Einkaufen in Jungingen: Wo soll der neue Lebensmittelladen gebaut werden?

Am Standort des ehemaligen CAP-Marktes gab es mangels Umsatz immer wieder Besitzerwechsel.
Lars SchwerdtfegerNoch gehen die Meinungen auseinander, wo der Nahversorger angesiedelt werden soll. Klar ist nur, dass Jungingen wieder eine eigene Einkaufsmöglichkeit braucht. Eine Option wäre im Gewerbegebiet Pfannenstiel, eine andere in der Ortsmitte. Im Gewerbegebiet wird allerdings Fläche versiegelt. Aus der Ortsmitte soll der Verkehr aber draußen bleiben.
Über diese Abwägungen und weitere Probleme wird am Samstag, 13. Januar, von 14.30 Uhr an in der Albhalle, Brühlstraße 4, diskutiert. Nach dem Bericht über das Ergebnis des Gutachterverfahrens wird Bürgermeister Tim von Winning die Position der Stadtverwaltung darstellen. Dann folgt die davon abweichende Forderung des Ortschaftsrats, und zuletzt können Bürger und Bürgerinnen Fragen stellen.
Zwei mögliche Standorte für neuen Supermarkt
Zur Erinnerung: Völlig offen ist, wo der Standort für einen Supermarkt oder zumindest ein neues Lebensmittel–Geschäft sein könnte. Die Entscheidung hierfür hätte im Fachbereichsausschuss Stadtentwicklung, Bau und Umwelt fallen sollen, wurde aber wegen unterschiedlicher Standort–Prioritäten auf dieses Jahr vertagt. Zur Auswahl haben sich zwei Varianten herauskristallisiert:
- Am Standort 1, im Gewerbegebiet Pfannenstiel, könnte zeitnah ein Supermarkt gebaut werden — mit Parkplätzen, aber ohne Wohnungen
- Am Standort 2, im Ortsinnern in der Ehmannstraße, könnte ein Gebäude mit Wohnungen und Laden im Erdgeschoss neu entstehen
Ein dritter Standort, ebenfalls im Gewann Pfannenstiel, aber auf dem Grundstück der Lebenshilfe–Werkstätten, ist für den Junginger Ortschaftsrat deshalb indiskutabel, weil die Umsetzung eines dortigen Nahversorgers mindestens fünf Jahre dauern würde.
1200 Quadratmeter Verkaufsfläche in Jungingen möglich
Deshalb hatte sich der Ortschaftsrat in seiner Sitzung mehrheitlich dafür entschieden, am westlichen Ortsrand im Pfannenstiel einem Supermarkt Platz einzuräumen — mit 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche. Dafür spreche die relativ schnelle Umsetzung innerhalb von zwei bis drei Jahren, denn der CAP–Markt wurde Anfang November aus wirtschaftlichen Gründen endgültig geschlossen. Ortsvorsteherin Marion Schindler ergänzte auf Nachfrage: „Das Gewerbegebiet soll sich entwickeln, und wenn dort kein Supermarkt hinkommt, schnappt sich irgendwann ein anderer Interessent die Fläche.“
Gegen Standort 2 ist der Ortschaftsrat deswegen, weil die Umsetzung dort „anspruchsvoller“ sei. Dazu erklärt Marion Schindler: Es gebe bereits Pläne, dort vier Gebäudekomplexe mit 48 Wohneinheiten zu bauen. Aber nur zwei Grundstücke gehören der Stadt, und auf dem nötigen dritten stehen noch Stallungen, die vorerst weiter landwirtschaftlich genutzt werden.
Verkehr soll aus Jungingen herausgehalten werden
Außerdem habe der mehrfache Besitzerwechsel des bisherigen Nahversorgers — seit 1993 mit Unterbrechung — im Ort gezeigt, dass die Menschen dort längst nicht ihren gesamten Wochen–Einkauf erledigen. Schindler: „Die Kundschaft kommt mit dem Auto.“ Und genau diesen Verkehr wolle man aus der endlich beruhigten Junginger Ortsmitte auch künftig heraushalten.
Trotz dieser Erfahrungen hatte die Stadtverwaltung in der Ausschusssitzung für den Standort Ehmannstraße plädiert. Denn er sei fußläufig, per Rad und mit dem ÖPNV erreichbar. Im benachbarten Lehr und in Dornstadt gebe es bereits Vollsortimenter, und im Pfannenstiel würde viel Fläche neu versiegelt.
Ähnlich hatte auch die Bürgerinitiative „Leben in Jungingen“ argumentiert und Unterschriften gesammelt. Sie ist für eine belebte, aber sichere Ortsmitte „und ein Leben in einer sich umeinander sorgenden Gemeinschaft“, sagt Sprecherin Katia Don. Zudem müsse man bedenken, dass 20 Prozent der Bevölkerung Jungingens älter als 65 Jahre sind.