Neubau der NPG in Ulm
: „Architektur ist für uns gebaute Kommunikation“

Sozialer Austausch, Transparenz, Wertschätzung, Zuversicht: Markus Allmann, der projektverantwortliche Gründer und Design Director des Büros Allmann Wappner, erläutert, welche Gedanken in den Neubau der NPG eingeflossen sind.
Von
Magdi Aboul-Kheir
Ulm
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Transparent, offen, dynamisch: das neue Medienhaus.

„Das Erleben des Hauses soll Freude machen, inspirieren und zum Gespräch ermutigen“, sagt Architekt Markus Allmann.

Marc Hörger
  • Neubau der NPG/SWP in Ulm: Allmann Wappner entwirft ein offenes, markantes Medienhaus.
  • Leitidee ist „gebaute Kommunikation“, sichtbar in Transparenz, Offenheit und Klarheit.
  • Diagonale Erschließung mit Blick aufs Münster und den Alten Friedhof verbindet Arbeitsbereiche.
  • Flexible Grundrisse ermöglichen Wandel; Atrium fördert Austausch und Konzentration.
  • Fassade spiegelt Konstruktion, ist hochwertig und balanciert Offenheit mit Schutz.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Modern, markant und mitten in Ulm: Das renommierte Büro Allmann Wappner aus München hat den Neubau der NPG in der Ulmer Olgastraße entworfen. Architekt Markus Allmann erläutert, welche Anforderungen es an ein zeitgemäßes Bürogebäude gibt, welche Gedanken in die Planungen eingeflossen sind und was das Medienhaus gestalterisch ausmacht.

Der Neubau der SWP liegt in einer prominenten innerstädtischen Lage in Ulm. Was waren die Herausforderungen, an dieser Stelle ein neues Medienhaus zu entwerfen?

Die Lage ist gekennzeichnet durch Gebäude mit unterschiedlichsten Dimensionen und Nutzungen in direkter Nachbarschaft. Die Fragen waren: Wie schaffen wir ein zukunftsorientiertes, diese heterogene Umgebung stabilisierendes Haus? Wie gelingt es, qualitativ hochwertige Arbeitswelten in einem möglichst kompakten und damit nachhaltigen Gebäude abzubilden? Wie lassen sich die Eigenheiten des Standortes nutzen, um eine originäre, die SWP repräsentierende, Architektur zu entwickeln? Gleichzeitig ist das Gebäude ein erster Baustein für eine weitere Entwicklung längs der Olgastraße, die eine - dem zentrumsnahen Standort angemessen - höhere bauliche Dichte haben wird. Wie kann das Gebäude diese Entwicklung befördern?

Inwiefern sollte das Gebäude identitätsstiftend für die Marke SWP sein und wie findet das nun seinen Ausdruck?

Architektur ist für uns gebaute Kommunikation. Sie ist das Ergebnis von Ideen und Vorstellungen, die sich in offenen Dialogen, kritisch-konstruktiven Diskussionen und gemeinsamen Abwägungen letztendlich im realisierten Bauwerk räumlich manifestieren. Das Gebäude der SWP steht für die Bedeutung dieser Offenheit der Kommunikation.

Wie wichtig waren Sichtachsen, beispielsweise zum Ulmer Münster, aber auch die Nähe zu Stadtkern, Altstadtring und Altem Friedhof in den Planungen?

Die Sichtachse zum Ulmer Münster ist prägend für die innere Logik und den äußeren Ausdruck des Gebäudes. Die nach Süden auf das Münster und nach Norden auf den Alten Friedhof orientierte diagonale innere Erschließung ist das kommunikative Herz des Gebäudes.

Architekt Markus Allmann

Architekt Markus Allmann: „Das Erleben des Hauses soll Freude machen, inspirieren und zum Gespräch ermutigen.“

Ulrike Myrzik, Myrzik & Jarisch, München

Welche Rolle spielt die Fassade im Dialog mit dem Stadtraum?

Die Fassade bildet die innere Konstruktion ab und gibt dem Gebäude damit die notwendige Stabilität und Ordnung. Sie ist hochwertig in der Materialität und ausdifferenziert im Detail. Sie ist so offen wie möglich und so schützend wie nötig.

Was muss ein solcher Neubau heute leisten? Welches waren die Grundgedanken des architektonischen Konzepts - bezüglich Transparenz, Klarheit, Offenheit und Verflechtung der Arbeitswelten?

Architektur ist eine Schnittmenge aus Kultur, Technik und Wissenschaft. Sie bildet gesellschaftliche Entwicklungen ab. Ein Gebäude muss diese auf kluge, kritische Weise interpretieren und so unsere Lebensräume Stück für Stück verbessern. Neben Klarheit und Offenheit ist daher auch, gerade angesichts der Knappheit von Ressourcen, der Begriff der Angemessenheit ein wichtiger für uns. Verbunden damit ist die Frage: Mit welchen Mitteln erreiche ich welche Ziele?

Die Anforderungen an Bürogebäude haben sich durch Digitalisierung und hybrides Arbeiten enorm verändert. Wie spiegelt das neue Medienhaus in Ulm diese Veränderung wider?

Es gibt hier die offensichtlichen und weniger offensichtlichen Veränderungen. Technologisch sind die Schritte der Veränderungen enorm. Räumlich wirksam ist die Digitalisierung aber eher strategisch, verbunden mit der Frage: Wo und wie viele Räume für die Arbeit brauchen wir zukünftig? Im Gebauten selbst wird die Qualität der neuen Arbeitswelten vor allem durch ihre physische Beschaffenheit definiert. Dimensionierung, Belichtung, Belüftung, Akustik, Materialisierung und die Organisation der Räume untereinander sind dafür maßgeblich. Im Medienhaus in Ulm haben wir eine Balance gesucht zwischen einerseits die Kommunikation fördernden und andererseits die Konzentration ermöglichenden Raumsequenzen.

Wie wichtig waren Variabilität und Flexibilität des Raumkonzepts, und wie wurde das umgesetzt?

Die Prognosen über unsere Zukunft werden immer weniger belastbar, insofern ist es eine Notwendigkeit, eine möglichst wandelbare, aneignungsfähige räumliche Struktur zu entwickeln, die auf viele sich ergebende Szenarien reagieren kann. Unveränderlich sind lediglich die vertikalen Erschließungskerne und konstruktiven Elemente des Hauses, darüber hinaus sind die einzelnen Ebenen frei konfigurierbar.

Es war den Planern wichtig, die Lage in der City zu berücksichtigen.

Leitfragen waren für die Architekten: Wie schaffen wir ein zukunftsorientiertes, die heterogene Umgebung stabilisierendes Haus?

Matthias Kessler

Austausch, Agilität, Dynamik: Es ging darum, zeitgemäße und zukunftsfähige Arbeitsplätze in einem Medienhaus zu schaffen. Was trägt die Architektur dazu bei?

Das Erleben des Hauses soll Freude machen, inspirieren und zum Gespräch ermutigen. Es ist einladend und vermittelt Großzügigkeit und Zuversicht. Es ist zudem ein Zeichen der Wertschätzung für alle Mitarbeitenden der SWP.

Wie kann ein Gebäude die Kreativität und Produktivität der Menschen fördern, die darin arbeiten?

Indem es die formellen und informellen Arbeitsprozesse sowie den sozialen Austausch gleichermaßen befördert. Ein Ort der Möglichkeiten, aber auch ein Ort der Identifikation und des Aufgehobenseins.

Ein Medienhaus ist ein Ort der Kommunikation – nach außen, aber auch nach innen. Wie floss dieser Grundgedanke in die Planung und Gestaltung ein?

Prominentester baulicher Akteur für die Kommunikation ist die Diagonale im Inneren des Atriums. Sie verbindet die Arbeitsplätze auf kurzem Wege und bildet räumliche Angebote für alle Stufen der Kommunikation, wie eine zufällige Begegnung auf der Treppe, ein vereinbartes Meeting im Besprechungsraum, einsehbar oder visuell geschützt, oder nur einen kurzen Blickkontakt über die Etagen hinweg.

Warum sind physische Begegnungsräume heute noch wichtig, und welche Aufgabe hat das große zentrale Atrium?

Wir Menschen sind soziale Wesen, der persönliche Austausch ist gerade in Zeiten fortschreitender Digitalisierung, durch nichts gleichwertig zu ersetzen. Das gemeinsame Erleben von Räumen und den darin stattfindenden Ereignissen verbindet. Insofern kommt dem Atrium eine besondere integrative Bedeutung zu.

Was macht Sie als Planer am fertigen Gebäude besonders stolz?

Planen und Bauen ist enorm kompliziert geworden. Wir haben uns in Deutschland Rahmenbedingungen geschaffen, die ein vernunftorientiertes Erdenken und Erstellen von Gebäuden mehr oder weniger verunmöglichen. Umso schöner ist es, wenn es gelingt zu beweisen, dass es auch anders geht. Gute Bauwerke entstehen nur mit guten Bauherren. Stolz macht uns, wenn Bauherr, Nutzer und Stadtgesellschaft, das Gebäude, im eigentlichen Sinne des Wortes, annehmen.