Umweltschonendes Shopping in Ulm
: Unterwegs für mehr nachhaltiges Modebewusstsein

Wo gibt es umweltbewusste Mode in Ulm zu kaufen? Die Hochschulgruppe Nachhaltigkeit der Uni Ulm nimmt Interessierte zur Future Fashion Tour mit – eine etwas andere Stadttour.
Von
Janina Hirsch
Ulm/Neu-Ulm
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  • Stop in der Secontique: Verkäuferin Marita Redlich (56) erklärt, wie das Secondhand-Angebot des Ladens zustande kommt. Bei der Future Fashion Tour durch Ulm lernen Interessierte, wie in Ulm nachhaltig eingekauft werden kann.

    Stop in der Secontique: Verkäuferin Marita Redlich (56) erklärt, wie das Secondhand-Angebot des Ladens zustande kommt. Bei der Future Fashion Tour durch Ulm lernen Interessierte, wie in Ulm nachhaltig eingekauft werden kann.

    Janina Hirsch
  • Fischerins Kleid und Seemanns Garn: Verkäuferin Seraphine Karczewski (38) berichtet vom Konzept des Ladens.

    Fischerins Kleid und Seemanns Garn: Verkäuferin Seraphine Karczewski (38) berichtet vom Konzept des Ladens.

    Janina Hirsch
  • Schuh-Reparaturen: Pia Szeltner (23, zweite von links) und Larissa Scheer (24, links) führten Interessierte durch die Stadt.

    Schuh-Reparaturen: Pia Szeltner (23, zweite von links) und Larissa Scheer (24, links) führten Interessierte durch die Stadt.

    Janina Hirsch
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Das öko-faire Sommerkleid oder T-Shirt sieht längst nicht mehr aus wie ein Kartoffelsack. Trotzdem werde das Thema Mode von Vielen, die nachhaltig leben wollen, kaum beachtet, findet Larissa Scheer. „Dabei betrifft es uns alle“, sagt die 24-Jährige. Gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Pia Szeltner (23) ist sie in der Hochschulgruppe Nachhaltigkeit der Uni Ulm aktiv. Eine Aktion der Gruppe: die Future Fashion Tour. In zwei Stunden werden während eines Stadtrundgangs Stationen angesteuert, an denen es umweltschonende und faire Mode zu kaufen gibt. Die Tour ist ein Projekt der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) und findet das achte Mal in Ulm statt. Die Studentinnen der nachhaltigen Unternehmensführung Scheer und Szeltner klären dabei öko-faire Kleidung, Secondhand-Produkte und Recycling von Mode auf.

Erste Station: Fischerins Kleid und Seemanns Garn

Am ersten Stopp versammeln sich die 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den Tour-Guides vor dem Laden Fischerins Kleid und Seemanns Garn. Dort gibt es öko-faire Klamotten. Vom Anbau der Rohstoffe, deren Herstellung, zur Logistik, bis hin zur Entsorgung: „In der Wertschöpfungskette von konventioneller Mode gibt es viele Probleme“, erzählt Scheer. „Die Herstellung einer Jeans braucht 7000 Liter Wasser.“ Zum Vergleich: Der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch von Trinkwasser in Deutschland liegt bei knapp 130 Liter. Die Wasserentnahme für die Kleidungsindustrie zerstört zudem Ökosysteme – bekanntestes Beispiel ist der Aralsee. Neben der Umwelt leiden auch die Menschen: Beim Anbau von Rohstoffen für Kleidung kommen Arbeiterinnen und Arbeiter mit gesundheitsschädlichen Chemikalen in Kontakt. Und: Bei einer 100-Stunden-Woche verdienen die Menschen nur wenige Cent pro Stunde.

Auf solche Probleme will die Tour aufmerksam machen. Aber was macht das Modeangebot von Fischerins Kleid und Seemanns Garnnun besser? „Wir haben verschiedene Kriterien, nach denen wir Kleidung einkaufen“, sagt Verkäuferin Seraphine Karczewski. Dazu gehören umweltschonende Materialen und faire Arbeitsbedingungen.

Zweite Station: Vaude

Knapp 270 Meter weiter liegt der auf nachhaltige Outdoor-Ausrüstung spezalisierte Laden Vaude. Was hier verkauft wird, ist umweltfreundlich oder auf dem Weg dorthin, wie Store-Leiter Thomas Engel Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz zitiert. Zahlreiche Vaude-Produkte tragen das staatliche Siegel „Grüner Knopf“, das sozial und ökologisch produzierte Textilien kennzeichnet. Zudem bietet das Unternehmen einen Reparaturdienst, betreibt Upcycling und forscht an nachhaltigen Materialen und Fasern. Trotzdem, so macht Thomas Engel klar, steht und fällt die Chance für mehr Nachhaltigkeit mit dem Komsumenten oder mit der Konsumentin. „Man muss seinen Grundbedarf herausfinden“, sagt Engel. „In einer Gesellschaft, in der wir alles haben, müssen wir uns fragen: Wo liegt mein Grundbedarf und wo fängt mein Luxus an?“

Dritte Station: Die Secontique

Zwischen vierzig und siebzig neue Kleidungsstücke kaufen Deutsche im Schnitt pro Jahr. Vieles davon wird gar nicht getragen. „Es ist besser, man konsumiert weniger und wertiger“, sagt Marita Redlich, Verkäuferin im Secondhand-Laden Secontique. Was dort verkauft wird, kommt nicht aus einer Sammlung, sondern wurde von Menschen vor Ort abgegeben. Vielen Stücken sehe man nicht an, dass sie bereits getragen sind, sagt Redlich. Es gibt aber auch tatsächlich ungetragene Ware im Geschäft: Wegen einer Aktion im vergangenen Corona-Sommer, bei der Händlerinnen und Händler ihre Ware spendeten und vom Staat dafür den Preis bekamen, gibt es nun eine Auswahl an Hochzeitskleidern – nagelneu und günstiger.

Vierte Station: Schuh-Reparaturen

Was kaputt ist, muss nicht kaputt bleiben. An der letzten Station der Future Fashion Tour machen Larissa Scheer und Pia Szeltner auf das Recycling von Kleidungsstücken aufmerksam. Schuhe können vor Ort repariert werden oder – wer nicht selbst nähen kann – geht mit dem fehlenden Knopf an der Bluse in ein Repair-Café. Dort wird das Know-How in Sachen Flicken weitergegeben. Außerdem schlagen Scheer und Szeltner vor, Kleidertauschpartys zu organisieren, weniger Wäsche waschen und: bügeln. Bei diesem Tipp müssen die Teilnehmenden schmunzeln. Niemand hat Lust, sich hinters Bügelbrett zu stellen. Für die Umwelt könnte es aber nach der Tour der ein oder die andere trotzdem tun. Ihr findet uns auch auf Instagram.