu 30 Cent pro Liter für möglich.

Wie ist die Lage in Ulm und Neu-Ulm vor und nach der ersten Erhöhung um 12 Uhr? Wie erwartet, lagen die Preise für Diesel und Super schon am Vormittag deutlich über zwei Euro pro Liter. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot lagen vier Cent, schreibt das Portal Clever-Tanken.

Wie erwartet wurden pünktlich um 12 Uhr die Preise erhöht. Zwar nicht um 30 Cent, doch einige der untersuchten Tankstellen verlangen über zehn Cent mehr pro Liter. Doch manche haben „nur“ um ein paar Cent erhöht.

Diesel-Preise an den Tankstellen – vor und nach 12 Uhr

  • Freie Tankstelle am Ring in Neu-Ulm, Turmstraße 38 – alt: 2,269 Euro pro Liter, neu: 2,339 Euro pro Liter
  • Jet in Neu-Ulm, Memminger Straße 54 – alt: 2,279 Euro pro Liter, neu: 2,389 Euro pro Liter
  • bft in Ulm, Blaubeurer Straße 21 – alt: 2,289 Euro pro Liter, neu: 2,349 Euro pro Liter
  • Esso in Ulm, Hindenburgring 3 – 2,289 Euro pro Liter, neu: 2,399 Euro pro Liter
  • Aral in Ulm, Karlstraße 77 – 2,309 Euro pro Liter, neu: 2,369 Euro pro Liter
Preiserhöhungen von 12 bis 16 Cent an der Esso-Tankstelle in der Ulmer Karlstraße

Preiserhöhungen von 12 bis 16 Cent an der Esso-Tankstelle am Ehinger Tor in Ulm.

Salome Hanselmann

Die Preise für Super E10 im Vergleich

  • AVIA in Ulm, Blaubeurer Straße 32 – alt: 2,029 Euro pro Liter, neu: 2,139 Euro pro Liter
  • bft in Ulm, Blaubeurer Straße 21 – alt: 2,049 Euro pro Liter, neu: 2,109 Euro pro Liter
  • Freie Tankstelle am Ring in Neu-Ulm, Turmstraße 38 – alt: 2,049 Euro pro Liter, neu: 2,119 Euro pro Liter
  • Esso in Neu-Ulm, Ringstraße 122 – alt: 2,079 Euro pro Liter, neu: 2,239 Euro pro Liter
  • Aral in Ulm, Raiffeisenstraße 1 – alt: 2,089 Euro pro Liter, neu: 2,149 Euro pro Liter

Hinweis: Diese Preise galten am 1.4.2026 um 12 Uhr. Weil die Tankstellen die Preise jederzeit senken dürfen, zahlen Sie an manchen Tankstellen inzwischen womöglich weniger.

Warum wurde die neue Regel eingeführt?

Die schwarz-rote Koalition verspricht sich von der Änderung nach österreichischem Vorbild mehr Verlässlichkeit durch weniger Preiserhöhungen sowie mehr Transparenz. Autofahrerinnen und Autofahrer hätten schon länger kritisiert, dass sich die Preise an den Tankstellen teilweise sehr häufig änderten, hieß es zur Begründung des Gesetzes.

Im Durchschnitt habe eine Tankstelle pro Tag 20 Preisveränderungen gemeldet, in der Spitze seien es 50, sagte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts. Dadurch verlören Preisvergleichs-Apps an Bedeutung.

Verstöße gegen das Verbot der mehrmaligen Preiserhöhungen können mit einem Bußgeld von bis zu 100.000 Euro geahndet werden.

Was bringt die neue Regel?

„Ob die neue Tankregel tatsächlich zu günstigeren Spritpreisen führen wird, ist offen“, sagte Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale-Bundesverbands. „Die Erfahrung aus unserem Nachbarland zeigt: Kurz nach der Einführung sanken die Kraftstoffpreise in Österreich vorübergehend, pendelten sich aber rasch wieder auf dem gewohnten Niveau ein.“ Mundt schrieb im sozialen Netzwerk LinkedIn: „Eines ist sicher: Wir werden nach aller Voraussicht weniger Preisgezappel sehen. Es wird vielleicht leichter, die niedrigen Preise an einem Tag an der Tankstelle auch zu erwischen. Und das lohnt die Sache doch schon.“

Der ADAC bewertet das Eingreifen der Bundesregierung grundsätzlich positiv - bezweifelt jedoch, dass das Gesetz tatsächlich zu niedrigeren Preisen führt. In Österreich liegt der günstigste Zeitpunkt zum Tanken laut Autoclub nun häufig kurz vor Mittag, zu einem Zeitpunkt, an dem bisher nur wenige Menschen eine Tankstelle ansteuern. „Ob sich die Situation für Verbraucherinnen und Verbraucher verbessert, muss sich daher erst noch zeigen“, sagt eine Sprecherin.

Nach Einschätzung der ADAC-Fachleute wird das neue System das Preisniveau voraussichtlich nicht senken. „Erwartet werden vor allem Veränderungen im Tagesverlauf der Preise, weniger jedoch beim generellen Niveau“, heißt es in der Münchner ADAC-Zentrale.

Aral-Tankstelle an der Ulmer Karlstraße erhöht die Preise deutlich

Auch dieAral-Tankstelle an der Ulmer Karlstraße erhöht die Preise deutlich.

Leonie Maschke

Was sagt die Branche?

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, der mehrere Mineralölkonzerne zu seinen Mitgliedern zählt, hält nicht viel von dem neuen Modell: „Uns ist keine Untersuchung bekannt, die belegt, dass das neue Preismodell nach österreichischem Vorbild Vorteile für den Verbraucher bieten würde“, heißt es in einer Stellungnahme des Verbands. Er widerspricht der Darstellung, hierzulande seien die Tankstellenpreise wegen des Kriegs besonders stark gestiegen. Dies sei längst widerlegt.

Der Interessenverband der Tankstellen bescheinigt der Bundesregierung gute Absichten – und ist ebenso skeptisch wie der ADAC. „In Österreich hat der Preiskampf nicht so stattgefunden, wie man sich das wünscht“, sagt dessen Sprecher Herbert Rabl. Es sei unklar, ob die Mineralölkonzerne in Deutschland den Preiswettbewerb aufnehmen wollten. „Der entscheidende Punkt ist, ob der Markt funktioniert oder nicht. Wenn sich nichts tut, ist der Markt dysfunktional und wir haben ein stillschweigendes Kartell.“

Zum Spritpreispaket der Bundesregierung gehört auch, dass das Kartellamt mehr Befugnisse gegen überhöhte Preise bekommt. Ein entsprechendes Vorgehen aber könnte viel Zeit in Anspruch nehmen.

Mit Informationen der Nachrichtenagentur dpa.

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