Nach Großbrand in Blaubeuren
: Hof unbewohnbar, Familie und Pferde heimatlos

27 Tiere konnten nach dem Feuer provisorisch untergebracht werden, die Heu- und Strohvorräte sind aber vernichtet. Stall- und Pferdebesitzer hoffen auf Wiederaufbau.
Von
Yasemin Gürtanyel
Blaubeuren
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Brand Blaubeuren

Mittlerweile in Sicherheit: Ein Pferd flieht am Freitag vor den Flammen auf den Hessenhöfen.

Anja Bühner
  • Großbrand in Blaubeuren: Wohngebäude, Scheunen und Stallungen sind zerstört.
  • Menschen und 27 Pferde blieben körperlich weitgehend unversehrt, Hof unbewohnbar.
  • Tiere provisorisch untergebracht – Futtervorräte komplett vernichtet.
  • Spendenaktion für Futter gestartet.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Gut ist was anderes.“ Wenige Tage nach dem verheerenden Brand auf den Hessenhöfen in Blaubeuren auf sein Befinden angesprochen, ist Benjamin Matulke angefasst, aber gefasst. Flammen haben am Freitag und in der Nacht auf Samstag große Teile des Hofes vernichtet, auf dem Matulke aufgewachsen ist. Seine Eltern und seine beiden Schwestern lebten in dem Wohngebäude, das nun vom Feuer in großen Teilen zerstört und momentan laut Feuerwehr unbewohnbar ist. Auch Scheunen und Stallungen, in denen Benjamin Matulke eine Pferdepension betrieben hat, sind zerstört. Das sei hart, aber „das Leben muss weitergehen“, meint er. Und: „Zum Glück ist niemandem etwas passiert.“

Sowohl die Menschen als auch die 27 Pferde, die auf dem Hof lebten, sind zumindest körperlich weitgehend unversehrt, berichtet Matulke. Sein großer Dank gelte den Feuerwehrleuten und allen anderen, die unverzüglich zu Hilfe gekommen waren. Auch den Freunden und Nachbarn, die die heimatlos gewordene Familie spontan bei sich aufgenommen hat. „Wir sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft“, sagt Matulke.

Pferdeleute halten zusammen

Emotional mitgenommen ist auch Anja Bühner, deren Pferd in Matulkes Stallungen lebte. Sowohl von den Ereignissen, wie Benjamin Matulke aber auch von der Hilfsbereitschaft. „Toll, wie Pferdeleute zusammenhalten“, sagt sie. So habe sich Peter Schilling, der eine Pferdepension in unmittelbarer Nachbarschaft hat, sofort bereit erklärt, die 27 Tiere bei sich aufzunehmen. „Ist ja klar, dass man einander hilft“, sagt Schilling, der aber auch etwas erstaunt ist über die Ansprüche, die einige Pferdebesitzer dann an ihn hatten. Fünf Pferde seien nach wie vor bei ihm, die anderen hätten mittlerweile anderweitig provisorische Unterkünfte gefunden. Unter anderem bei Landwirten und einem Schäfer in Donstetten, berichtet Bühner.

Den Pferden gehe es soweit gut, sagt sie, nach anfänglicher Panik hätten sich die meisten rasch wieder gefangen, auch weil sie auf dem Schillinghof in ihrem gewohnten Herdenverband auf die Koppel konnten. „Nur ein Sorgenkind hat noch Probleme – aber das kriegen wir wieder hin“, meint sie. Auch wenn die Pferde momentan in alle Winde zerstreut sind, hofft Bühner, möglichst rasch wieder in die alten Stallungen zurück zu können. „Mir ist klar, dass das momentan keiner versprechen kann“, betont sie. „Aber wir können ja nicht einfach so hier sitzen und nichts tun.“

Futtervorräte sind zerstört

So seien die gesamten Futtervorräte für die Tiere von den Flammen zerstört worden. Und das in einer Zeit, in der wegen der großen Trockenheit und Hitze ohnehin wenig Heu- und Strohvorräte vorhanden sind, und viele Landwirte bereits jetzt ihre Wintervorräte angreifen müssen. Im Osten, in Polen und Tschechien, sei die Ernte aber besser gewesen, sagt Bühner. Für den Fall, dass die Pferde wieder bei Benjamin Matulke unterkommen, möchte sie also schon einmal vorsorgen – und Matulke dabei unterstützen, die Vorräte aufzufüllen. „Ich habe einige Kontakte, weil ich viel auf Turnieren unterwegs bin“, sagt sie. Durch einen befreundeten Reiter habe sie ein Angebot für Heu bekommen, die Qualität sei okay. „Wie teuer es ist, werde ich sehen.“

Dass es mit dem Futter alleine nicht getan ist, sei ihr aber klar, versichert sie. „Wir müssen auch erst sehen, ob die Koppeln überhaupt nutzbar sind.“ Denn die auf dem Hofdach montierten Photovoltaikanlagen seien durch das Feuer zerstört und in tausend Splittern auf den Wiesen verteilt. Mit Laubsaugern und Saugmähern wollen sie nun versuchen, die Koppeln zu reinigen. „Ansonsten müssen wir eben die oberste Erdschicht abtragen“, sagt Bühner, offensichtlich zu allem entschlossen.

Willens, seinen Hof wieder aufzubauen, ist indes auch Benjamin Matulke. „Wir haben schon andere Krisen bewältigt“, meint er. Vor 20, 30 Jahren habe es schon einmal sehr schlecht für den Hof ausgesehen. „Wenn man so etwas schon einmal durchgemacht hat, geht es leichter.“ Allerdings komme es auch auf die finanzielle Situation an, räumt er ein. „Wenn sich die klärt, setzen wir alles daran, wieder aufzubauen.“

Futterhilfe für die Pferde

Anja Bühner hat eine Spendenaktion gestartet, um Futter für die vom Brand betroffenen Pferde kaufen zu können. Wer helfen möchte, kann sich melden unter anja-buehner@gmx.net